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Fotos: Judith Frindt

August and everything after …
Alle drei Schwestern waren wir auf die Hochzeit unserer langjährigen Freundin eingeladen. Küchenbuffet, Rosensofa und Eierkocher brachte sie schon genug mit in den Ehebund, selbst eine Sammlung Connibücher.
Also kam gleich mit der Einladung auch die Idee für das perfekte Geschenk von uns Dreien für das Ostseemädchen. Ein Log Cabin Quilt in allen Blautönen, die unsere Stoffvorräte so hergaben. Für viele zweisame Stunden am Strand, oder eben zum Drunterkuscheln, wenn die Meersehnsucht mal riesig würde.
Wir haben uns einen Tag im Mai gemeinsam warm genäht, alle Stoffe durcheinander geworfen und dann über die Wochen zu Hause weiter gestichelt. Jede hat ein paar Quadrate gemacht und ich war getrost, die 12 Teile puzzeln sich am Ende schon zusammen.
Der Stoff für die Rückseite musste rosig sein, dass war schnell klar. Mit eben diesen Rosen bezogen steht ein Sofa im Haushalt der Vermählten und sorgt zuverlässig für Diskussionen mit Augenzwinkern.
Das Quilttop ist bunt und wild geworden, eine ziemlich laute Welle.
Wie kleine Muschelschalen klickern die einzelnen Stoffstückchen jetzt mit ihren Geschichten; und bleiben Geheimnis.

Die Hochzeit war m ä r c h e n h a f t schön und für uns Fünf etwas ganz besonderes. Sie stand als Leuchtpunkt und Abschluss für unsere Schneckenhaussommerreise. Aus dem Urlaub heimkehren ist nicht ganz so schwer, wenns da eine Hochzeit an der Ostsee zu feiern gibt.
Also stand unser Schneckenhaus, voll mit holländischem Käse, Steinchen, Muscheln und Lakritze neben dem Feuerwehrhäuschen. Und wir tauschten am Vorabend Käseravioli gegen Fischbrötchen mit der Braut. Saßen noch ein letztes Mal in den Campingstühlen unterm Sternenhimmel. Abschied in leise. Die Mädchen reihten sich ins Fingernägellackieren ein und ließen sich dann an DEM TAG keinen Schritt der Vorbereitungen entgehen. Das Gummibärle weiß jetzt, zum Heiraten braucht eine Braut viele Locken vom Friseur, eine Candy Bar ist the place to be und Ponyreiten im Leopardenkostüm? Das geht, keine Frage.

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Dänemark 2017
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Camper sind – gleich nach Strickern – die nettesten Menschen auf der Welt. Wir waren im Djursland hängen geblieben. Mols Bjerge. Meiner Lieblingsgegend von Dänemark – gleich neben der Region um Odense herum, und Fünen überhaupt. Und Aarhus. Aber auch Ribe. Und der Strand beim Himbeerhaus hinter Haderslev.
In meiner Lieblingsgegend Gesamtdänemark also:
Auf Helgenaes fanden wir unverhofft den schönsten Campingplatz am Meer. Es war schon Saisonende und behaglich ruhig, hoch oben terassiert, der Strand übersät mit Hühnergöttern, im Wasser die rotblaue Rutsche, früh und abends zeigte sich das kleine Grüppchen Schweinswale. Die Kinder badeten unterm Regenbogen.
Jon, der in sich gekehrte Platzbesitzer mähte mit seinem Traktor die leer gewordenen Stellflächen. In ein paar Tagen würde er von Platz zu Platz gehen und alle Männer bitten, die Rutsche aus dem Meer zu hieven.
Wir saßen gewissermaßen fest. Nicht nur, dass der Boden vom häufigen Regen aufgeweicht war und wir das Schneckenhaus nicht ohne weiteres von der Anhöhe herunter bekommen würden. Nach zwei gemeinsamen Wochen mit den Mielkis blieb uns noch eine Woche nur zu fünft.
Nach Skagen hatten wir es nicht geschafft.
Gestartet waren wir gemeinsam; wieder bei den Hökholzkaninchen. Eis in Ribe und ein langer Nachmittag im Wikingerdorf. Aufgewühlte Nordsee nahe Ringkøbing und der Leuchtturm, der uns nicht mehr loslassen wollte. Aber der Wind wehte, wo er wollte. Sand übers Essen, Sand zwischen aller zehn Zähne und Zehen.

