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Category: Stadtkunde

Dez 15

Die Alten warn hungrig und wir sind so satt, so satt dass wir manchmal fast friern.

Lebkuchen

Diese Liedzeile von Gerhard Schöne geht mir gerade nicht mehr aus dem Sinn. Ich bin so satt. Alle so übervoll. Pappsatt. Es fängt bei den Weihnachtsmännern an. Ich habe mich nicht darauf gefreut. Ich kann auch gar keinen essen. Es gab das ganze Jahr schon Schokolade im Überfluss. Das ist traurig. Weihnachten mit seinem Zuckerzeug – ist nichts Besonderes mehr für uns Erwachsene. Es liegt nicht nur an den vollen Regalen der Supermärkte, wir können uns nicht beherrschen. Für die Kinder ist es noch Zauberland, der Advent mit Plätzchen, Schokokringeln, Krokant, Lebkuchen, Zimtstern, Weihnachtsmann. Und, und, und! Am liebsten würde ich den ganzen Koloss an Weihnachtssüßigkeiten wegzaubern können. Ganz ehrlich. Da steckt keine Liebe drin, in den Billigregalen, nur Geldgier. Vielleicht sogar auf beiden Seiten.
Wahrscheinlich trügt meine Idylle, aber ich stelle mir vor, dass es früher anders war. Als die Großeltern und Eltern Kind waren – es muss einfach anders gewesen sein. Da haben sie übers Jahr davon geträumt, die Mandeln für das Marzipan zu schälen. Wo hatte Mutter das Rosenwasser versteckt? Einen Schokoladenmann für jeden, einen Einzigen nur. Davon ging nicht ein Krümel verloren. Die Maschinen hatten andere Dinge zu tun. Plätzchen und Stollen wurden nur in den Küchen gebacken, ohne Hast verziert und als Schätze an die Nachbarn und Freunde geschenkt.
War es so? Mit Glitzerschnee? Es muss einfach so gewesen sein.
Ich steuere gegen den Advent von heute. Es kann was werden. Der Pfefferkuchenteig liegt im Kühlschrank, da muss er nun für eine Woche ruhen. Solange singen wir Weihnachtslieder, alle Strophen. Sortieren den Christbaumschmuck, lesen Geschichten und lachen. Pottasche! Pottasche!
(So gut das alles geht – Mini Blondie und Gelbe Wolke hat es mit einer dicken Erkältung erwischt, schon die ganze Woche kämpfen sie mit Schnupfnase und Husten. Und wachen Nächten. Gelbe Wolke stillt sich nebenbei selbst ab, maunz! Sie kann nicht trinken weil sie keine Luft dabei bekommt.)
Ich streiche weiter aus meiner Wanna do Liste. Und setze mich unter den Stern, setze mich endlich unter den Stern.

holländischer WeihnachtsmarktLicht Licht

Am dritten Advent war ich auf dem holländischen Weihnachtsmarkt in Potsdam und habe Sinteklaas und seine schwarzen Peter getroffen. Was hat es damit auf sich? Habe es nicht herausgefunden. Aber das war mal ein echter Weihnachtsmarkt. Mit echten Holländern! Schöne Marktstände, Männer und Frauen in Trachten, Sinteklaas und bunte Mohren ziehen über den Markt. Köstliche Düfte nach Waffeln, Knoblauch, Adventssteine, heißen Maronis. Licht. Kinder, die auf einer kleinen Bühne ein Lied oder Gedicht vortragen und dafür eine Überraschung bekommen.
Gleich am Anfang war der Akku meiner Kamera leer, natürlich. Aber ich habe endlich den Laden VON KITTEL gefunden, den ich seit einem Jahr suchte und nicht finden konnte, weil er immer nur die vier Wochen im Advent geöffnet hat. Ha! Und als ich mich durch die kalte Innenstadt auf den Heimweg machte, ganz allein, heiße Maronis in der Jackentasche, war mein Akku wieder voll.

