Schnee und Dampf

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Aufwachen und es schneit. Weiße Wirbel vor den langen Fenstern. In kurzer Zeit etliche Zentimeter. Später spazieren gehen, ich, nur mit mir, und draußen ist es wie in einer Schneesauna. Alles dampft und tropft. Der Schnee knirscht unter meinen übertriebenen Schuhen. Ich gehe bis zu den Schafen. Dort, wo das Dorf aufhört, der Nebel anfängt. Oben und unten verschwimmt, weißgrau und nass. Die Schafe halten still und sehen mich an; Weißt du mehr als wir?
Hier könnte ich ewig stehen. Der Kaffeetravelbecher wärmt abwechselnd die Hände. Dieser Tag ein Leben. Ich wünschte, meine restlichen Vier wären jetzt hier. Aber nichts brauche ich gerade dringender als kalte Luft und Himmel nur für mich.
Wir sind schon drei Wochen krank, mal der, mal der, mal fast alle. Ich war zu wenig draußen. (Ich wünschte, ich hätte Hühner und wäre gezwungen, mehrmals am Tag rauszugehen. Seriously.) Jetzt hat es mich ordentlich erwischt, muss wohl eine Bronchitis sein, dabei gibt es doch keinen schlechteren Kranken als mich.
Der Neujahrsschwung ist schonmal raus. Ich bin dennoch dankbar für das Timing. Es hätte auch im Dezember sein können, oder in den Winterferien. Das wäre viel blöder gewesen.
Das Vertrackte am Kranksein ist nur, wenn man nicht kann, sieht man unentwegt, was man alles müsste. Alles strudelt mir durch den Kopf, was ich jemals nähen, aufräumen, entrümpeln wollte …
Ich lese gerade das Buch „Nein ist manchmal das bessere Ja“* von Lysa Terkeurst und habe das Gefühl, wem ich am schlechtesten Nein sagen kann, ist mir selber!! I want it all – and I want it now. Das muss ich dieses Jahr irgendwie ändern. Ich hatte schon ein paar Versuche unternommen, um einen besseren Fokus zu bekommen. Ich hab alle angefangenen Projekte in Kisten verpackt und wollte nur an maximal drei Dingen gleichzeitig dran sein. Es hat noch nicht geklickt.
Wer weiß. Vielleicht ist es auch der Schlafmangel, der mich so blurry macht. Wir sind seit gut zwei Wochen mit dem Gummibärchen dabei, sie ans Durchschlafen zu gewöhnen. Sie ist hartnäckig. Aber es klappt langsam. Sie hat uns sehr verwöhnt, weil sie die ersten Monate durchgeschlafen hat. (Wenn ich daran denke, kommt mir wieder das Gefühl von Sommer und unserer herrlichen Reise in den Sinn. Aaah, Sommer. So langsam, mit den Jahren, werden wir wohl doch noch Freunde.)

Dabei habe ich mich so auf den Januar gefreut. A fresh start. Ich habe angefangen, Zeug zusammenzupacken, was einfach zu viel ist. Im Kinderzimmer angefangen, in der Küche weitergemacht. Ich möchte Ballast abwerfen. Batti trauert jedem Stück hinterher, Recht hat er. Wir haben schönes Zeug. Aber trotzdem ist es Zeug. Wir bringen es in den Fairkaufladen und ich hoffe, irgendwen erfreut es. Als nächstes gehe ich den Keller durch. Und dann müsste ich konsequent in meinem Materialschrank weitermachen. I can do it!
Ich habe mir fest vorgenommen, so bald kein neues Material mehr zu kaufen. Mein Stoffschrank ist voll, ich habe immer noch die Wolle, die ich in Dänemark gekauft habe … Nur eine Ausnahme musste ich noch machen: Jules wunderschöne pflanzengefärbte Garne von Hey Mama Wolf.

Jetzt muss ich mich nur bremsen um nicht den Kopfstrudel wieder anzustoßen. Batti hat mir zu Weihnachten eine Schneiderpuppe geschenkt und ich bin gespannt wie das sich damit arbeitet. Im Moment trägt sie das Paperbag Kleid, dem eigentlich nur noch der Saum fehlt, und die gestickten Ärmelnähte, die ich aufgetrennt habe und nochmal neu machen muss.
Was macht ihr denn gegen die Wanna make Flut und den Januarblues?