Unschlüssig verstrichen zwei, drei Tage.
Batti floh vor meiner Verdrusslaune und unterhielt sich lange mit dem sympathisch-holländischen Nachbarn. Es war einer mehr dieser verboten schönen, späten Sonnenuntergänge, Kitsch galore, und der Vollmond stand überm lilablauen Meer.
Irgendwann kam ich dazu, unsere Sommerkinder waren spätendlich eingeschlafen. Kock der Holländer erzählte Geschichten aus über 30 Jahren dänischer Camperei, und legte uns sanft ans Herz, zwei Orte weiter beim Fischer den leckersten Lachs überhaupt zu kaufen. Wir breiteten ihm unsere Weiterreisepläne aus, Sandager Naes nämlich, der Platz, der uns 2015 so froh gemacht hat. Aber Skagen!
Als er Skagen hörte, leuchteten seine Augen heller auf. Und uns war wieder klar.

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Am nächsten Morgen war es gar nicht so weit.
Skagen. Mehr dänischer Norden ging nicht. DAS Licht hatte uns mit Wucht empfangen. Regengrau, die ganze Fahrt über, und kaum waren wir dort, kam das große, bunte Leuchten.
Und den spektakulären Lachs hatten wir noch ergattert und jetzt im Gepäck.
Schmeckt aber bestimmt auch andernorts gut. Et Voilà:

Skagenlicht Lachspfanne
mit Blumenkohl und Pasta

Zutaten:
3 EL Sahnemeerettich Bio
1 Blumenkohl
2 EL Tomatenmark
300ml Becher Sahne
fangfrischen Lachs nach Belieben, in Stücke geschnitten
1 große rote Zwiebel
1 Zehe Knoblauch
500g Pasta – Linguine oder Penne
Butter, Olivenöl, Salz, Sojasauce Pfeffer, Zucker, geräuchertes Paprikapulver, frische Petersilie

Am liebsten im Wohnwagen den Gasherd anschmeißen, den Lachs häuten und entgräten und schneiden. Nudelwasser aufsetzen und den Blumenkohl von den anderen putzen und zertrennen lassen. In einer Pfanne in Butter und Olivenöl den Knoblauch und die Zwiebel in Würfeln anschwitzen. Mit Tomatenmark ablöschen. Blumenkohl mit anbraten, bei mittlerer Hitze. Mit Salz oder Sojasauce würzen und dann einen Schuß Wasser dazu geben und mit unter geschlossenem Deckel 5 Minuten bei kleiner Flamme garen. Ist der Blumenkohl schön gegart, aber nicht verkocht, alles mit der Sahne aufgießen, den Meerettich unterrühren und die Lachsstücke dazu geben. Bei ganz geringer Hitze bleiben, bis der Lachs nach kurzer Zeit gegart, aber noch schön weich ist.
Würzen nach Belieben.
Rechtzeitig vorher die Pasta kochen und dann mit der Sauce vermengen. Parmesan kann auch nicht schaden. Alles vor dem Wohnwagen auftischen und zusammen im Skagenlicht sitzen. Weiter weg, hinter den Dünen das Meergesäusel hören und nichts weiter tun.

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HIP HIP HURRA die Sommerferien sind da! Für Gelbe Wolke Premiere, für Mini Blondie das große Aufatmen – endlich! Vogelfrei und ohne Zeigerdruck schnappen wir uns die lange Stange unverplanter Tage und dürfen sie füllen. Unsere kleine Zeugnistagtradition, den alten Film „Saltkrokan“ anschauen, entschleunigt genial.
Früh (aber nicht irre früh) aufstehen und dass Haus noch eine Weile in Stille, für mich haben. Neue Bücher, neue Ohrringe. Mittag kochen wann es in den Kram passt. Nickerchen für alle. Der Sommer riecht gut, nach Getreide, nach Kiefernnadeln, nach Kuchen. Schlafen gehen wir, wenn es dunkel wird. Dieser Tag, ein Leben.
Wir haben das Schneckenhaus schon mal angewärmt und in ein paar Wochen wird es beladen und darf Kilometer schrubben.

