Category: So ein Tag

Jul 19

Meer

eingebuddelt

Wenn man ans Meer kommt
soll man zu schweigen beginnen
bei den letzten Grashalmen
soll man den Faden verlieren

und den Salzschaum
und das scharfe Zischen des Windes einatmen
und ausatmen
und wieder einatmen

Wenn man den Sand sägen hört
und das Schlurfen der kleinen Steine
in langen Wellen
soll man aufhören zu sollen
und nichts mehr wollen wollen nur Meer
Nur Meer

Erich Fried

Schwärmer

Eins meiner Lieblingsgedichte von Erich Fried.
Für einen Tag sind wir ausgebüchst – und haben so getan, als hätten wir eine Woche lang Strandarrest. Oh Lieblingsbrise, Kutterflanken, Muschelkalk, Fischköppe, Nordic Yards, dänisches Eis und immer wieder das Wort denken: Dünen.
Batti schwärmt gerade mit Schätzings “Schwarm” aus, während ich lieber nur die Danksagung lese. Einfach schön. Mini Blondie total beeindruckt vom endlosen Blau, Sand und Nass, Rauschen und Burgen kleckern, sagt ab und an: Aber ich kenn das noch nicht, das Meer.
Das soll sich ändern, Kleines, versprochen!

meerkuss

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Jun 28

Zahltag

sonnentanks

Heute habe ich 28 kleine Erdbeeren geerntet (nicht die auf dem Bild, die hat Opa aus seinem Garten mitgebracht) ::: 8 Dekokisten in den Keller verfrachtet ::: 1 Brötchen mit ganz frisch geschleudertem Honig gefrühstückt ::: 0 Körbe Wäsche gewaschen ::: 3 Stunden Siesta gehalten ::: 50 Mal geniest ::: 2 Liter Mango Lassi gemixt ::: mindestens 30 Mal aufgeatmet – Sommer ist am Besten, wenn keine großen Termine anstehen!

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Jun 24

Crazy Days

swiss miss

Crazy Days sind das gerade im Hause KAFFIKNOPF und so. Mitte des Jahres, Aprilwetter, kein Urlaub in Sicht. Und Weltmeisterschaft. Und Heuschnupfen zum Zerplatzen. Batti arbeitet wortwörtlich von früh bis spät und an den Keksbergen im Schrank kann ich ablesen, wie lange wir noch durchhalten müssen. Morgen gehts auf zum vorletzten Akt: mit den Mädels fahren wir ins Jotwede, eine Hochzeit schmücken. Mini Blondie hat einen einen Opatag – ich bin gespannt, was die beiden anstellen werden. Hoffentlich trampen sie nicht mit den Traktoren durchs Dorf.

Ich hätte große Lust, ein Crazy Days Giveaway auszurufen … aber die Tage werden schließlich schon wieder kürzer und somit klappt das nicht. Zum Trost dürft ihr mal einen Schluck von meiner Dark Chocolate Sensation Swiss Miss probieren, mit der eine Freundin mir neulich den Tag versüßt hat.

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Apr 27

vertauschte Rollen

bodenblühertable is setofenstiefel

Draußen und drinnen gehts bei uns gerade drunter und drüber. (Wann eigentlich nicht?) Die Blumen im Beet sind aus Wolle, das Obst auf dem Kindertisch auch. Dafür steckt Mini Blondie ihre Gummistiefel (die heißgeliebten, die sie morgens noch im Schlafanzug schon anzieht) in den Backofen. Was soll da am Ende rauskommen. Stiefelgratin? Oder sind die Stiefel nur die Form und heimlich mit Modderpampe gefüllt?

Neben den Mützenblumen wachsen meine ersten eigenen Tulpen, sie sind so knackig, ich könnte reinbeißen. Die Saat im Gemüsebeet ist schon so groß, dass ich sie aus dem Küchenfenster sehen kann, die kleinen grünen Reihen. Aufregend! Mindestens genauso aufregend wie die sehr nahen Geburtstagsfeste, für die noch ach so viel zu tun ist … Schwupp, bin ich wieder off. Den wolkigen Tag muss ich im studio nutzen.

