Adventskalender:: Tür 18

Rosi tritt den Matsch von den Stiefeln ab. In der Nacht kam Schnee, aber heut taut er schon wieder. Die Stadt sieht aus wie ein ungewaschenes Kind. Sie stellt die Tasche mit Milch, Butter und Brot in die Küche. Es ist so still. Ein ungutes Gefühl springt sie plötzlich an.
“Nein! Heinrich!” Reglos hängt er in seinem Sessel, die Zeitung liegt auf dem Boden. Sie stürzt zu ihm, rüttelt seinen Arm. Kopflos rennt sie zurück ins Treppenhaus und ruft, schreit: “Hilfe! Hallo! Ist jemand da? Hilfe! Mein Mann -”
In ihrem Kopf ist nur Rauschen, kein einziger klarer Gedanke. Fast bemerkt sie gar nicht, wie von oben Schritte schneller werden.
“Frau Schmitt? Was ist passiert?”
Niklas und sein Vater wollten gerade einkaufen gehen. Der Vater hört gleich, dass etwas nicht stimmt.
“Niklas, geh zu Mama.”
Jetzt drückt er sich an Frau Schmitt vorbei in ihre Wohnung. Es ist das erste Mal, dass er sie betritt. Hoffentlich nicht das letzte Mal. Er hat schon das Handy in der Hand. Er fühlt den schwachen Puls bei Herrn Schmitt und ruft einen Krankenwagen.
Rosi steht händeringend in der Tür. Ihr ist so übel. Sie schwitzt. Sie friert. Noch nie hat sie sich so ohnmächtig gefühlt. Versager hallt es durch ihren Kopf.
“Frau Schmitt, wie lange ist ihr Mann schon bewusstlos? Es kommt gleich ein Krankenwagen. Wollen Sie dann mitfahren? Ziehen Sie sich schon mal an.”
Dieser Nachbar – Rosi kann sich nicht mehr an seinen Namen erinnern. Aber stimmt, er arbeitet in einem Krankenhaus, das hat seine Frau ihr mal erzählt.
Er schaut sie so an, als würde alles gut.

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    Hier schreibt Mirjam Nietz. Ich lebe mit meinem Mann und drei Kindern auf dem Brandenburger Land - einen Fuß breit in Berlin, ständigem Nordweh im Bauch und einer Hand an der heißen Kaffitasse.
    Schön dass du dir Zeit nimmst!