Stern auf den ich schauedas neue Jahr ist dicht

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Okt 11

Tausend Jahre

eichen

Gar nicht weit weg von meinen Eltern wohnen die Ivenacker Eichen, auch die Tausendjährigen genannt. Im September haben wir sie besucht. Endlich! Ich wollte schon seit Jahren dorthin fahren. Mit im Herzen hatte ich die blaugelbe Sehnsucht nach Wanås.
Aber Ivenack war ganz anders. Sieben um die tausend Jahre alte Eichen – großzügig eingegrenzt, damit keiner direkt an die Bäume kommt. Viele “junge” Eichen in einem großen Park, Damwild lugt um die Ecke. Alles auch schön (nur nicht Wanås). Mini Blondie haben die vielen meterlangen Baumstämme gefallen, auf denen sie entlang balancieren konnte. Und die Turopolje-Ferkel, sieben oder neun Stück, wir konnten sie nicht genau zählen. Seit Anfang des Monats leben die samt Mutter im Hudewald und ernähren sich nur von Eicheln und was sie sonst auf dem Waldboden finden.
Fritz Reuter, der niederdeutsche Dichter, war oft in Ivenack. Schon um 1850 hießen sie die Tausendjährigen Eichen.
Ich habe noch nie daran gedacht, wie alt die Bäume am täglichen Wegrand schon sein müssen. Hundertjährige Eichen sind gar nicht sooo dick und haben trotzdem so viel Weltgeschichte durch ihre Astlöcher gesehen. Generationen von Spechten, Eichelhähern, Kohlmeisen wurden beherbergt. Spaziergänger im Schnee, Spaziergänger im Abendrot, Streitende, Lachende, Liebende, Tanzende kamen an den Baumstämmen vorbei. Ritzten Namen ein und die Bäume haben noch jede Liebe überdauert.

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Okt 06

Oh Cynthia!

cupcakes

Oh Cynthia! Ich komme aus dem Schwärmen nicht heraus. Dein Herz ist so warm wie der Ofen, in dem deine göttlichen Kuchen, Muffins, Brownies und Cookies gebacken werden. Dein Lächeln ist so herzlich und ehrlich und stark wie ein frisch gebrühter Kaffee in deinem Laden. Deine Art zu reden und deine Gesten sind so süß wie die Zuckerperlen im Cupcake Frosting. Du bist ein Schatz! Ein Sonnenschein für Berlin. Deine Backwerke und deine Rezepte schmecken nicht (nur) wegen des Grafschafter Goldsirup (hehe) so umwerfend köstlich, sondern weil du so eine freundliche, interessierte und herzliche Frau bist. Als wir vor zehn Jahren nach Berlin kamen, war das Barcomis in der Bergmannstraße unser liebstes Café. Seit dem Frühjahr backen Mini Blondie und ich einen Poundcake nach dem anderen … und meine Enkelkinder werden deine Backbücher vererbt bekommen, jawohl.
Dankeschön für einen zauberhaften Abend in deinem Laden!!

In Berlin ist gerade das eat Berlin Festival, in dessen Rahmen meine liebe Bonni und ich zu einem Abend bei Cynthia Barcomi gegangen sind. (Stilldemenz sei Dank, habe ich mir den Beginn eine Stunde zu spät gemerkt und bin herzklopfend durch die Stadt gerast. 20 Uhr ein Parkplatz in Mitte? Alles klar!) Es war alles gut, meine Schürze saß, ich bekam einen Eiskaffee und Bonni machte mich relativ bald darauf aufmerksam, dass ich in der Eile mein T-Shirt verkehrt herum übergeworfen hatte. Äh ja. Waren auch nur Kellner an diesem Abend im Laden, denen fällt so was bestimmt nicht auf. Ich hatte noch nicht viel verpasst und dufte meine Box mit Cupcakes und Cookies verzieren. Ein Traum! Frostings in allen Farben und viele verschiedene Zuckerperlen und Figuren standen bereit. Cynthia Barcomi (mit einer reizenden rot gepunkteten Schürze. We believe in aprons!) schlenderte von Tisch zu Tisch und plauderte mit uns übers Backen. Cynthias älteste Tochter war auch dabei, genauso reizend wie ihre Mama. Sie führt inzwischen das Barcomis Deli. Und wie!
Ich sage ja, ich komme wirklich nicht aus dem Schwärmen heraus. Dieser Abend war ein Highlight. In kleinem Rahmen mit vielen freundlichen Leuten. Nach dem Cookiesverzieren gab es eine tolle Suppe und anschließend Buffet zum Schlemmen. Ich habe mir Kaffeebohnen mitgebracht und kleine Zuckerschweinchen zum Backen mit Mini Blondie. Jetzt muss ich nur noch Batti überreden, so kleine Spritztütchen für das Frosting zu falten.

