Adventskalender:: Tür 9

Es klingelt. Schon wieder. Rosi merkt auch daran dass Dezember ist. Wird wohl die Post sein. Wahrscheinlich mit einem Paket für die Nachbarn. Dass sie mal ein Päckchen geschickt bekommen hat, ist lange her. Heute ist es aber nicht ihr Lieblingspostmann, schade. Sie muss Heinrich erinnern, rechtzeitig die schöne Flasche Sekt vom Einkauf mitzubringen, die der Postmann jedes Jahr zu Weihnachten bekommt.
Ein Paket für ganz oben. Wohnt da wieder jemand? Rosi stellt es auf das Flurschränkchen, neben das rote Telefon. Ach, sie wollte Heinrich noch fragen. Er sitzt mit der Zeitung neben dem Radio. Eins für die Ohren, eins für die Augen sagt er immer, wenn sie den Kopf darüber schüttelt.
“Na Herzblatt.” Er bemerkt sie immer.
“Was hältst du davon – … Die Nachbarin hat angerufen, das war seltsam. Sie wollte nur fragen, was ich zum Mittag koche. Wollen wir sie nicht mal einladen, zum Kaffee?”
“Was, die beiden alten Schachteln? Die habe ich schon ewig nicht mehr gesehen. Können die denn noch laufen?”
“Also Heinrich.” Rosi schnalzt mit der Zunge.
“Ich glaube, das wäre nett. Vielleicht am nächsten Advent, mhm. Ich werde noch ein paar Pfefferkuchen ausstechen.”
Rosi sieht nach dem Teig. Ihre Küche hat noch einen Wandschrank unter der breiten Fensterbank, da ist es jetzt im Winter fast so kalt wie im Kühlschrank. Sie hat den Teig schon Ende November gemacht, damit er gut durchziehen kann. Natürlich weiß sie, dass Heinrich jeden Tag ein kleines Bällchen davon nascht. Gleich früh, wenn er in der Küche rumort, die Butter raus stellt, den Kaffee kocht. Er macht vier Kniebeuge und zupft sich ein Stückchen rohen Teig. Klopft den Teig wieder zurecht, dass man nicht sieht, wo etwas fehlt.
Eine Sache mehr, die ihr fehlen würde, wenn er mal nicht mehr ist. Ach Advent ist auch so viel Wehmut. Seit Jahren macht sie mehr Teig, als sie verbacken kann. Aber wehe, sie spricht ihn aufs Naschen an. Dann kommt die Zornfalte über seiner Nase, die selten auftaucht und doch mit den Jahren auch Spuren in sein Gesicht gezeichnet hat.
“Stichst du Pfefferkuchen aus?” Heinrichs Filzpantoffeln schlurfen über die Dielen.
Rosi rollt schon den Teig auf dem Tisch aus, das geht noch flink.
“Soll ich dir helfen? Was willst du, Sterne, Herzen? Oder die hier, was sind das, Füße? Also wirklich …”

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Ein Kommentar

  1. Am 10. Dezember 2017 um 19:39 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ach, sind die lieb miteinander!!!