Durch Mamas Rücken

Ich liege mit Mama im Bett und soll schlafen. Mama hat die kleine Lampe auf ihrer Seite an und liest. Mit dem Rücken zu mir, damit ich es schön dunkel habe. Aber ich bin noch gar nicht müde. Das Fenster ist einen Spalt auf. Die Gardine bekommt einen Bauch, zieht ihn wieder ein. Hin und her. Ich höre den Regen auf der Straße. Es gehen noch Leute unten lang. Die Autos rauschen lauter als der Regen. Ein At lan tik. Mama hat gesagt, wir können so bald nicht dahin. An den Atlantik. Sie will mit mir auf dem Flohmarkt einen Globus kaufen. Ich hätte lieber eine Taucherbrille. Unser Bett ist nicht breit. Ich liebe es. Mama zieht immer klein geblümte Bettwäsche auf. Die hat sie gebügelt. Die ersten zwei Nächte riecht es nach Zitrone. Mama blättert eine Seite um. Sie macht das ganz leise. Damit ich es nicht höre. Ach Mama. Ich habe einen Trick. Ich rutsche ganz ganz dicht an Mama heran. Mein Gesicht drücke ich an ihren weichen Rücken. Ich atme im gleichen Takt wie Mama. Ein – Pause – aus. Und lese durch ihren Rücken das Buch mit. Ich kann fühlen, was Mama liest. Eine schöne Geschichte. Es gibt einen warmen Sommerabend. Ein Fest mit Laternen und Käsekuchen, erst ganz spät. Alle tanzen. Mama riecht nicht nach Zitrone. Mama riecht nach Liebling. Das Fenster knarrt. Der Wind ist stärker geworden. Hoffentlich steht Mama nicht auf.

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    Hier schreibt Mirjam Nietz. Ich lebe mit meinem Mann und drei Kindern auf dem Brandenburger Land - einen Fuß breit in Berlin, ständigem Nordweh im Bauch und einer Hand an der heißen Kaffitasse.
    Schön dass du vorbei schaust!
    Wir haben ein Baby bekommen - deswegen passiert hier im Blog gerade nur selten etwas. Offline´s wild.