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1. My Workspace. Nur eine kleine Änderung, ein paar Schrauben und das Regal etwas tiefer gesetzt – und schon ist mein Arbeitsplatz wie neu. Und vor allem: nutzbar. Mit diesem nicht sehr tiefen Schreibtisch war der Bildschirm einfach zu dicht. Jetzt ist das Arbeitsgefühl viel besser und ich schreibe alle Bücher fertig und blogge bestimmt wieder ganz viel. (lol)

2. Frisch gewaschene Quilts überall im Haus. Die Baumblüten sind am aufblühen und herumwehen, Dank des aberwitzigen Frühlingswindes und ich habe das Wetter genutzt und alle Quilts gewaschen. Mmm, Frühlingsduft im Haus.

3. Ein Kuchen. Für Samstag zum Frühstück. Freitag Vormittag mit helfenden Gummibärhänden gebacken. Bei meiner Oma (und vielen anderen die ich kenne) war es Tradition, fürs Wochenende einen Napfkuchen zu backen. Etabliert ist es bei uns noch nicht, aber wenn ich es mal in time schaffe, macht mich das so glücklich. (Ich verrate den großen Kindern nicht, dass eine ganze Menge Olivenöl in den Teig kommt. Mal sehen, wie er ihnen schmeckt. Duften tuts köstlich. Ich habe ein paar ganz wenige Würfel Zitronat in den Teig geworfen. Just because.)

4. Kichernde, gurrende, gackernde Schwestern nebenan. Ausgelassen, die erste Schulwoche nach zwei langen Ferienwochen PLUS Zeitumstellung gemeistert zu haben. Jeden Morgen sind sie mit ihren neuen Weckern aufgestanden. Die Schlummertastenfunktion haben sie natürlich herausgefunden.

5. Spuren von Italien, überall im Haus. Im Vorratsschrank, im Weinregal, gepresst zwischen Mädchentagebuchseiten. Auf den Hüften auch, nuja. Wenn ich den Berg Fotos (und Wäsche) bearbeitet habe, erzähle ich mehr von unserer Reise im Wohnmobil. Womo fetzt, das ist klar.

6. Zwei Babies, ganz frisch in der Welt, and more on their way! Ein paar liebe Freundinnen werden diesen Frühling alle Mama. Es ist und bleibt das Schönste auf der Welt.

7. Meine Skagenuhr. Jeden Tag! Kam (noch) nie dazu, vom letzten Sommer, im Schneckenhaus, in Skagen zu erzählen! Die Uhr habe ich dort mitgenommen. Schönstes Mitbringsel aller Zeiten. Fünf Sekunden folgen meine Augen dem Zeiger und wenn er dann auf SKAGEN steht, schwupp bin ich wieder da oben. Im Geheimen. ;)

8. Lichte Abende im Wohnzimmer. Weite und hoch gewölbte Himmel. Und dann eine Tasse Earl Grey. Some knitting. Some reading. Easing up.

9. Updates und Mitfiebern bei Ulis Hausumbau – one more time. Endlich trägt sie wieder Kopftücher. Kanns kaum erwarten, in all den Räumen mit ihr zu sitzen und Fäden aller Art zu spinnen.

10. Gregory Alan Isakovs Musik. Leicht wie ein Frühlingskleid (dass ich mir gerne nähen würde.)

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It was a lot

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Happy New Year …
Ach wie langsam und gemächlich doch so ein Januar immer wieder sein kann! Dezember?! Ein Rush, ein Sturm, Irrsal und Wirrsal; wie so oft. Wie unverschämt gut sich das anfühlt, Zeit zu haben – und nichts zu müssen. Jedenfalls nicht pausenlos. Mein Weihnachtskater kommt spät, diesmal. Ich lass ihn rein. Ich leg die Beine hoch.

Ich will nichts vergessen. Nichts, was mich froh gemacht hat.

