Adventskalender:: Tür 11

Trudi ist froh, dass sie es jetzt hinter sich hat. Leise schließt sie die Wohnungstür. Golda wird ihr Nickerchen halten. Trudi mag die Stadt nicht, wenn es Winter ist. Alle Türen sind zu. Die Gesichter verkniffen. Blanke Zweige spießen den Himmel auf. Es blutet grau. Im Winter fragt Trudi sich, wie lange noch? Und sie denkt an die Heimat, jeden Tag. Der Hof, das Feld, dahinter der Buchenwald. Als sie klein war, hat sie versucht den Vater zu überreden, eine Reihe Weihnachtsbäume anzupflanzen. Er hat immer nur gelacht und ihr auf die Nasenspitze getippt. Wie hochgewachsen diese Tannen jetzt wohl wären.
Trudi legt acht Tafeln Milkaschokolade auf den Küchentisch. Da steht ein kleines Paket, aber es ist nicht an sie adressiert. Die Straße stimmt, aber kein Name, nur 3. Etage.
Später sitzen beide Schwestern am Küchentisch. Golda hat alle Tafeln ausgewickelt und in eine Blechdose gelegt. Trudi hat eine halbe Tafel wieder herausgenommen. Sie zerschneiden das Silberpapier und falten Sterne. Golda hat Weihnachtsmusik angestellt und summt mit, ohne dass sie es bemerkt. Im Winter wird es so plötzlich dunkel, anders als im Sommer, wo es Stunden dauert. Trudi mag diese Winterdunkelheit überhaupt nicht. Aber sie mag zusammen schweigen mit Golda.

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