Wer kennt denn schöne (und nicht so überfüllte) Campingplätze in Holland und Belgien? Ich freu mich riesig über Geheimtipps. Einen schönen Sommer, locker und leichtfüßig! Mirjam

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Mit diesem Cast On habe ich am Silvesterabend das alte Jahr verabschiedet. Meine Prognose war: bis Ende Januar, spätestens bis zum 9. Februar ist abgestrickt. Der Hollows war ein Geschenk für ein besonderes Geburtstagskind.
Und dann, logische Kaffiknopfschlussfolgerung, könnte ich doch eigentlich jeden Monat ein Hollows stricken!? Right!? Weil das Pattern so herrlich eingängig ist (Fehler habe ich natürlich trotzdem eingebaut bekommen.) und wie schön würde das aussehen, so viele Tücher nebeneinander – und die Sache mit den Weihnachtsgeschenken wäre dann gleich vom Tisch.
Ach – wer konnte sich je auf meine Zeitplanung verlassen? Ich nicht. Hollows war Ende April von den Nadeln. Bis dahin war es schon durch ein paar Länder gereist und meine Schwestern sagten „Was, du bist jetzt fertig? Och, das werden wir aber vermissen, das Tuch immer bei dir.“ Am Ende kommen fast 500 Maschen auf die Nadeln und eine Reihe dauert bald zwei Stunden. (Batti ahnt nichts, wenn ich sag: „Nur noch schnell eine Reihe, hehe …“)
Es ist pures Strickglück und drauf gekommen bin ich durch Kammebornias Podcast. Irgendwann im Herbst fiel ihr auf, dass sie drei cremefarbene Tücher in Folge gestrickt, und mir, dass ich noch nie was ganz rein Helles am Wickel hatte. Eines ihrer Tücher war das Pattern von Melody Hoffmann aus L a t v i a. Melodys Seite könnte ich mir als Tapete ausdrucken – so gern mag ich die Farben, die Muster. Vielleicht stricke ich doch nicht 12 Hollows sondern auch noch ein paar andere ihrer Designs.
In Waren, im schnuckigen Wollfaden-Laden habe ich Hjertegarn dafür erstanden und die Farbtupfer sind ein wenig Gregoria Fibers Geburtstagswolle.
Ich liebe, wie das Stricken alle Dinge miteinander verwebt. Lettländisches Muster aus dänischer und spanischer Wolle hier Zuhause und auf Reisen gestrickt, meine persönliche kleine Weltmeisterei.

Na klar habe ich ein neues Hollows angeschlagen, mit Buckaloo View aus Mrs. Kus Zauberpäckchen und Hey Mama Wolf Garnen von Jule. Wann fertig? Vor Silvester! (Nichts versprochen.)

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1. Die guten Suppenterrinen nicht nur für Festschmäuse aufheben, sondern Alletage das Essen darin auf den Tisch bringen. Davon hüpft mein Herz. Obwohl, der Entenbraten war ein kleines Festmahl zwischendurch. Mit Mecklenburger Klößen und Sahnemöhrchen. Manche Sonntage sind so unverplant und müßig, die lieb ich auch.

2. Saisoneröffnung mit dem Schneckenhaus. Viele Maifreitage und der Frühsommer eröffnen Räume. Wir tuckern zu Oma Ingrid und Opa Peter, feiern Geburtstag, Klassentreffen. Battis Geschwister sind auch da. Ich war lange nicht mehr in dieser Stadt, die auf den Namen Heimat hörte. Zu lange. Nur Du und ich gehen über den Marktplatz, Buttermilchbrot und Schiffchen aus der Bäckerei, Saft und Wurst beim Fleischer, ein Sträußchen Bartnelken vom Blumenladen. Ich fühle mich wie ein Riese mit Meilenstiefeln, das sind plötzlich keine Entfernungen mehr. Nur noch Katzensprünge. 20 Jahre sind wirklich 20 Jahre. Da sind jetzt die Jungen und die Alten auf der Straße, und wir sind in der Mitte. Die Kirchglocken meiner Kindheit möchte ich so gern noch einmal in Ruhe hören – aber ich entdecke sie als kleines Denkmal vor der Kirche. Stahl, vor zwei Jahren ausgetauscht gegen Bronze. Bimm. Das Schneckenhaus fühlt sich fantastisch in Omas und Opas Garten. Ich hänge die Gardinen auf, die mich so froh machen. Ich bemerke zum ersten Mal die vielen uralten Eichen hinterm Schusterdreieck, im alten Stadtpark, überall eigentlich. Wir schmausen und immer gibt es Schlagsahne satt.

3. Hühnerliebe. Dieses Mal sind die Hühner spannender als die Katzen. Hühnchen und Frechblau sind zahm und lassen sich tragen. Die Großen brauch ich nicht suchen, sie sind immer bei den Hühnern. Das Gummibärle finde ich bei den Eiern. Völlig unerschrocken geht sie in den dunklen Stall, wann es ihr in den Sinn kommt, ob sie die Erlaubnis hat oder nicht. Und dann kommt sie stolz angestiefelt, in den kleinen Händchen je ein Ei. Noch heil. (Eines Tages hab ich Hühner, ich weiß es ganz genau.)