Dezember war auch: Heiße Schokolade, in der größten Tasse und mit zerpflückten Marshmallows, im Sessel neben dem Feuerprasseln. Dezember war das Weihnachtsoratorium, alle nur auffindbaren Aufnahmen davon, und Nummer XI aus dem Messiah. Wow! Es war früh schlafen gehen, üben und scheitern und Schnee an jedem Adventssonntag. Ein Weihnachtsmarkt wie im Märchen (in Liebenwalde), Holzbäumchen frisch gedrechselt, Tannengrün aus Grabow, Erzgebirgscher Stollen und Plätzchenteig, der von Batti ausgestochen doch noch lecker schmuk. Dezember war gesund! Und war Trubel, Rascheln, Eile. Ein neuer Kühlschrank, ein Schlitten, eine Puppe. Dezember war das Haus leer und voll. Auch mit 13 Lieblingsschokoladenweihnachtsmännern. Dezember war 10 Jahre Mama, Eltern. Diese Zahl lässt mich stumm und staunend noch eine Weile wundern. Ist da nicht doch ein Rechenfehler … Mini Blondie, wirklich schon 10, und unsere kleine zarte Gelbe Wolke soll schon 7 sein?!

Dezember war Vom Himmel hoch. Und die Geige abstauben, nach Jahren wieder mal die zweite Stimme spielen und nicht aufhören können. Es war eine Suche, nach dem Weniger, nach dem Wesentlichen, nach Geschichten und Traditionen, die weiter welche bleiben sollen. Engmaschig und kurzatmig, Kleinmut und Großspur Hand in Hand. Es war rührende Geschenke von kleinen, aufgeregten Händen selbst verpackt, Trompetenschall, bestes Sushi des Jahres. Lachen mit den Liebsten, tanzen, Kogong. Dezember war Warten und abstauben, Herumtragen und Loslassen. Pfeffersäcke, Feuerwerk. Flimmerkistentage. Überreich beschenkt. Dezember war das Fest. 

Und jetzt verweile ich noch, so lange ich will in dem Aufbruch, in dem Glücksgefühl der leeren 365 (nu ja, ein paar weniger sinds inzwischen) Seiten. Neujahrsvorsätze in Schönschrift. Ich liebe sie. Sie spornen mich an, es jeden Tag wieder zu versuchen. Zum Beispiel: Meine Liebsten jeden Tag mindestens fünf Mal drücken und herzen (Man denkt, das schafft man spielend … ist aber gar nicht so.) *Mehr Bücher durchlesen (tatsächlich schon 4 Bücher (dünne) geschafft, tut so gut.) *Weniger kaufen *Mehr anrufen *Meine Liebsten einmal am Tag so richtig zum Lachen bringen *Täglich fotografieren, was mich froh macht *5kg abnehmen (na das muss ja immer draufstehen ;)

Und ihr? Habt ihr Gute Vorsätze? FROHES neues Jahr meine Guten, die ihr hier her kommt. Danke dafür!