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Apr 13

Raus!

cube1cube2

* Frische Schnittblumen überall.
* Morgens, mittags, nachmittags, abends draußen sein.
* Rennen, Radfahren, durchs Gras rollen, Unkraut ziehen, Gießen, Klettern.
* Viele kleine Plappermäuler da und kein Kuchen im Haus.
* Nicht viel geschlafen, aber Glück im Blick.

promise
von weiß zu blau

Sieht das nicht wie ein handfestes Versprechen aus? Mit dem Rad sind wir ratzfatz bei der Gärtnerei und es ist bestimmt ratsam, da niemals mit dem Auto hinzufahren, da würde so viel mehr reinpassen an Pflanzenschätzen. Ich liebe Gewächshausgeruch. Ich wünsche mir manchmal ein altes, gläsernes Gewächshaus – für kleine Feste.

crazy

Noch ist nicht Sommer, kommen wir nicht aufgeheizt am Abend in ein kühles Haus, schlürfen Zitronenlimonade mit Eiswürfeln und gießen und gießen. Noch ist nicht die Zeit für solche Späße hier … aber dieses Haus, es piekst mich, immer wenn ich daran vorbei komme. Da wedelt es mit Kaffiknopfgirlanden in den Bäumen, mit blanken Fenstern, hinter denen Stoffe und Wollknäule aufgereiht liegen und knarrt mit der Hintertür, aus der Kuchenduft entwischt … Noch ist nicht aller Tage Abend …

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Mrz 30

Rhythm and Blues

Rhythmusstörungen!

Manchmal, wenn Tage genauso klappern wie ein Kofferraum voller Altglas, oder wenn sie so eiern wie dein altes Fahrrad, komme ich mittendrin doch noch dahinter: Es liegt gar nicht daran, was am Tag passiert – oder nicht. Auch nicht an Begegnungen die zustande kommen – oder nicht. Es liegt ein bisschen an guten Worten … oder bösen. Aber so eine mittelschwere, typische Tagschieflage, passiert, wenn ich gegen meinen Rhythmus lebe. Oder wenn ich ihn verloren habe. Das kommt von Zeit zu Zeit vor.
Jedes Gemüt hat einen ganz eigenen Rhythmus, der zuverlässig ist, aber auch bescheiden. Er lässt sich leicht übertönen von Dringlichkeiten, Erledigungen, Gedankenstrudeln. Und dann wundere ich mich, warum ich durch einen Tag nur so stolpere, rein gar nichts leicht von der Hand geht und sich vor mir, hinter mir, neben mir Berge auftürmen – und ich steh nur in Gummistiefeln da.
Ich habe mal wieder nicht auf meinen Rhythmus gehört. Ich habe ihn auch noch gar nicht so recht gefunden, hier im neuen Zuhause. Vor dem Umzug war es gar nicht zu merken, wie sehr Mini Blondie und ich darauf eingespielt waren. Andante. Vivace. Sommer im 6/8 Takt.
Hier bellen auch Hunde – und zu Recht. Hier scheint der Mond auch, wann er will. Weht der Wind und franst Wolken aus. Schmeckt Kaffee gemeinsam und allein. Hier sind die Spinnen größer. Hier brauchen wir einen neuen Rhythmus. Mit Auftakt. Und während ich ein bisschen besser hinhören will, spielen wir alle zusammen Marotten ausmotten.

sonne

Liebenswerte Spleens, urkomische Angewohheiten. Wer hat welche? Die eigenen fallen einem selbst wahrscheinlich gar nicht auf. Meine Mum geht bei irgendwelchen Plakaten oder Schildern mit Ziffern immer durch, ob alle Zahlen von 1-10 dabei sind. Miss Autumn Berlin will ihr Essen immer schön Seite an Seite auf dem Teller haben, auf keinen Fall darf die Sauce über die Nudeln laufen oder das Gemüse auf dem Reis liegen. Mini Blondie weint bitterlich, wenn ihr jemand eine Banane aufmacht und dann abbricht, in Scheiben schneidet oder sonstwie anders darreicht.
All diese Ticks sind einfach herzerwärmend und dürfen nicht vergessen werden. Welche bringen euch zum Grinsen?

