Enger-Cecilie_Die Geschenke meiner Mutter

Diese beiden Bücher habe ich längst ausgelesen. Cecilie Engers Die Geschenke meiner Mutter ist eine kleine Kostbarkeit. 40 Jahre und darüber hinaus wurden eingeweckt, haltbar und unvergesslich gemacht. Das Buch hat mich sehr berührt. Das Leben ist und bleibt zartbitter. Neben dem größten Glück blutet das Herz.
Cecilie findet eine seitenlange Liste, auf der ihre Mutter über 40 Jahre alle empfangenen und alle gegebenen Weihnachtsgeschenke aufgeschrieben hat. Das kann ich so gut verstehen, ich schreibe auch gern ins Tagebuch, was Batti und ich uns schenken, was die Kinder bekommen. Weil man sowas einfach vergisst.
Aber die Liste, die Cecilie da findet, ist wie ein Schatz, die Geschenke eines Menschenlebens, denn Cecilies Mutter ist an Alzheimer erkrankt und irrt im Nebel. Sie hat das meiste vergessen, grausam für sie und alle anderen. Mutter sitzt neben ihr und ist nicht mehr ihre Mutter.
Mit all den Geschenken bleibt Cecilie doch noch etwas von ihrer Mutter und sie wandert all die Jahre, all die Geschichten und Gefühle zurück.

Ein Buch, das auf vielen Ebenen berührt, vor allem, weil es autobiographisch ist.
Ich kenne Asker bei Oslo ein ganz klein wenig, meine Schwägerin lebt dort. Ich kann das Haus mit der blauen Tür so gut vor mir sehen. Und die Schneemassen!
Die Beziehungen zu den Großeltern, so unterschiedlich, und die Geschenke, die das norwegische DAMALS spiegeln. Die Bücher, die sich gewünscht wurden, das Weihnachtsspektakel und wie das Gefühl mit den Jahren verschwindet – weil man nicht mehr Kind ist.
Der Weg der Eltern, der Kampf um Glück, gegen die Ungerechtigkeit, die Liebe, die sich davon macht.
Ach. Ich habe viel nachgedacht über das Buch und das Schenken. Cecilie Enger greift es immer mal auf – warum schenken wir Menschen? Weil wir lieben, weil wir Erwartungen erfüllen wollen? Was konstruiert man da? Die wenigsten können ein Geschenk annehmen ohne das Gefühl, „jetzt ist auf meiner Seite ein Gewicht, das muss ich bei nächster Gelegenheit ausgleichen, mit mindestens dem gleichen Gewicht, wenn nicht 100 Gramm mehr.“
Die Geschenke meiner Mutter* nährt und macht die Seele selten satt. Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, wann die roten Schuhe wohl verschenkt werden.

Baker-Jo_Im Hause Longbourn

Im Hause Longbourn spielt sich vorrangig unter der Dienstbotenschaft der Familie Bennet ab.
Ich habe Jane Austens Stolz und Vorurteil nicht gelesen, ich kenne nur den Film und schmachte natürlich Mister Darcys aller Art an. (Nur aus kühler, britischer Ferne natürlich.)
Spätenstens seit Downton Abbey finde ich das Leben der Dienstboten spannender. Die Zwänge sind auf andere Art eng wie die der vornehmen Familienmitglieder, aber irgendwie scheint es mehr Himmel zu geben. Familie Bennet mit ihrer Töchterschar hat eine recht kleine Dienerschaft. Mr. und Mrs. Hill führen den Haushalt, Dienstmädchen Sarah und Polly wissen was es heißt zu schuften. Das ist Arbeit, die auf die Knochen geht, daran kann man nichts beschönigen. Da ist ein Stück Kandis im Tee das mittelgroße Glück für Polly, die noch ein Kind ist und aus dem Waisenhaus kommt.
Und dann kommt James …

Im Hause Longbourn* ist sehr ruhig und langsam erzählt. Das liest man nicht der Spannung wegen weiter, die gibt es nicht, und auch keine unvorhersehbaren Überraschungen. Aber um noch eine Weile in der alten Zeit und in der schönen Landschaft zu bleiben – und um all der Tassen guten Tees, die man dabei mittrinken muss.

Vielen Dank an den Penguin Verlag für die Rezensionsexemplare!
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Ich habe euch gar nicht unsere Weihnachtskarte 2016 gezeigt. Dabei ist sie in so einem schönen Moment entstanden. Wir waren freitags zur ersten Krippenspielprobe im Dorf, zu Fuß, die Mädchen wiedermal im Galopp auf ihren unsichtbaren Einhörnern. Danach waren alle so fröhlich, und Abendbrot gabs schon um Fünf, weil es eigentlich das gekochte Mittag war, was noch geschmort hat und mittags nicht fertig war.
Solche Abende sind immer sehr entspannt, wenn wir schon superfrüh gegessen haben, das erspart irgendwie die Crazy Hour. Danach haben wir in der Stube gelungert, ich hab Mini Blondie gefragt „Malst du mir ein Weihnachtsbild“ und sie hat losgelegt. Und unser Wohlbehagen, unsere rundherum Zufriedenheit aus diesem Moment eingefangen. Ich frage mich, wie sie das macht. Irgendwie schafft sie das.
Und dann war klar, das wird unsere Weihnachtspostkarte. Eigentlich war ich kurz davor, dieses Jahr mal die Weihnachtspost gehen zu lassen, neben vielem mehr auf meiner Liste, um Weihnachten nicht nur noch auf dem letzten Loch zu pfeifen. Aber ich glaube an die Weihnachtspost, wenn das überhaupt geht. Adressen aufschreiben, Marken kleben, Stempeln … Es trägt das alte Weihnachten noch in sich.
Wenn ihr mögt, kann ich euch die Karte als Download hier herstellen. Interesse?
Weihnachten 2017 kommt ganz bestimmt, hehe.

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    Hier schreibt Mirjam Nietz. Ich lebe mit meinem Mann und drei Kindern auf dem Brandenburger Land - einen Fuß breit in Berlin, ständigem Nordweh im Bauch und einer Hand an der heißen Kaffitasse.
    Schön dass du dir Zeit nimmst!