4. Bennis Freund. In diesem Jahr hat sich ein Spatz mit Benni angefreundet. Erst saß er immer nur auf dem Zaun und hat geguckt, jetzt hüpft er ins Hasenhaus ein und aus. Natürlich klaut er was vom Futter, aber Benni ist gastfreundlich.

5. Schwesternnähtag. Dass wir das nicht öfter schon hinbekommen haben. Zusammen stricken ist eben einfacher. Aber da kommt so ein günstiger Tag und drei Maschinen rattern im Mucklahaus. Wir tauchen ein in ein Meer aus Blaustoff und viel zu schnell müssen wir den Tisch wieder abräumen. Wir nehmen left over pizza mit heim und neue Nähwut. Das wird was. (Und ist streng geheim.)

6. Unser Garten. Den Johannisbeeren beim Erröten zusehen. Den vielen grünen Äpfelchen an den Bäumen Mut zusprechen. Bleibt dran, werdet groß, ihr seid dazu bestimmt. Wie alles so über die Jahre groß gewachsen ist. Das fühlt sich an wie Elternstolz, gärtnerischer Art.

7. Der Gelben Wolke an den irre hellen Abenden Saltkrokan vorlesen. Ich bekomme selbst Appetit auf Dorsch, noch viel mehr drückt die Schärensehnsucht auf mein Herz und zieht. Oh, ich höre euch. Vielleicht nächstes Jahr.

8. Im See untertauchen. Die Hitze abstreifen. Genial. (Das war Ende Mai.) Die Hitze macht jetzt Pause, auch gut. Die Badesachen liegen herum dauerbereit und wir genießen die kleine Auswahl an Seen um uns herum.

9. Erdbeeren pflücken, Aprikosen einfrieren. Dieses Jahr schaff ich es tatsächlich. Die Naschis im Hochbeet erwischen die Schnecken, aber auf den Hofladen-Pflückfeldern gehen uns die Augen über. Üppig bekommt neue Ausmaße. Etwas in mir will alles ordentlich abernten, Pflanze für Pflanze und ein bisschen überfordert mich dieser Reichtum. Ich vertrau mal darauf, dass genügend Menschen auch Erdbeeren pflücken wollen. Wenn wir im Herbst dann Appetit auf orangerote Smoothies haben, ist vielleicht noch etwas von den Schätzen übrig.

10. Bachs Chaconne Oh! Von dem Stück weiß ich erst seit kurzem. Besonders schön soll es auf einer Stradivari klingen. Bach hat es geschrieben, als seine Frau unverhofft verstorben ist. Geigenbauer Martin Schleske schreibt in „Der Klang“ darüber. Eine Offenbarung.

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1. Ihr Fotogesicht. Wie sie die Nase zum kleinen Päckchen verzieht und hätte sie die Hände frei, formte sie noch schiefe Gesten. Du Clown!
2. Ein Frischwollpaket auspacken. Besonders, wenn es von HeyMamaWolf ist. Die Garnstränge drücken, die Farben beschnuppern. Und die Wollknäulschüssel ausprobieren. If I only could knit all day.
3. Pfarrhäuser. Durch eins durchlaufen. Von einem lesen. Uns eins wünschen.
4. Zitrusfrüchte aufschneiden. Rotkrautsalat auf die Fresse würzen. Brezeln und Obazda auch, mit meinen lieben Berliner Maschen und alles an einem vorgeeilten Sommertag im Sonntagsgarten. UND Bakewell Tarte.
5. Der kleine Igel im Blatt. Immer wieder wickel ich ihn ein und aus.
6. Auf dem ausgeblichenen Steg sitzen und das Wellenmuster entschlüsseln. Fischgräten? Karos? Es hält mich zum Narren.
7. Fliehe nichts – kein besseres Tagesmotto denkbar.
8. Ein Wochenende lang mit mir alleine sein. Ins Fremde fahren und Wurzeln finden. Und die güldne Sonne.
9. Blütenberauschte Überlandfahrten. Buschwindröschenteppiche, erstes Rapsgelb. Äpfel und Kirschen knallen zugleich.
10. Mini Blondis B L A U. Der Song wär an mir vorbei gegangen. Ist nichts besonders, und dennoch. Wenn sie ihn singt, und meint, und vor meinem Schreibtisch hüpft und singt – yeah. Es darf auch mal leicht sein.