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Rosi bindet eine frische Kittelschürze um, steckt ein sauberes Taschentuch in die Seitentasche. Im Schlafzimmer ist es kühl. Sie legt die flache Hand an die kalte Scheibe. In der Küche klappert es. Anne bereitet das Weihnachtsessen vor, die beiden Enkelkinder decken den Tisch und tanzen mit jedem Teller einzeln in die Stube. Annes Mann kämpft noch mit der Lichterkette. Anne hat es sich nicht nehmen lassen, heute morgen einen echten Baum zu besorgen. Dabei mag sie ihren kleinen, künstlichen Baum. Mit den Jahren ein wenig struppig geworden, nun gut, aber Heinrich hat ihn ihr geschenkt, vor langer Zeit. Sie haben jetzt beide Bäume in der Stube nebeneinander aufgestellt. Ein Paar. Und was für eins. Sie fährt mit den Händen über ihr Haar, eine Strähne hat sich gelöst. Nächstes Jahr wird sie die langen, dünnen Flusen abschneiden lassen, dann ist aber wirklich Schluss. Sie hat den Dutt tatsächlich dem Enkelmädchen zuliebe immer noch hochgesteckt. Bei jedem Besuch sagt sie “Oma, wehe du schneidest deine Haare ab. Eine echte Oma muss einen Dutt haben.”
Gleich wird sie Heinrich im Krankenhaus anrufen und noch ein wenig mit ihm sprechen. Die Bibel liegt schon neben dem Telefon, sie wird ihm die Weihnachtsgeschichte vorlesen. Wie jedes Jahr.
Aber erst wird sie das seltsame Paket hochbringen in die neu bezogene Wohnung. Wahrscheinlich ist der Abholzettel im Umzugschaos untergegangen. Sicher ist es ein Weihnachtsgeschenk, das kann sie schon machen, das Paket noch schnell hochbringen.
Rosi wirft sich einen Blick zu in der Fensterscheibe, der alten Frau da, die sie sein soll – auf einmal kann sie es sehen! Einen Lidschlag lang, ihr längst vergessenes Spiegelbild. 20 Jahre alt und auch Heilig Abend. Ihre Augen leuchteten mindestens so wie die Kerzen. Ihr Brautkleid hatte die Mutter genäht –
ZWei Tränen, die übrigen schluckt sie runter und greift sich das Paket im Flur.
“Luise, Dani, kommt ihr mit? Ich muss noch etwas oben abgeben?”

Die Kinder vom Haus haben alle den Zettel gelesen.
Heilig Abend 18 Uhr, hier. xxx
Ohne darüber gesprochen oder gestikuliert zu haben, auf Socken und leise, kommen sie nach oben. Die Wohnungstür ist wieder angelehnt. Diesmal schimmert ein Licht durch den offenen Spalt. Sie kommen alle gleichzeitig oben an. Lykka, Are und Nisse, Niklas, Mary, Marja und Jörg mit der ganz kleinen Lovis auf dem Arm. Die Mäusekinder warten versteckt in der dunklen Ecke. Sie werden sich gleich hinterher schleichen.
Da steht eine große Tanne, geschmückt mit brennenden Kerzen und kleinen roten Äpfeln. Daneben ist ein breites Sofa und auf dem Boden liegen ziemlich viele Kissen. Auf dem Sofa sitzt jemand und liest aus einem Buch vor. Seine Stimme ist leise und sehr schön. Er kommt Lykka bekannt vor und Niklas ist sich sicher, ihn schonmal gesehen zu haben.
“… Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Hügel sollen erniedrigt werden, und was krumm ist, soll gerade, und was höckerich ist, soll eben werden …”
Lykka denkt an Norwegens Bergkämme, an die Felsen, und die schmalen Straßen da durch. An dieses Haus hier, was ihr höher als der Fløya vorkommt. Kaum erklimmbar und wenn sie auf dem Gipfel steht, was kommt dann? Die Brüder, die Eltern, sie sind getrennt angekommen in diesem neuen Land, obwohl sie doch zusammen hergefahren sind. Es wird dauern.
Rosi lugt vorsichtig zur Tür herein, das Paket im Arm. Staunend sieht sie in die Runde. Niklas winkt sie zu sich aufs Sofa. Sie entdeckt die anderen Pakete unterm Tannenbaum.
“Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. Auf ihm wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN…
Da werden die Wölfe bei den Lämmern wohnen und die Pumas bei den Böcken lagern. Ein kleiner Knabe wird Kälber und junge Löwen und Mastvieh miteinander treiben. Kühe und Bären werden zusammen weiden, daß ihre Jungen beieinander liegen, und Löwen werden Stroh fressen wie die Rinder.
Und ein Säugling wird spielen am Loch der Otter, und ein entwöhntes Kind wird seine Hand stecken in die Höhle der Schlange.
Und es wird eine Straße dasein für den Rest seines Volkes, … und er wird abwischen alle Tränen.”