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Meine Bibel. Meine Geige. Mein Telefon. Herzsatt sitze ich im stillen Haus auf dem Sofa. Der Baum leuchtet, der Stern auch, der Lichterbogen und die Erinnerungen.
Es kam noch kein Schnee. Und trotzdem wurde Weihnachten in unserer Stube. Festtage mit allem Glanz und Schmaus. Im Kreis unserer Großfamilie, über drei Dörfer verteilt, am Abend kraucht jeder in sein Bett; ich kenne es nicht anders.

Und ich dachte, mir wird gar nicht mehr weihnachtlich dieses Jahr. So sehr angestrengt die Hektik zu vermeiden und dann war es doch eine Eilzugfahrt durch den Dezember – mit süßen Ausnahmen, immerhin. Do less but better.  Der Weg dahin ist noch ein Stück.

Heilig Abend im Gemeindesaal, und es war noch so hell (und so warm, eher Frühlingsbrise.) Aber dann haben mir die Weihnacht gebracht: Sie, an ihrem Cello, die Augen geschlossen und ihr Gesicht, oh! ihr schönes Gesicht! erzählt die Geschichte der Welt von Anfang an. Und sie: mit ihrer Flötenstimme beim Oh du fröhliche, (was man wirklich zu Hunderten zusammen singen muss), dass mir die Tränen aus den Augen schießen wollen. Und die Kinder, die auf der Heimfahrt fast vergehen vor Aufregung: Steht wieder ein Sack Geschenke vor der Tür? War der Weihnachtsmann schon da? Erwischen wir ihn noch? Mama, es kribbelt, ich fühle das Leben in mir. Mama, ich hab einen Stein im Hals.
Und für Millisekunden hab ich es wieder, genau das gleiche, uralte Kindseingefühl.

Und die Tage zwischen den Jahren, wenn mir das Herz endlich wieder an die richtige Stelle sackt und ich ankomme, bei mir. Jetzt muss ich nichts mehr müssen, jetzt ist alles genau so gut. Jetzt steht die Zeit still. Das ist meine liebste Woche im ganzen Jahr.

Am 28. Dezember kehrt Ruhe ein, die kleine Ruhe vor dem großen Jahresschlussknall. Immer mit Schwermut und Lebwohl. Es ist schön wieder nur zu Fünft aber ihr fehlt uns alle schon. Wir zögern die letzte Stunde raus. Noch eine Geschichte. Noch ein Stückel Stollen. Noch eine Runde durchs Dorf. Bleibt doch noch. Kommt bald wieder.

Jetzt noch der Geburtstag der beiden Großen, oh Boy. Ich fühle die Müdigkeit des langen Jahres auf dem Buckel. Fast alles ist von der Liste gestrichen, unter den Tisch gefallen und mit den Krümeln aufgefegt. Das eine will ich noch schaffen, auch wenn ich wohl eher mir als ihnen einen Herzenswunsch erfülle: Wenigstens zwei ihrer Puppenkinder bekommen neue Kleider. Das viele Nähsendung gucken hat wohl geholfen, hehe. Endlich passt mal was. (Ich habe noch die erste Staffel der The Great British Sewing Bee geguckt und ein bisschen geweint, als … gewonnen hat. Ich verrat’s mal hier nicht.)

Und dann bleibt nur noch Silvester übrig. Seit langem feiern wir mal wieder daheim, mit lieben Freunden und noch zwei Kleinen obendrauf. Ich schaffs sogar mal, wachzubleiben bis der Himmel bunt wird. Ich hatte ganz vergessen, wie sehr ich die Raketen mag. Auch wenns eigentlich Irrsinn ist in dem Ausmaß. Schön sind sie. S. und J. bleiben noch den ganzen 1. Januar bei uns. Das ist schön, zusammen schaffen wir es, das alte Jahr noch festzuhalten, nur noch ein klitzekleines bisschen, an einem Bettzipfel, nur diese paar Stunden länger. Weil das Loslassen immer so schwer ist.