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Konstanzas Brotrinden Zeichnung von Mini Blondie (2017)

Ich wohne bei meinem Opa. Meine Eltern sind für ein halbes Jahr im Ausland zum Arbeiten. Nein, nein! Ihr müsst kein Mitleid mit mir haben. Ich wollte lieber hier bleiben. Meine Eltern sehe ich fast jeden Tag. Wir telefonieren an Opas Computer. Mein Opa ist so toll. Er wohnt in der Wohnung unter uns und macht die besten Kartoffelpuffer der Welt. Wenn ich aus der Schule komme, rieche ich schon an der Straßenecke, wenn es welche gibt. Er brät sie in zwei Pfannen gleichzeitig, denn wenn es Kartoffelpuffer gibt, habe ich Bärenhunger. Ich schaffe einen ganzen Turm davon. Den Abwasch machen wir hinterher zusammen. Dabei erzählt Opa mir Endlosgeschichten.
Opa macht auch meine Pausenbrote und hilft mir mit den Hausaufgaben. Es ist richtig schön mit ihm. Aber wenn ich eins nicht mag, dann sind das die ollen Rinden an meinen Broten. Die lasse ich immer in meiner Box übrig. Opa zieht dann seine buschigen Augenbrauen hoch und sagt: “Konstanza, du hast schon wieder die Rinden nicht gegessen. Das gefällt mir aber gar nicht.” “Ach Opilein”, sage ich dann und er schüttelt nur seinen Kopf.
Heute ist Freitag. Opa hat mir versprochen, dass ich drei Schulfreunde mitbringen darf, zum Mittagessen. Sanne, Edda und Tobi. Wir wollen später zusammen einen Vortrag für Deutsch machen. Ich habe meinen Freunden schon die ganze Woche vorgeschwärmt, wie köstlich Opas Kartoffelpuffer schmecken. Sanne und Edda haben noch nie welche gegessen und Tobi kennt nur die aus der Tiefkühlpackung.
Komisch, an der Straßenecke duftet es noch gar nicht. Wir ziehen die Schuhe aus und ich gucke schnell in die Küche. Was ist das denn? Oh nein! Auf dem Tisch steht ein riesiger Berg mit getrockneten Brotrinden.
“Opaaa”, kreische ich. “Wo sind die Kartoffelpuffer?” Opa grinst und sagt: “Ich dachte, vielleicht wollen deine Freunde dir helfen, die Brotrinden aufzuessen. Sie sind jetzt herrlich knusprig.”
Oh Mann, das ist mir so peinlich. Sanne und Edda lachen schon und Tobi kramt in seinem Ranzen. “Ich hab auch noch Brotreste übrig” sagt er und packt seine Box auf den Tisch.
Opa räuspert sich. “Weißt du Konstanza, ich bringe es einfach nicht übers Herz, das Brot wegzuwerfen. Da ist Korn ausgesät worden und im Wind gewachsen, da ist Regen gefallen, und da wurde mit Maschinen bis spät in die Nacht geerntet. Die Ähren wurden gedroschen und gemahlen, und jemand hat Teig angerührt und Brote geformt. Da wurden Öfen geheizt und die Laibe gebacken. Jemand hat sie ins Regal geräumt und in die Tüte gepackt. Und ich habe sie schließlich bezahlt, in Scheiben geschnitten, mit Butter beschmiert und mit Käse belegt. So eine lange Geschichte hat das Brot hinter sich. Das darf nicht im Müll enden.”
Das klingt ja richtig poetisch. Opa hat Recht. Aber ich will jetzt trotzdem Kartoffelpuffer.
“Na gut, in Zukunft werde ich die Rinden essen. Ich finde auch, dass das Brot ein schöneres Ende bekommen soll. Aber Opa, bitte, wir haben solchen Hunger.”
“Können wir nicht irgendwas aus den Brotrinden machen?” fragt Tobi.
“Das ist eine prima Idee” sagt Opa. “Wir mahlen sie zu Bröseln und tun davon welche in den Kartoffelpufferteig. Wer kann denn Kartoffeln schälen?”
Ich drücke Opa ganz fest. “Opa, können wir auch mal Brötchen für die Schule kaufen?”