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Feb 08

So ein Tag

Aufstehen – eine Stunde vor allen anderen. Am Fenster lehnen, sehen, wie der Tag eintrifft, wie das Licht noch etwas glimmt und wieder aufflammt.

Achtköpfige Pilzfamilie und fünf Köpfe Freunde im Haus zu einem Kochgelage mit Entrecote, griechischen Reisnudeln, Kräuterseitlingen, Rosenkohl und Möhrchen. Und an alles eine Prise Zimt.

Zur blauen Stunde im Café Klangholz, über die Zugbrücke in die Zitadelle gelangt, in ganz andere Zeiten versetzt … Wir leben nicht alle Leben, die wir leben könnten, hat glaube ich Hilde Domin gesagt. Jamsession mit Lyra, Chrotta und fremden Instrumenten.

Ein wenig Unschärfe zulassen, den letzten Schleier nicht lüften, etwas zurückbehalten. Das ist in Ordnung.

Die Mütze macht aus ihr mal ein Pilotengesicht und mal einen Schlappohrhund. Nächsten Winter wird sie nicht mehr passen. Es ist nur eine Mütze … und hat die Kraft, mir unentwegt ein Grinsen zu bringen.

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Feb 02

Winter – hier und dort

Immer noch Winter. Hier wie in Maine … jetzt heißt es, das sei der verschneiteste Winter seit 1978/1979. Ich kann mich noch daran erinnern, wie meine Eltern von diesem Winter sprachen, als wir klein waren. In der Zeit ist das Haus meiner Großeltern abgebrannt. In der Vergangenheit schieben sich die Tage, die Monate wie Spielkarten ineinander, zu einem einzigen Damals. Das beruhigt mich, wenn ich in den einzelnen Tagen über zu wenig Gehalt stolpere.
Immer wieder kommt neuer Schnee, Batti schiebt eine Kurve durch den Garten, bis zum Komposthaufen, sie wird wieder eingeschneit, Batti schiebt wieder. Ein paar Schnee-Engel liegen inzwischen übereinander begraben. Wenn wir an so einem späten Abend von Potsdam zurück fahren, kein Auto ist auf der Straße, aber eine dicke Schicht Schnee, rötliches Licht scheint matt, ist es fast greifbar – und doch aus einer anderen Zeit: Mir kommt das Bild auf, wie wir die Ski anschnallen, das Kind eingemummt auf einem großen Schlitten, und Batti fährt lautlos, ich ein bisschen ächtzend durch die Winternacht. Ein Pferdeschlitten sammelt uns auf … Stopp! Bevor es kitschig wird. Am Ende sitzt noch Rilke persönlich auf dem Schlitten.
Wenn es das letzte Mal vor dreißig Jahren so viel und so lange Schnee gab, wird es für viele das erste und einzige Mal sein. Vielleicht. Das würde bedeuten, dass ich sechzig wäre, wenn der nächste richtig harte Winter käme. Dann falle ich wahrscheinlich ständig hin … oder werde von den Schneebällen meiner Enkelkinder getroffen. Was wohl die Leute jetzt alle machen, das wüsste ich gern.
Ich hoffe, sie kramen ihre zweitausendteiligen Puzzles heraus, sitzen zusammen unter einer Wolldecke und lesen, oder träumen schon zärtlich von ihrem Garten, und was sie in diesem Frühjahr säen werden.
Ich habe nicht widerstehen können und erste Sämereien gekauft. Der Februar ist wunderbar geeignet für die Gartenplanung. Mir fehlt noch die richtige Anleitung, aber ich habe im Buchladen ein paar Bücher ins Auge gefasst. Und dann: Kartoffelkäfer, en garde! Mit mir nicht, ich pflanze nämlich gleich etwas anderes. Damit beharke ich dieses Jahr wirklich Neuland. Meine Eltern haben zwar seit jeher einen Garten, und wir haben da auch eimerweise Unkraut gezupft und Fallobst aufgesammelt, aber was wann gesät, gedüngt, geerntet wird, das muss ich auf eigene Faust herausfinden. Ist das ein guter Boden, genug Sonne … Manch einer steht ja mit dem Februar wie Soulemama oder Tollipop auf Kriegsfuss, aber ich lasse mich vom dem nicht einschüchtern. So ein Mickrigmann mit nur achtundzwanzig Tagen, den nehme ich nicht die Bohne ernst. Bohnen kommen dann um die Apfelbäume, ich habe gehört, dass sie da gerne dran hoch rankeln. Ob das klappt?!