herzenfette beute
c and c Bonni & Cynthia

barcomis deliEin Teil vom Laden

sweetsZuckerperlencookies verzierenUnser WerkzeugfrostingFrostingcookiesMitbringsel
cynthias apronCynthias Schürze!

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Sep 16

Flugstunden

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Kleiner großer Mensch mit Himbeermütz’ und Tupfen. Auf dem Flugplatz siehst du wieder so klein aus. Mini Blondie. Zusammen starten wir. Zusammen lernen wir fliegen. Zehn. Neun. Acht. Sieben. Sechs. Fünf. Vier. Drei. Zwei. Eins. Los!

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Du fliegst mir hinterher. Drehst meine Schleifen nach. Fühlst dich in meinen Spuren sicher. Deine Füße haben Platz.

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Du probierst deine Flügel aus. Es kitzelt in den Federn. Du streckst dich. In die Wolken willst du wachsen.

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Keiner kann meine Hand so fest fassen wie du. Niemanden kann ich länger tragen als dich. Ich kann dich tragen. Bis ans Ende des Dorfes. Bis zum Zirkus. Zu Anawak. Über die Meerbrücke. Hinter den Horizont. Noch im Schlaf trage ich dich.

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Einmal fliegst du allein um die nächste Ecke.

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Wohin du willst.

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Kommst wieder, wann du willst.

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Bis dahin mach ich dich mutig und frei. Ich setze alles dran. Und du fängst Krähen.

(Flughafen Tempelhof, Fotos von Batti)

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Sep 09

Bei den tollkühnen Stoffen

Volksfaden Laden

Diese Woche war ich mit zwei Freundinnen im Volksfaden Laden. Im schönen Schöneberg, ganz in der Nähe von Naumannstraße, Gustav-Müller-Kirche und Tuffstein. Dort fing vor elf Jahren unsere Berlinzeit an. Die Trödelläden, die türkischen Lebensmittelgeschäfte, das kleine Kino Xenon – gibt es alles noch. Irgendwie hat Schöneberg sich über die Jahre seinen angenehmen Flair erhalten, finde ich. Und seit Juli gibts dort mittendrin in der Crellestraße mit Volksfaden ein richtiges Schmuckstück. Ladeninhaberin Linda Gaylord hat dem Laden wunderschön eingerichtet. Die Fußmatte am Eingang Heimat trifft es: bei dieser herrlichen Auswahl an Stoffen fühlt sich jedes Nähherz sofort zu Hause.

Stickrahmen
Rot und Grün - gilt das für meinen Stoffkauf?Fenster
LadentischRibbons
fabrics
buttonsladentischnicht zu verkaufenVolksfaden

Meine Ausbeute: Zwei Jerseystoffe und ein Rest von Heather Ross Far Far Away II. (Batti hat sich zum Motorradfahren ein Jerseyhalstuch in einer unauffälligen Farbe gewünscht. Habe ich doch gut getroffen, oder?!)

meine Ausbeute

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Aug 07

Stromerwetter: Diesig mit Nieselregen bei 20,5°

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Die Gräser spielen so gern wie ich im Regen. Manchmal basteln sie sich kleine Perlenkostüme und warten, ob jemand darauf reinfällt und sie kosten will. Letzte Woche hatten wir das Schaugehege in der Döberitzer Heide ganz für uns. Warme Luft, Nieselregen und ein Bollerwagen. Die Heide, die Heide! So schön. Ich habe Mini Blondie all die kleinen Schilder vorgelesen, mit denen Kraut und Wiese, Blumen und Bäume benannt wurden. Jetzt weiß ich was ein Magerrasen ist. Und dass Wisente sauschwer sind, sich gern mit dem Rücken im Sand suhlen und 50 kmh rennen können. Das würde ich gerne sehen, von einer ganzen Herde.
Ganz besonders schön gestaltet ist der Fuchsbauspielplatz und die Wasserplanschanlage. Richtig schön zum Austoben nach der Wanderung.
Schön ist also ganz dicht um die Ecke.