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1. My Workspace. Nur eine kleine Änderung, ein paar Schrauben und das Regal etwas tiefer gesetzt – und schon ist mein Arbeitsplatz wie neu. Und vor allem: nutzbar. Mit diesem nicht sehr tiefen Schreibtisch war der Bildschirm einfach zu dicht. Jetzt ist das Arbeitsgefühl viel besser und ich schreibe alle Bücher fertig und blogge bestimmt wieder ganz viel. (lol)

2. Frisch gewaschene Quilts überall im Haus. Die Baumblüten sind am aufblühen und herumwehen, Dank des aberwitzigen Frühlingswindes und ich habe das Wetter genutzt und alle Quilts gewaschen. Mmm, Frühlingsduft im Haus.

3. Ein Kuchen. Für Samstag zum Frühstück. Freitag Vormittag mit helfenden Gummibärhänden gebacken. Bei meiner Oma (und vielen anderen die ich kenne) war es Tradition, fürs Wochenende einen Napfkuchen zu backen. Etabliert ist es bei uns noch nicht, aber wenn ich es mal in time schaffe, macht mich das so glücklich. (Ich verrate den großen Kindern nicht, dass eine ganze Menge Olivenöl in den Teig kommt. Mal sehen, wie er ihnen schmeckt. Duften tuts köstlich. Ich habe ein paar ganz wenige Würfel Zitronat in den Teig geworfen. Just because.)

4. Kichernde, gurrende, gackernde Schwestern nebenan. Ausgelassen, die erste Schulwoche nach zwei langen Ferienwochen PLUS Zeitumstellung gemeistert zu haben. Jeden Morgen sind sie mit ihren neuen Weckern aufgestanden. Die Schlummertastenfunktion haben sie natürlich herausgefunden.

5. Spuren von Italien, überall im Haus. Im Vorratsschrank, im Weinregal, gepresst zwischen Mädchentagebuchseiten. Auf den Hüften auch, nuja. Wenn ich den Berg Fotos (und Wäsche) bearbeitet habe, erzähle ich mehr von unserer Reise im Wohnmobil. Womo fetzt, das ist klar.

6. Zwei Babies, ganz frisch in der Welt, and more on their way! Ein paar liebe Freundinnen werden diesen Frühling alle Mama. Es ist und bleibt das Schönste auf der Welt.

7. Meine Skagenuhr. Jeden Tag! Kam (noch) nie dazu, vom letzten Sommer, im Schneckenhaus, in Skagen zu erzählen! Die Uhr habe ich dort mitgenommen. Schönstes Mitbringsel aller Zeiten. Fünf Sekunden folgen meine Augen dem Zeiger und wenn er dann auf SKAGEN steht, schwupp bin ich wieder da oben. Im Geheimen. ;)

8. Lichte Abende im Wohnzimmer. Weite und hoch gewölbte Himmel. Und dann eine Tasse Earl Grey. Some knitting. Some reading. Easing up.

9. Updates und Mitfiebern bei Ulis Hausumbau – one more time. Endlich trägt sie wieder Kopftücher. Kanns kaum erwarten, in all den Räumen mit ihr zu sitzen und Fäden aller Art zu spinnen.

10. Gregory Alan Isakovs Musik. Leicht wie ein Frühlingskleid (dass ich mir gerne nähen würde.)

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It was a lot

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Happy New Year …
Ach wie langsam und gemächlich doch so ein Januar immer wieder sein kann! Dezember?! Ein Rush, ein Sturm, Irrsal und Wirrsal; wie so oft. Wie unverschämt gut sich das anfühlt, Zeit zu haben – und nichts zu müssen. Jedenfalls nicht pausenlos. Mein Weihnachtskater kommt spät, diesmal. Ich lass ihn rein. Ich leg die Beine hoch.

Ich will nichts vergessen. Nichts, was mich froh gemacht hat.

Dezember war auch: Heiße Schokolade, in der größten Tasse und mit zerpflückten Marshmallows, im Sessel neben dem Feuerprasseln. Dezember war das Weihnachtsoratorium, alle nur auffindbaren Aufnahmen davon, und Nummer XI aus dem Messiah. Wow! Es war früh schlafen gehen, üben und scheitern und Schnee an jedem Adventssonntag. Ein Weihnachtsmarkt wie im Märchen (in Liebenwalde), Holzbäumchen frisch gedrechselt, Tannengrün aus Grabow, Erzgebirgscher Stollen und Plätzchenteig, der von Batti ausgestochen doch noch lecker schmuk. Dezember war gesund! Und war Trubel, Rascheln, Eile. Ein neuer Kühlschrank, ein Schlitten, eine Puppe. Dezember war das Haus leer und voll. Auch mit 13 Lieblingsschokoladenweihnachtsmännern. Dezember war 10 Jahre Mama, Eltern. Diese Zahl lässt mich stumm und staunend noch eine Weile wundern. Ist da nicht doch ein Rechenfehler … Mini Blondie, wirklich schon 10, und unsere kleine zarte Gelbe Wolke soll schon 7 sein?!