Trudi nickt, das hat sie schon einmal gehört, vor langer Zeit, und in einer anderen Sprache.
Mit einem Mal waren sie alle hier oben. Trudi schaut sich ihre Schwester an, quer durchs Zimmer, die auf dem Stuhl neben dem Weihnachtsbaum sitzt. Mit so viel Abstand sehen sie sich selten, die ganzen letzten Jahre nicht. Am Küchentisch sitzen sie über Eck nebeneinander, auf das Polstersofa in ihrer Stube passen sie beide bequem. Da fängt Golda ihren Blick auf und scheint dasselbe zu denken: Wann hab ich dir eigentlich das letzte Mal in die Augen gesehen? Und gewartet, auf das da ist?
Trudi lächelt. Alles ist ein Geschenk.
Niklas knurrt der Magen. Sicher haben das die anderen gehört. Er verschränkt die Arme vor dem Bauch. Aber er war doch so aufgeregt, er hat zum Frühstück gerade mal ein Butterbrot herunter bekommen. Keinen Löffel von Mamas Weihnachtssuppe, nicht mal einen Lebkuchen.
Hier riecht es so gut. Er muss sich mal die Augen reiben, vielleicht ist alles nur ein Traum? Aber nein, es kann nicht sein. Er riecht die Kerzen und die Äpfel, und auf dem Tischchen vor ihm steht ein großer Teller mit niedlichen, runden Brötchen, daneben ein Schälchen Frikadellen, und Berliner, auf denen der Zucker glitzert. Niklas fühlt sich wie in einem Märchen. Er sieht die anderen an. Alle sind da. Frau Schmitt, die beiden alten Schwestern, Mama und Papa stehen auch in der Tür und die Eltern von den Norwegern. Alle sind ganz still und lauschen der Stimme. Jetzt lächelt der Mann und klappt sein Buch zu. Keiner sagt etwas. Er beugt sich runter zu den Paketen, greift eins heraus und gibt es Niklas. Niklas spürt seine roten Wangen. Er strahlt und bringt kein Wort heraus. Er fühlt das Leben in sich.
Wer ist dieser Mann?

* * *

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Filed under: Kroppzeug

 

“Trudi? Bist du schon im Bett?” Golda ruft leise durch die Tür.
Sie war bei Frau Schmitt, eigentlich wollte sie nur einen Napfkuchen bringen und einen kleinen Fleischsalat. Sie hatte gehört dass Herr Schmitt einen Herzinfarkt hatte. Also da muss man doch etwas tun.
Frau Schmitt hat sich so gefreut. Sie sollte gleich zum Kaffeetrinken bleiben. Trudi fühlt sich heute gar nicht gut. Sie wird doch nicht die Grippe kriegen.
Golda setzt sich an Trudis Bettkante.
“Schöne Grüße von Frau Schmitt. Du sollst auch bald mal mitkommen.”
Trudi lächelt. “Ja, das mache ich bald. Aber jetzt hast du mich geweckt und ich kann nicht wieder einschlafen.”
“Ach komm, das ist nur wieder ein Trick, damit du in mein Bett darfst. Denk nicht im Traum dran.”
“Schade.” Trudi hat immer noch diesen Schelm in den Augen. “Aber was vorsingen könntest du mir, machst du das wohl?”
Ja, das tut Golda. Man sollte nie aufhören zu singen.
Trudi schließt die Augen. Ohne hinzusehen angelt sie in die kleine Holzdose auf dem Nachttisch und fischt zwei Gummibärchen raus. Gummibärchen am Bett, das hat sie seit eh und je. Eins drückt sie Golda in die Hand.

