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Der Dachboden zum Trocknen für Lindenblütenbüschel, so dick, dass sie nicht in meine Arme passten. Ringelblumen, meterlang auf Papier ausgelegt. Duft und Staub. Kammern aus Holzlatten für jede Mietpartei, die kleinen Schlösser davor, nur der lieben Ordnung halber. Wir kundschaften die Geheimnisse und Schätze der Nachbarn zwischen den Latten aus.
Im Keller genauso, Lattengitter sind die Türen, breit genug für Kinderaugen. Die Schlüssel im Versteck angehängt. Eingemachtes, zwei (!) Gefriertruhen, Krempel und nie versiegender Vorrat von dicken Kokosmakronen aus der Bäckerei.
Ich bin am Sortieren.
Krame in Kindheitserinnerungen an Besuche bei unseren Großeltern, puste ein bisschen gründlicher den Staub weg.
Deswegen gab es in den letzten Wochen ständig Backs, oder Rauchermad, wie es im Erzgebirge auch heißt. Ich sehe meine hochgewachsene Oma mit ihrem großen Dutt noch an ihrem Herd stehen, über der gusseisernen Pfanne, Backs braten. Ich weiß gar nicht wie sie es angestellt hat, für mehrere Personen Backs zu machen. Es dauert lange bis Einer fertig ist, es passt auch nur ein Backs in die Pfanne.
Gekochte Kartoffeln, am Besten vom Vortag, werden von Hand gerieben und in eine kalte Pfanne mit etwas Öl gedrückt. Vier, fünf Kartoffeln dürfen es locker sein. Der Backs wird ganz langsam nur auf der einen Seite gebraten, bis er braun und knusprig ist, ungefähr eine halbe Stunde. Er muss locker in der Pfanne hin und her rutschen. Dann wird er auf einen Teller gestürzt, mit Salz bestreut und ein dickes Stück Butter gehört drauf. Der glückliche Esser darf es mit der Gabel auf dem ganzen Backs verteilen und bekommt eine Tasse heißen Kakao dazu gestellt. Das beste Abendbrot überhaupt!
Wer es schafft, kann einen Backs natürlich auch in vier Stücke teilen und mit der Familie verspeisen.
Lustigerweise hatte ich bestimmt zwanzig Jahre keinen Backs mehr gegessen. Den hat eben immer Oma gemacht, als wir noch klein waren. Da ist nämlich noch eine Eigenheit des Rezepts: so einen Backs muss man gemacht bekommen. Dann schmeckt er unvergleichlich, dann nährt er einem das Herz.
Gut möglich dass es früher einmal die Herz- und Magenspeise vieler war. Von Opa wurde mir erzählt, dass er, als er noch regelmäßig vom Krieg auf Heimaturlaub kommen konnte, und seine Mutter ihn dann fragte, was sie ihm kochen soll, immer geantwortet hat: “Mach mir ä Pfannl Rauchermad.”
Ich konnte Batti schon zu einigen Pfannen Backs für mich überreden, auch wenn er manchmal Freestyle einlegt und die Kartoffelpresse benutzt oder den Backs von beiden Seiten brät.
Und noch so ein wiederentdecktes Schmankerl zum Sommerabendbrot: Radieselsalat.
Ein paar Radieschen reiben, mit Zitrone, Öl, Salz, Zucker, Pfeffer abschmecken. Schmeckt köstlich zu allen Broten. Und ein wenig nach guter, alter Zeit.
Es kann ja nicht immer Sushi sein. ;)

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Hualewjonken. Snaefried. Haberdashery. Cauliflower. Allerleirauh. Junibacken.

Ein paar Lieblingswörter gehören an die Küchenwände.
Ich habe mein Jahresmotto noch gut im Kopf. Finish. Und die fertigen Küchenwände waren nun auch zu lange nur im Kopf. Letztes Jahr zu Ostern haben wir die Ecke um den Tisch in zwei Grautönen gestrichen. Dazu hatte ich noch ein Töpfchen senfgelb gekauft. Grellow hatte mich gepackt. Die weiße Sonne kam letzten Juli an die Wand, und mit den Wörtern hab ich da auch angefangen. Die Kinder waren eine Woche auf Großelternurlaub. Ich hatte noch den Küchentisch in der Weißmangel und es war eine Affenhitze. Jetzt hat es ein Jahr gedauert bis ich endlich zum finish kam. Ha! Das Wandgrau ist inzwischen von den Stuhlscharrkratzern eigentlich schon wieder so weit dass es eine Erneuerung vertragen könnte. Egal.
Ich bin glücklich mit den Bildregalen, die ein Zimmer immer gleich viel behaglicher machen. Und die Bilder lassen sich leichter mal austauschen.