Dezember war Vom Himmel hoch. Und die Geige abstauben, nach Jahren wieder mal die zweite Stimme spielen und nicht aufhören können. Es war eine Suche, nach dem Weniger, nach dem Wesentlichen, nach Geschichten und Traditionen, die weiter welche bleiben sollen. Engmaschig und kurzatmig, Kleinmut und Großspur Hand in Hand. Es war rührende Geschenke von kleinen, aufgeregten Händen selbst verpackt, Trompetenschall, bestes Sushi des Jahres. Lachen mit den Liebsten, tanzen, Kogong. Dezember war Warten und abstauben, Herumtragen und Loslassen. Pfeffersäcke, Feuerwerk. Flimmerkistentage. Überreich beschenkt. Dezember war das Fest. 

Und jetzt verweile ich noch, so lange ich will in dem Aufbruch, in dem Glücksgefühl der leeren 365 (nu ja, ein paar weniger sinds inzwischen) Seiten. Neujahrsvorsätze in Schönschrift. Ich liebe sie. Sie spornen mich an, es jeden Tag wieder zu versuchen. Zum Beispiel: Meine Liebsten jeden Tag mindestens fünf Mal drücken und herzen (Man denkt, das schafft man spielend … ist aber gar nicht so.) *Mehr Bücher durchlesen (tatsächlich schon 4 Bücher (dünne) geschafft, tut so gut.) *Weniger kaufen *Mehr anrufen *Meine Liebsten einmal am Tag so richtig zum Lachen bringen *Täglich fotografieren, was mich froh macht *5kg abnehmen (na das muss ja immer draufstehen ;)

Und ihr? Habt ihr Gute Vorsätze? FROHES neues Jahr meine Guten, die ihr hier her kommt. Danke dafür!

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Rosi bindet eine frische Kittelschürze um, steckt ein sauberes Taschentuch in die Seitentasche. Im Schlafzimmer ist es kühl. Sie legt die flache Hand an die kalte Scheibe. In der Küche klappert es. Anne bereitet das Weihnachtsessen vor, die beiden Enkelkinder decken den Tisch und tanzen mit jedem Teller einzeln in die Stube. Annes Mann kämpft noch mit der Lichterkette. Anne hat es sich nicht nehmen lassen, heute morgen einen echten Baum zu besorgen. Dabei mag sie ihren kleinen, künstlichen Baum. Mit den Jahren ein wenig struppig geworden, nun gut, aber Heinrich hat ihn ihr geschenkt, vor langer Zeit. Sie haben jetzt beide Bäume in der Stube nebeneinander aufgestellt. Ein Paar. Und was für eins. Sie fährt mit den Händen über ihr Haar, eine Strähne hat sich gelöst. Nächstes Jahr wird sie die langen, dünnen Flusen abschneiden lassen, dann ist aber wirklich Schluss. Sie hat den Dutt tatsächlich dem Enkelmädchen zuliebe immer noch hochgesteckt. Bei jedem Besuch sagt sie “Oma, wehe du schneidest deine Haare ab. Eine echte Oma muss einen Dutt haben.”
Gleich wird sie Heinrich im Krankenhaus anrufen und noch ein wenig mit ihm sprechen. Die Bibel liegt schon neben dem Telefon, sie wird ihm die Weihnachtsgeschichte vorlesen. Wie jedes Jahr.
Aber erst wird sie das seltsame Paket hochbringen in die neu bezogene Wohnung. Wahrscheinlich ist der Abholzettel im Umzugschaos untergegangen. Sicher ist es ein Weihnachtsgeschenk, das kann sie schon machen, das Paket noch schnell hochbringen.
Rosi wirft sich einen Blick zu in der Fensterscheibe, der alten Frau da, die sie sein soll – auf einmal kann sie es sehen! Einen Lidschlag lang, ihr längst vergessenes Spiegelbild. 20 Jahre alt und auch Heilig Abend. Ihre Augen leuchteten mindestens so wie die Kerzen. Ihr Brautkleid hatte die Mutter genäht –
ZWei Tränen, die übrigen schluckt sie runter und greift sich das Paket im Flur.
“Luise, Dani, kommt ihr mit? Ich muss noch etwas oben abgeben?”