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Filed under: Advent

 

Niklas Papa macht Waffelteig. Mama wirbelt durch die Wohnung, gibt gegensätzliche Kommandos und am Ende sieht es weniger aufgeräumt aus als vorher. Typisch Niklas, ihnen beim Mittag zu verkünden dass er die neuen norwegischen Nachbarn zum Kaffee eingeladen hat. Aber sie jetzt einfach auszuladen wäre super blöd.
Da klingelt es auch schon. Niklas rennt zur Tür, Mama und Papa hinterher, gefolgt von der ganz kleinen Lovis, Marja und Mary, selbst Jörg ist neugierig und steht mit im Flur. Toll, wir sehen aus wie ein schlecht zusammengewürfelter Chor denkt Mama noch, da ist die Tür auch schon auf.
Die Eltern entschuldigen sich gegenseitig auf deutsch-englisch-Kauderwelsch, solange bis es angebrannt riecht und Papa zum Waffeleisen rennt.
Marja und Mary schielen zu dem norwegischen Mädchen und den beiden Jungen. Alle drei haben schwarz lackierte Fingernägel.
Die Waffeln, bis auf die erste, sind total lecker. Lykka hat drei Stück gegessen. Niklas zeigt Are und Nisse die Wand mit ihren Adventskalendern. Nisse staunt und steckt die Finger in die vielen geöffneten Türchen.
“Habt ihr keinen Adventskalender?” fragt Niklas?
Are schüttelt den Kopf.
“Wollt ihr eine Tür aufmachen? Zwei Türchen sind ja noch übrig. Hier nehmt meinen Kalender mit rüber. Aber erst morgen die 23 aufmachen!” Niklas nimmt seinen Kalender von der Wand.
Lykka sieht plötzlich das schwarze Klavier im Wohnzimmer. Wow. Ob sie mal kurz…? Sie schlendert rüber und schaut sich die Bilder an den Wänden an, klappt vorsichtig den Deckel hoch. Die Eltern sind angeregt in ein Gespräch vertieft. Die Gastgeber haben Glühwein gemacht. Und Kakao für die Kinder.
Lykka spielt vorsichtig ein paar Töne. Das ist ein schönes Klavier. Ihre schwarzen Fingernägel auf den schwarzweißen Tasten. Lykka grinst.

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Filed under: Advent

 

Lykka steckt den Kopf unter ihr Kissen. Are und Nisse lärmen durch die Wohnung, durchs ganze Treppenhaus. Oh boy … Dabei ist doch Samstag. Warum sagen Mama und Papa nichts.
“Det snøet, det snøet!!” Nisse schreit durchs Haus. Are peest ihm hinterher. In Schlafanzügen, nur mit ihren Stiefeln an den Füßen.
Sie laufen auf den Gehweg und bewerfen sich mit Schnee. Endlich, endlich! Natürlich ruft Papa im nächsten Moment ihre Namen aus dem Fenster, und das ist unmissverständlich. Sie werden hochlaufen und sich ordentlich anziehen. Was schaut denn da aus ihrem Briefkasten? Ein dicker Brief, Are zieht ihn im Vorbeilaufen heraus und nimmt ihn mit nach oben.
Er schüttelt seine Haare über Lykka aus und wirft ihr den Brief auf den Bauch.
“Hier, für dich, oder? Von Zuhause?”
Lykka verkneift sich das Gemecker und schnappt sich den Brief.
“Tür zu!” Aber Are ist eh schon weg. Sie reißt den großen Umschlag auf. Ach… Sie will nicht weinen, aber die Tränen kullern nur so. Mit zittrigen Händen drückt sie das große Foto von dem großen Glasfenster der Tromsdalen Kirke an sich. Er hat es nicht vergessen. Was ist noch drin. Ein langer Brief. Ein paar mehr Fotos. Und in Folie eingewickelt ein Fläschchen schwarzer Nagellack. Lykka schnieft. Und lacht.