Die Fotos sind ein bisschen blurry, unser Objektiv gibt gerade auf. Hualewjonken kommt von Föhr. Ich habe es da aufgeschnappt, so ein schönes Wort. Früher haben sich die unverheirateten Seefahrer im Hualewjonken (Halbdunkel) getroffen. Wie es wohl im Oktober auf Föhr ist? Ich glaube, ich muss es dringend herausfinden.

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Das Schönste am Marmelade machen ist das Geräusch. Wenn ich die kochend heiße Marmelade ins Glas schöpfe und es schmatzt und schlurzt so. Und wie die Gelierprobe auf dem Teller glänzt …
Wir hatten ein paar Kilo Blaubeeren gepflückt. Die meisten wurden genascht, ein paar eingefroren für die guten Frühstücksmuffins, und ein paar Beeren haben es in den Marmeladentopf geschafft. Das letzte Glas, das immer zu groß ist und nicht voll wird, haben wir gleich aufgegessen. Unten drin lag das Glück. Den Rest heben wir auf für Waffeln – mit Schmand und Blaubeermarmelade.
Ich hätte gern die ganze Kammer voll mit Marmeladenglasstapel, so wie wir das früher im Keller hatten. Aber der Einkochgroove hat mich die fünf (!) Jahre hier auf dem Landel im Stich gelassen. Das ist vielleicht so eine Arbeit, die kann ich nur wenn ich mal eine Stange Stunden ungestört in der Küche putteln kann. Aber das riecht meine Gelbe Wolke sofort und dann wird es stressig. Nächstes Jahr … Soviel Marmelade kann man ja auch gar nicht essen wie ich gerne kochen würde.
Andererseits hab ich in einem Anflug von zu viel Tatendrang letzten Sommer zehn Pakete Gelierzucker gekauft …
Vielleicht kann ich … Es kommen ja noch die Pflaumen!

Gestern auf dem Klausner Platz haben wir Schöne gekauft. Ich hatte Sehnsucht nach Wochenmärkten und bin erst jetzt auf die Idee gekommen, dass es nach Charlottenburg nicht zu weit ist. Unter freiem Himmel kauft es sich einfach schön ein. Jetzt bummeln wir nach und nach alle Märkte ab. Auf dem Karl-August-Platz habe ich sogar Saubohnen entdeckt. Saubohnen!! Die habe ich 1997 bei Hubertus zum ersten Mal gegessen – und seitdem habe ich Appetit darauf. Ein paar Versuche aus dem Glas waren kläglich, die sollten eher Sauerbohnen genannt werden. Jetzt kann ich selber loslegen; und bei Micha von Salzkorn hab ich gleich eine ganze Liste toller Rezepte dafür entdeckt. Das Abpulen ist wiederum eine Küchenarbeit, die ich wunderbar mit herumwuselnden, Sachensuchenden, nimmersatten Mäusen machen kann.

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Das Hausbett ist fertig. Ich gehe jedesmal mit einem Grinsen am Kinderzimmer vorbei. Es passt so gut zu Mini Blondie. Batti musste ein bisschen Wurzelziehen und ein paar Mal in den Baumarkt, natürlich; und dann ging das Bauen viel schneller als ich dachte. Das Holz kennt uns schon lange. Gleich da wo Oma Grabows Garten war und jetzt die Gänse grasen, neben meinen roten Lieblingsäpfeln, ist eine Reihe Küstenfichten gewachsen. Ich weiß gar nicht ob Oma Grabow sie gepflanzt hat oder ob sie da schon vorher standen. Battis Vater hat die Fichten vor einer Weile abgenommen und zu Kanthölzern gesägt.
Unsere Nachbarn hat die Neugier der Reihe nach in den Garten getrieben. Was baut ihr denn da?
Die Kinder haben die Holzreststückchen schnell mal bunt angetuscht. Batti will gern weiterbauen. Vielleicht einen kleinen Geräteschuppen? Nach einer Woche Urlaub zu Hause sieht der Garten ordentlich aus wie sonst nie. Wir haben viele Echinacea und Dahlien gepflanzt. Zu spät hab ich ans jährliche Nachts-vor-dem-ersten-Frost-ausgraben bei den Eltern gedacht. Ups, die Dahlien müssen ja wieder raus.
Die Nächte sind herbstkühl geworden. Meine windscheue Gelbe Wolke geht mit Mütze raus. Vielleicht hol ich den Kindern ihre Winterdecken raus. Bin gespannt, ob das neue Bett zum FRÜH aufstehen was taugt. Noch fünf Tage!

Maße: 90 x 160 x 198
Anstrich: altweiß
Holz: Küstenfichte

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Oh, Suzanne!