Die Kinder vom Haus haben alle den Zettel gelesen.
Heilig Abend 18 Uhr, hier. xxx
Ohne darüber gesprochen oder gestikuliert zu haben, auf Socken und leise, kommen sie nach oben. Die Wohnungstür ist wieder angelehnt. Diesmal schimmert ein Licht durch den offenen Spalt. Sie kommen alle gleichzeitig oben an. Lykka, Are und Nisse, Niklas, Mary, Marja und Jörg mit der ganz kleinen Lovis auf dem Arm. Die Mäusekinder warten versteckt in der dunklen Ecke. Sie werden sich gleich hinterher schleichen.
Da steht eine große Tanne, geschmückt mit brennenden Kerzen und kleinen roten Äpfeln. Daneben ist ein breites Sofa und auf dem Boden liegen ziemlich viele Kissen. Auf dem Sofa sitzt jemand und liest aus einem Buch vor. Seine Stimme ist leise und sehr schön. Er kommt Lykka bekannt vor und Niklas ist sich sicher, ihn schonmal gesehen zu haben.
“… Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Hügel sollen erniedrigt werden, und was krumm ist, soll gerade, und was höckerich ist, soll eben werden …”
Lykka denkt an Norwegens Bergkämme, an die Felsen, und die schmalen Straßen da durch. An dieses Haus hier, was ihr höher als der Fløya vorkommt. Kaum erklimmbar und wenn sie auf dem Gipfel steht, was kommt dann? Die Brüder, die Eltern, sie sind getrennt angekommen in diesem neuen Land, obwohl sie doch zusammen hergefahren sind. Es wird dauern.
Rosi lugt vorsichtig zur Tür herein, das Paket im Arm. Staunend sieht sie in die Runde. Niklas winkt sie zu sich aufs Sofa. Sie entdeckt die anderen Pakete unterm Tannenbaum.
“Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. Auf ihm wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN…
Da werden die Wölfe bei den Lämmern wohnen und die Pumas bei den Böcken lagern. Ein kleiner Knabe wird Kälber und junge Löwen und Mastvieh miteinander treiben. Kühe und Bären werden zusammen weiden, daß ihre Jungen beieinander liegen, und Löwen werden Stroh fressen wie die Rinder.
Und ein Säugling wird spielen am Loch der Otter, und ein entwöhntes Kind wird seine Hand stecken in die Höhle der Schlange.
Und es wird eine Straße dasein für den Rest seines Volkes, … und er wird abwischen alle Tränen.”

Trudi nickt, das hat sie schon einmal gehört, vor langer Zeit, und in einer anderen Sprache.
Mit einem Mal waren sie alle hier oben. Trudi schaut sich ihre Schwester an, quer durchs Zimmer, die auf dem Stuhl neben dem Weihnachtsbaum sitzt. Mit so viel Abstand sehen sie sich selten, die ganzen letzten Jahre nicht. Am Küchentisch sitzen sie über Eck nebeneinander, auf das Polstersofa in ihrer Stube passen sie beide bequem. Da fängt Golda ihren Blick auf und scheint dasselbe zu denken: Wann hab ich dir eigentlich das letzte Mal in die Augen gesehen? Und gewartet, auf das da ist?
Trudi lächelt. Alles ist ein Geschenk.
Niklas knurrt der Magen. Sicher haben das die anderen gehört. Er verschränkt die Arme vor dem Bauch. Aber er war doch so aufgeregt, er hat zum Frühstück gerade mal ein Butterbrot herunter bekommen. Keinen Löffel von Mamas Weihnachtssuppe, nicht mal einen Lebkuchen.
Hier riecht es so gut. Er muss sich mal die Augen reiben, vielleicht ist alles nur ein Traum? Aber nein, es kann nicht sein. Er riecht die Kerzen und die Äpfel, und auf dem Tischchen vor ihm steht ein großer Teller mit niedlichen, runden Brötchen, daneben ein Schälchen Frikadellen, und Berliner, auf denen der Zucker glitzert. Niklas fühlt sich wie in einem Märchen. Er sieht die anderen an. Alle sind da. Frau Schmitt, die beiden alten Schwestern, Mama und Papa stehen auch in der Tür und die Eltern von den Norwegern. Alle sind ganz still und lauschen der Stimme. Jetzt lächelt der Mann und klappt sein Buch zu. Keiner sagt etwas. Er beugt sich runter zu den Paketen, greift eins heraus und gibt es Niklas. Niklas spürt seine roten Wangen. Er strahlt und bringt kein Wort heraus. Er fühlt das Leben in sich.
Wer ist dieser Mann?

* * *

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