Und jetzt am Abend krame ich meine Sachen um mich, meine Bibel, meine Geige, mein Telefon. Letzteres will ich im neuen Jahr ruhig mehr in der Schublade lassen. Und Bibel und Geige viel mehr in die Hand nehmen. Ich blätter im Tagebuch und beginne mit meinem Jahresrückblick. Schreibe in Schönschrift gute Vorsätze auf, klopfe mein neues Jahresmotto fest, das fand sich diesmal kinderleicht:

Dieser Tag ein Leben. (Frei nach Melcher Melcherson*)

Die Schwermut ist verflogen. Die gibt es immer nur am 28. Dezember. Die Kinder sind müdegefeiert. Die Pfefferkuchen alle. (Na fast, einen Klumpen Teig hab ich noch. Dieses Jahr habe ich ein neues Rezept ausprobiert. Ich werd es noch hier teilen.)

Ich hab schon meinen neuen Kalender* in der Hand gehabt. Zuerst trage ich die Geburtstage ein. Dann lese ich die Texte die zu Beginn eines neuen Monats stehen. Dann dies und das. Seit so vielen Jahren habe ich Bianka Bleiers Tagebuchkalender. Ich kann nicht mehr ohne, auch wenn ich immer mal wieder mit den Moleskines liebäugele. Die Tradition dieser Tagebuchkalender ist bei uns bestimmt bald 20 Jahre alt. Jedes Jahr bekommen wir sie von Papa geschenkt. Jedes Jahr, ein paar Stunden vor Heilig Abend wickelt er die Kalender in unterschiedliche Geschenkpapiere ein und wir grinsen schon immer. So eine Überraschung.
Dieses Jahr hat meine kleine Schwester gestreikt, sie schreibt in ein Mehrjähriges. Also dachte ich mir, ich verlose das übrige Kalendertagebuch an euch. Mag es jemand haben? Tadaaa, endlich mal wieder ein

Giveaway!!

Wenn ihr mitspielen möchtet, hinterlasst einen Kommentar unter diesem Post und schreibt welches Adventskalendertürchen von meinen 24 Tagen::24 Worten euch am Besten gefallen hat oder wie euer Weihnachten so war. Oder was ihr euch vom neuen Jahr erträumt.
Ich wünsche euch ein wunderbares, gesegnetes 2016!

Fotos folgen! Ach, das hat gedauert. Immer wenn ich die Weihnachtsbilder hochladen wollte, bin ich in den Bildern aus alten Zeiten hängen geblieben. Jetzt aber.
Das Giveaway hat Jessica gewonnen. Der Kalender müsste auch schon längst bei ihr angekommen sein. Danke euch fürs Mitspielen!!

* Links sind Amazon Partnerlinks.

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Ihr Kinderlein kommet. Du fühlst das Leben in dir, großer Engel. Ich weiß noch wie Heute deine Kicks nahe meinem Herzen. Eight years ago.

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Wir drei haben ein dunkelblaues Kleid für Morgen ausgesucht. Wie der Nachthimmel. Sterne sind mit der Nadel gestochen. Vollmond an Weihnachten. Jetzt passieren Wunder.

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Du bist mammutmüde. Ich auch. Baum steht. Kartoffeln sind gekocht. Engel stehen in einer langen Reihe und wollen dienen. Beinahe hätte ich sie übersehen.

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Es weihnachtet sehr – draußen, in horizontlangen Lichterketten. Innerlich mau. Pfefferkuchen schaffens eher als unsere Herzen. Pah! Wir schreiben uns nach Nordschweden in den Tiefschnee.

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  • Willkommen!

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    Hier schreibt Mirjam Nietz. Ich lebe mit meinem Mann und drei Kindern auf dem Brandenburger Land - einen Fuß breit in Berlin, ständigem Nordweh im Bauch und einer Hand an der heißen Kaffitasse.
    Schön dass du vorbei schaust!
    Wir haben ein Baby bekommen - deswegen passiert hier im Blog gerade nur selten etwas. Offline´s wild.