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“Jaja, Mama. Erol kommt mittags aus dem Büro und dann müssen wir nur noch das Auto beladen. Schätze wir fahren drei, vier Stunden. Mal sehen wie die Straßen frei sind. Du musst kein Essen für uns machen, ich bring alles mit. Wir haben für die nächsten Tage eingekauft. Ok?”
“Ist gut Maus, macht in Ruhe, wir haben Zeit.”
“Und zu Papa fahren wir gleich morgen früh ins Krankenhaus. Die Kinder wollen ihn sehen. Warst du heute da?”
“Nein, aber wir haben telefoniert. Der Arzt sagt er soll sich noch ausruhen. Er hat Glück gehabt. Mit dem Bypass wird es ihm wohl bald besser gehen, aber er darf Weihnachten noch nicht nach Hause.” Rosi räuspert sich. Der Rücken schmerzt. Sie muss sich wirklich mal einen Stuhl neben das Telefon stellen.
“Gut Mama, die Kinder kommen gleich aus der Schule. Ich habe eine Gans für Heilig Abend, da bringen wir Papa ein schönes Weihnachtsessen in die Klinik ja? Ich packe weiter, sonst vergess ich noch was. Freu mich, bis heut Abend!”

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“Mama, haben wir ein Wörterbuch?” Are ruft laut aus seinem Zimmer.
“Was?” kommt es aus dem Schlafzimmer. Mama bügelt.
“Ein Wör-ter-buch!”
“Küchentisch!”
Aha. Are hat es. Norsk-Tysk/Tysk-Norsk. Die Brüder sausen los. Hoffentlich treffen sie Niklas noch.

Niklas schleicht sich unauffällig in die Küche. Mama liegt auf dem Sofa, mit einem Buch. Aber er hat gesehen, dass sie weggedöst ist. Papa ist mit den Mädchen Geschenke kaufen gefahren. Ups, Geschenke. Niklas hat noch nicht wirklich etwas zum Einpacken gefunden. Dieses Jahr hat er einfach keine guten Ideen.
Er stellt einen Küchenstuhl an den Schrank und angelt die Keksdose herunter. Gut, es sind noch mindestens acht Zimtschnecken drin. Und jede Menge Schokoplätzchen. Mit der Dose unterm Arm und seinem Lustigen Taschenbuch macht er sich auf den Weg nach oben.
Die Tür ist nur ein Stück weit angelehnt, kaum sieht man dass sie offen ist. Die beiden Jungen sind schon da. Niklas strahlt sie an.
“Hallo.” Er zeigt auf die Dose. “Kekse.” Sie essen schweigend, der Größere der beiden hat auch ein Buch dabei. Ach, ein Wörterbuch! Er blättert darin und zeigt Niklas ein paar Worte. Niklas nickt.
Leise gehen sie durch die Wohnung, schauen in alle Zimmer. Es ist seltsam. Die Wohnung ist immer noch leer, aber trotzdem ist etwas anders. Was ist es nur?

Are guckt auf seine Uhr. Sie sollten gehen. Er sieht Niklas fragend an. “Morgen?”
Niklas schüttelt den Kopf.
“Morgen kann ich nicht. Aber am 4. Advent, da kommt ihr einfach zu uns zum Kaffee, geht das? 4. Advent? 4. Kerze?”
Are hat verstanden. Er nickt.
Aber in diese seltsame Wohnung hier muss er trotzdem nochmal.