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Jul 21

Wie Piepske wach im Wald

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Du bist ein Waldläufer. Nadelwälder haben es dir angetan, du willst dich in Kiefern und Tannen hängen, auf Baumstümpfen weiterwachsen, Zapfen sind deine Beute. Das Waldmusikinstrument baust du dir zum Telefon um – hast du Herrn Fuchs in der Leitung?
Wir haben zu viel Little House in Big Woods gelesen, du willst die Wildschweine jagen oder wenigstens mit deinem Stock erschrecken. Gut, dass sie sich, von dir unbeeindruckt, weiter an den Bäumen ihre Buckel kratzen.
Von den Gummischaukeln und Kletterwaldstationen kannst du dich gar nicht wieder losreißen, wie die großen Kinder darin surren. Ich rieche nur frischen Heidelbeerkuchen und Kaffee.
Wir kommen wieder – und dann mit Talern, Körbchen zum Pflücken und Batti.

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Okt 06

Love in the afternoon – Wanås

Ich sehne mich nach einem Buchenwald. Seit ich in Wanås war. Ich hatte vergessen, wie hoch die Kronen stehen, wie viel Licht ihr Laub bündelt. Und der immerwährende Teppich aus Bucheckern – knack, knack. Als Kind war ich in einem Buchenwald, und dann noch ein Jahr mit Ite-ska-wih.
Solche Wälder müssen steinalt sein. Wahrscheinlich lebte Robin Hood in einem Buchenwald. Elbenspuren könnten noch tief drin verborgen sein. Und kein Wunder, dass die Snapphanar sich in solchen Wäldern versteckten, wie gemacht dafür.
Wanås haben wir zweimal durchwandert. Seit 1987 installieren internationale Künstler für ein Jahr ihre Arbeiten auf dem Gelände rund um das kleine weiße Schloss. (Das ist heute in Privatbesitz. Meine Neugierde blieb ungestillt, ich konnte nicht herausfinden, wer da lebt und seinen Kaffee trinkt.)
Ein paar Arbeiten bleiben jedes Jahr in Wanås zurück. In der Nachsaison war es besonders schön, durch den Wald zu gehen, fast ganz allein. Als liefen wir durch eine Geschichte, die sich mit jedem Weg anders weiter erzählt.
Die Installation von Ann Hamilton in der riesigen Scheune hat mich am meisten fasziniert. Ich wünschte, sie käme mal nach Berlin!
Der Buchenwald von Wanås lässt sich genauso wenig zusammenfassen wie ein Roman – den man ja nie nur liest, immer auch durchlebt. Aber ein paar Bilder will ich doch zeigen. Wer bald nach Schweden fährt, sollte das unbedingt auf die Reiseroute setzen.

WanasWanasschaukelnschaukelnSilberbaumdie Zeit kann sich spiegelndinner is readyjemand zu Hause?Licht

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Aug 12

Übermuth in Kneesebeck

übermuth

In den letzten Wochen war ich ein wenig in den Kuhdammnebenstraßen unterwegs, alte Vertraute. Hier habe ich vor zehn Jahren schon einen anderen Kinderwagen auf und ab geschoben. Als ich Mini Blondie den Spielplatz in der Kneesebeckstraße zeigen wollte, haben wir diese beiden Lädchen gefunden – leider – oder zum Glück? – waren sie schon geschlossen. Aber sehen die Schaufenster nicht herrlich aus?

already closed!want this allcutedarlingwanna go insideis this a bed?

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