Reisekunde

Battiblog: Norwegen, die fünfte

18. September 2010

Wahrscheinlich ist meine Schwester Schuld. Wer wandert auch mit knapp 20 allein und ohne Kontakte einfach so nach Norwegen aus, ausgerüstet mit einem Sprachschatz, der sich auf das Studium von ein paar Ausgaben der Aftenposten gründet? Jeder Beruf hätte ihr mit ihrem Musterzeugnis offengestanden, aber Büros ersticken sie, sie will mit den Händen und draußen arbeiten, also Norwegen, also ein Bauernhof.

Seit meinem ersten Besuch bei ihr habe ich mich angesteckt mit ihrer Leidenschaft für das Land mit der schroffen und unwirtlichen Landschaft, dem unglaublichen Licht, den Bergen die sich direkt aus dem Meer erheben und den unaufdringlichen aber neugierigen und freundlichen Menschen.

Dieses Mal reichte es nur für einen Wochendbesuch zusammen mit meiner Familie, nur drei Tage lang, aber immer wieder mit Möglichkeiten, mich abzuseilen und faszinierende Orte neu zu besuchen.

Am Hvalstrand habe ichvor 15 JAHREN (jetzt fühle ich mich kurz alt) „Die Rückkehr des Köngigs“ gelesen. Tolkiens Ring-Trilogie hinterlässt einen Teenager ohnehin in Aufregung, wenn man dazu zwischen den Buchseiten in Norwegen wandert, dann ist man quasi Teil des Ringbundes.

Ein paar Jahre später habe ich mich – wir waren gerade in den Flitterwochen – eines Morgen wieder an den Hvalstrand gestohlen, um den Sonnenaufgang über den Sprungturm ohne Steg zu erhaschen.

Hvalstrand, Asker 2010

Jetzt war ich, in Begleitung meiner Mutter und meines Bruders, in Asker. Wie zufällig wollten wir nur mal kurz an den Oslo-Fjord und verwirrt durch die veränderte Verkehrsführung habe ich erst unmittelbar, bevor wir an der Küste waren, erkannt, wohin es mich ein weiteres Mal verschlagen hat. Diesmal haben uns ein paar Weißwangengänse Gesellschaft geleistet:

Hvalstrand 2010 Weißwangengänse

Meine Rückkehr zum Spiraltoppen über Drammen wurde von Gewittern verhagelt, die in ihrem Anmarsch den Drammensfjord in in das magische norwegische Licht tauchten und die Landschaft dampfen ließen.

Drammensfjord 2010

Regen auf dem Oslo-Highway 2010

Was passt noch alles in ein Wochenende? Edvard Munch Ausstellung und Naturkunde-Museum zusammen? Leider nicht! Diesmal hat Munch mich mehr angezogen. Auch weil es wieder ein paar Momente ungestörtes Alleinsein bedeutet, die ich brauche. Und neben dem bekannten Schrei und der Madonna (wie gut, dass sie wieder gefunden wurden), haben es mir besonders zwei Mädchen in der Ausstellung angetan. Beide sind inzwischen sehr alt, eines ist sterbenskrank und hat mit der Art, wie seine Hände gemalt sind, seinerzeit einen Aufschrei in der allgmeinen Kunstszene ausgelöst:

the sick child, Munch Museum 2010

… das andere hat mit seinem unkonventionellen Auftreten seit 1944 (ironischerweise dem Todesjahr Munchs) das Vorstadt-Spießbürgertum durcheinander gewirbelt und ist heute überraschenderweise mit seiner Mama unterwegs:

Pippi meets Munch

posted by Matthias

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