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Rosi tritt den Matsch von den Stiefeln ab. In der Nacht kam Schnee, aber heut taut er schon wieder. Die Stadt sieht aus wie ein ungewaschenes Kind. Sie stellt die Tasche mit Milch, Butter und Brot in die Küche. Es ist so still. Ein ungutes Gefühl springt sie plötzlich an.
“Nein! Heinrich!” Reglos hängt er in seinem Sessel, die Zeitung liegt auf dem Boden. Sie stürzt zu ihm, rüttelt seinen Arm. Kopflos rennt sie zurück ins Treppenhaus und ruft, schreit: “Hilfe! Hallo! Ist jemand da? Hilfe! Mein Mann -”
In ihrem Kopf ist nur Rauschen, kein einziger klarer Gedanke. Fast bemerkt sie gar nicht, wie von oben Schritte schneller werden.
“Frau Schmitt? Was ist passiert?”
Niklas und sein Vater wollten gerade einkaufen gehen. Der Vater hört gleich, dass etwas nicht stimmt.
“Niklas, geh zu Mama.”
Jetzt drückt er sich an Frau Schmitt vorbei in ihre Wohnung. Es ist das erste Mal, dass er sie betritt. Hoffentlich nicht das letzte Mal. Er hat schon das Handy in der Hand. Er fühlt den schwachen Puls bei Herrn Schmitt und ruft einen Krankenwagen.
Rosi steht händeringend in der Tür. Ihr ist so übel. Sie schwitzt. Sie friert. Noch nie hat sie sich so ohnmächtig gefühlt. Versager hallt es durch ihren Kopf.
“Frau Schmitt, wie lange ist ihr Mann schon bewusstlos? Es kommt gleich ein Krankenwagen. Wollen Sie dann mitfahren? Ziehen Sie sich schon mal an.”
Dieser Nachbar – Rosi kann sich nicht mehr an seinen Namen erinnern. Aber stimmt, er arbeitet in einem Krankenhaus, das hat seine Frau ihr mal erzählt.
Er schaut sie so an, als würde alles gut.

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Es war nur noch eine Woche bis Weihnachten, ganz früh am Morgen. Niklas war gerade aufgewacht, obwohl es erst sechs war. In der Weihnachtszeit wachte er immer so früh auf, wie konnte er auch anders? Niklas lag noch im Bett, aber nicht mehr lange. Er sprang schwungvoll raus und flizte in seinem weißen Nachthemd zu dem Adventskalender mit dem Rentier darauf. Mutter hatte verboten, dass eines der Kinder seinen Kalender vor den anderen aufmachte. Niklas´ großer Bruder hatte einen Kalender mit einem roten Schlitten. Seine beiden älteren Schwestern hatten beide einen Engel.
Während Niklas so vor seinem “Rudolph” stand und darauf wartete, dass seine kichernden Schwestern und sein Bruder endlich die Treppe herunter polterten, kam ihm eine Idee. Mutter hatte zwar verboten, dass jemand den Kalender früher öffnete, aber vielleicht konnte man ja doch ein ganz klein wenig nachsehen…? Niklas pulte an dem Türchen mit der großen roten 17. Sollte er oder sollte er nicht…?
Da passierte es. Das Türchen sprang auf! Er öffnete das Türchen ganz und entdeckte…
einen Teddy aus Schokolade! Niklas leckte sich die Lippen und steckte den Teddy… halt!- nicht in den Mund. Er biss nur die Mütze ab. Und das linke Ohr. Und das rechte Ohr. Und den Kopf…und dann den ganzen Körper. Noch während er so vor sich hin schmatzte, besah er sich noch einmal seinen hübschen…Schlitten?! Nein da stimmte etwas nicht! Verzweifelt rannte Niklas zu seinem Rentier-Kalender…und musste feststellen, dass in diesem 17. Türchen noch der Teddy drin steckte! Er hatte den Teddy seines großen Bruders aufgegessen! Da hörte er schon die Schritte seiner Geschwister auf der Treppe. Niklas blieb gerade noch Zeit, seinen eigenen Schoko-Teddy in den Kalender seines Bruders zu stopfen. Da kamen auch schon alle anderen. Niklas stellte sich vor seinen Rentier-Kalender und tat so, als wäre er gerade dabei, nach seinem 17. Türchen zu schauen. Sein Bruder winkte ihm zu und gähnte. Dann machte er sich an seinen Adventskalender. Niklas trat unruhig von einem Fuß auf den anderen. Doch sein großer Bruder kümmerte sich nicht darum. Niklas´ Schwestern öffneten ihre Engel-Kalender und steckten die Schokolade in ihre Leckermäulchen.

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  • Willkommen!

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    Hier schreibt Mirjam Nietz. Ich lebe mit meinem Mann und drei Kindern auf dem Brandenburger Land - einen Fuß breit in Berlin, ständigem Nordweh im Bauch und einer Hand an der heißen Kaffitasse.
    Schön dass du dir Zeit nimmst!