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Ich hatte so viel Spaß diese Kleidchen von Citronille zu nähen – endlich! Nachdem diese französischen Schnittmuster an vielen Stellen gepriesen wurden und es einige inzwischen auf Englisch gibt, hab ich das Kleid Suzanne zuerst ausprobiert, und das näht sich nur so weg. Ich habe es in den Größen 4 und 6 Jahre zugeschnitten und die passen beide ganz genau. Wenn ich es noch mal nähe, werde ich etwas vergrößern, damit die Kleider ein bisschen länger passen.
Natürlich liegt schon ein kleiner Stapel Stoff bereit, den ich für ein paar mehr Suzannes zuschneiden möchte. Die Nähwut ist groß. Bei euch auch?

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Endspurt … noch neunzehn Tage. Wir haben den Schulranzen, die Zuckertüte, ein neues Kleid, meine Miss “Allerhöchstens-kämm-ich-mich-ansonsten-Nix” hat sich sogar eine Frisur überlegt … und als Festessen wünscht sich das Schulkind ganz unspektakulär Oma Gabis Grünbohnen-Eintopf mit Rindfleisch. Ha! Ist das nicht ein Goldstück!? Frische Brises Schultütenkuchen wird ihr auch gefallen, den müssen wir backen. Hoffentlich gibt es dann noch frische Himbeeren.

Gelbe Wolke wünscht sich bis dahin sehnlichst einen Wackelzahn und eigentlich will sie am liebsten auch gleich mitgehen in die Schule. Wahrscheinlich stehen ihr und unserer Löckchencousine jetzt drei Jahre “Ich will mit dir Schule spielen” bevor. Ich kann mich noch zu gut daran erinnern, wie meine Schwester Ela und ich unsere acht Jahre jüngere KLEINE Juju ewig zum Schulespiel verdonnert haben. Wir hatten in unserm lustigen Haus, an dem ein kleines Zimmer auf das andere folgte, beinahe wie eine Matruschka, eine Schiebetür zwischen Papas Arbeitszimmer und dem Musikzimmer. Diese Tür war aus Holz und braun lackiert; das war unsere Tafel. Kreide hielt darauf ziemlich gut.

In die Zuckertüte kommen Bücher (sie ist im Samsfieber), ein Schleichtierlöwe, weil wir gerade gemeinsam Das Wunder von Narnia lesen und Aslan uns gepackt hat, Geschenke von meinen Schwestern, und natürlich Zuckerzeug. Das ist bei ihr gar nicht so leicht, sie ist keine große Naschkatze und bei Süßkram sehr wählerisch. (Wenn ich mal Gelbe Wolkes Zuckertüte füllen muss, wird das nicht schwer, sie liebt einfach alles Süße.) Und dann will ich sie noch mit zwei kleinen Zuckertüten aus Stoff überraschen; ihre Puppenkinder brauchen ja schließlich auch Ausrüstung für diesen großen Tag.

Im Haus ist es uns die letzte Woche viel zu heiß geworden, zu heiß zum Brotbacken, zu heiß um zum Bäcker zu fahren. Wir haben ja Ferien und Zeit, also gibts Waffeln zum Frühstück, am liebsten mit Butter und Ahornsirup. Und der kleine Butterkeks ist auch plötzlich wieder aufgetaucht, den finde ich so herzig. Die Kuscheltiere werden damit gefüttert und manchmal wird auch Batti damit reingelegt.

Jetzt sind meine Filzvorräte aufgebraucht und ein paar Knöpfe könnte ich gebrauchen, also schwimme ich mal eine Runde im Materialmeer, auf der Jagd nach frischen Supplies. Es gibt doch einfach nichts Schöneres als eine liebevoll verpackte Sendung, von Hand beschriftet und mit Herzblut auf die Reise geschickt. Und pssst, Uli und ich haben uns hoch und heilig versprochen, dieses Jahr werden wir alle Weihnachtsgeschenke vor dem Advent fertig haben, also fangen wir jetzt an. True Story!

Wenn ich so sehe wie Dawanda in den letzten Jahren riesengroß geworden ist, kann ich nur staunen. So viel Handgemachtes, überall surren die Nähmaschinen. Ich träume ein bisschen dass sich das auch noch mal auf die deutschen Stoffpreise auswirkt und irgendwann mal ein JO-ANN hier aufmacht mit seinen ständigen verrückten Sales – Crazy Summer Bug Sale, yes please!

Crazy Summer Bugs ist auch mein Stichwort – in den letzten Tagen habe ich gedacht, ich wohne eher im Kuhstall als in unserem behaglichen Häusl. Die totale Fliegenplage. Da hilft nur eins, wir tauchen den ganzen Tag im See unter. Endlich Sommerurlaub, diesmal zu Hause – obwohl wir fast kurzerhand nach Selmian gefahren wären.

 

 

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