Die ersten beiden Tage nach unserem Zuhause-Urlaub haben wir überstanden, und das schön und mit gar nicht allzu wilden Kaffeemengen. Aber ein Umschwung ist es sicher. Es fehlt ein gutes Stück, wenn Batti den langen Tag nicht mit uns zusammen ist. Der leisen Wehmut entgegnen wir: In der Küche einfach mal die Sau rauslassen, mit den guten Ölkreiden malen und Kürbissuppe à la Martina Kömpel. Yumm!

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Jan 21

Grummelgriesgrau

Ich neige dazu, es immer wieder zu vergessen: Es sind die kleinen Dinge, die durch den Tag retten. Ein Frühstücksmuffin der nach Limette und England schmeckt, eine Viertelstunde länger Zeit zum Wachwerden, ein lieber Anruf, Fenchel, Möhren, Kokosmilch und Curry, ein sich vor Lachen ausschüttender Mini Blondie, Neuschnee, eine Geschichte zum Hineinflüchten, wenn die Tage gerade zu dicht an die zähen Wolken stoßen und es drückt.

Jeden Donnerstag kommt unsere Gemüsekiste. Es ist nicht nur bequem, die Sachen ins Haus gefahren zu bekommen, es ist wie ein Geschenk, jede Woche wieder. Ich weiß nicht, was drin sein wird, nur, dass es BIO und saisonal ist. Ab und an ist auch ein Schreckgespenst mit drin, wie zum Beispiel die Schwarzwurzeln von letzter Woche. Nicht tiefer ergründbare Kindheitserinnerungen lassen da die Alarmglocken läuten – aber die Herausforderung nehme ich an. Irgendetwas Leckeres wird sich daraus zaubern lassen. Am Ende viel Käse und Sweet Chillisauce drüber, passt.
Viel mehr als die Schwarzwurzeln fordert mich dieser Rest Januar heraus, mit drohendem Februar im Schlepptau. Es ist viel zu kalt, um lange mit Mini Blondie rauszugehen und hier drinnen fällt uns langsam nichts mehr ein gegen das Grummelgriesgrau. Ja, ich Herbstmensch sehne den Frühling herbei. Und bis dahin – was sind eure Geheimwaffen und Glücklichmacher für alle unter einem Meter?

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Nov 18

An einem Sturmtag …

… Tulpen stecken, Gerümpel identifizieren, vom Eismeer lesen, den Knoblauch in viel Butter anschwitzen, das Feuer im Ofen nicht ausgehen lassen und Espresso trinken, schwarz und beinahe so dick wie Blut.

Alles andere geht nur unglaublich schleppend voran. Die Ordnung im Haus vorm Winter genauso wie das Shopauffüllen vor der Weihnachtszeit. Gibt es so etwas wie die große, allgemeine Novemberverpeiltheit? Nichts mag so recht gelingen. Zwar ist eine halbe Herde Dalarnas genäht, aber jedes hat so seine Macke, und wer will schon ein Pferd mit Macke kaufen. Das ist so eine seltsame Zwickmühle – perfekt und handgemacht, passt das vielleicht einfach nicht zusammen? Genug gejammert, heute geht es zu IKEA, das wird meine Laune heben.
Ein neues Coffee Cozy ist fertig geworden – aber ich weiß nicht mehr, welche Stoffe ich schon vorgewaschen habe und welche nicht. Was das Coffee Cozys in den Shop stellen auch wieder schwer macht, denn waschbar sollten sie ja schon sein und nicht einlaufen. Nicht dass gerade Waschwetter wäre. Also nochmal von vorn. Alle Maschinen an und Bügeln mit Geduld und Spucke. Kaffiwetter ist zum Glück immer.

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