Mamas Esstisch ist fast drei Meter lang. Acht oder zehn Leute können da gut dran essen. Aber wenn ich da bin, brauche ich nur einen Vormittag, um den gesamten Tisch zu belagern. Ans Fensterende kommt das Mac Book, dann Bücher und Schreibkram, in die Mitte Nähzeug und der Kaffikram nach vorn. Mama hat am liebsten nur einen Tischläufer und einen Strauß Blumen auf diesem Tisch – aber ich kann nicht anders, als mich hier auszubreiten. Ich mache den Tisch ungern frei fürs Essen und wenn Post oder Papierkram auf dem Tisch landen, räume ich sie automatisch wieder runter. Hier sitze ich so viel es geht, während die anderen ihre Lieblingsecken auf Sofa, Sessel oder Teppich haben. Unter Mamas Protest krame ich das schöne, alte Porzellan raus und überrede Mama zum Kaffeetrinken.
Vor dem Fenster teilt sich das Dorf in vier Straßen auf. Zum See und den wilden Pflaumen und Birnen, zur Kirche, zum Bauernhof und zu dem blauen Norwegerhäuschen, in das ich zu gern mal zum Kaffee eingeladen werden würde. Je nach Gemütslage lässt es sich auf den Wegen spazieren … aber es kostet Überwindung, von meinem Tisch aufzustehen und rauszugehen.
Ich bin sicher, wenn ich wieder weg bin, atmet Mama erstmal durch, bringt die Sammeltassen in Sicherheit und genießt den aufgeräumten, leeren Tisch.
(Aber mir ist auch schon zu Ohren gekommen, dass jemand anderes ihn ähnlich gene zukramt.)
Category: Familie
Mamas Tisch
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Sind im Garten!

Nein, hier bei Kaffiknopf wird nicht den halben Tag genäht! Wir gucken auch nicht die ganze Zeit Fussball. Und leider, leider sind wir auch nicht da, wo wir vor einem Jahr – zwischen White Mountains und Atlantik, zwischen Merrimack River und Harvard, zwischen Hannaford Corn Muffins und Joann´s Fabric – das Schlaraffenland gekostet haben … Das wäre zwar alles auch ganz wunderbar … wir sind aber einfach nur im Garten. Genauer gesagt: sehr viel auf der Hollywoodschaukel, die seit einer Woche auf unserer Terrasse lange vergessene Kindertage wieder wach schaukelt.
Im Garten ist es immer schön, und immer gibt es irgendwo einen Flecken Schatten. Die Erbsen haben ihre ersten Blüten, eine Reihe (die mit Spinat) ist jetzt abgeerntet und hat für Pattison Kürbis Platz gemacht und heute hat Mini Blondie die erste Gartenerdbeere gegessen. Solche kleinen und großen Alltagsgeschichten bringen kleine und große Feste mit sich. Nur das Aufräumen dazwischen will irgendwie nicht enden, wahrscheinlich, weil es sich nicht so gut von der Holly aus erledigen lässt.



Vor ein paar Tagen haben wir Battis Geburtstag gefeiert. Mit WM-Start und großem Fest am nächsten Tag ging der Geburtstag ein klein wenig unter, aber Mini Blondie war trotzdem so aufgeregt, dass sie am Vorabend gar nicht einschlafen konnte und Batti gleich zur Begrüßung verraten musste, dass sie ihm einen Brief geschrieben hat. Dafür liegt mein Geschenk immer noch halb zugeschnitten im studio. Oh, diese süßen Tage, in denen ich wieder lange vor einem Anlass etwas fertig machen kann, werden sie je wieder kommen?
Wie schnell die Zeit auch rennt, es ist ein anderer Grundschlag hier draußen, zwischen Wiesen und Feldern. Tief und ruhig. Hier wechseln nicht Ampeln und Häuser die Farbe, hektisch, hier schrillt keine Straßenbahn. Hier folgen geduldige Staffelläufer auf einander: Butterblumen, der Raps, die Apfelblüte, jetzt Kornblumen und Klatschmohn, bald schütteln die Sonnenblumen ihre Köpfe. Mittags und abends läutet die Kirchglocke. Nachmittags wiehern die Pferde auf der Weide. Rund um die Uhr singt mein Mädchen und erzählt mit zwei Fingern Geschichten. Ich verpasse besser keine!
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Dickhaut
Sie faszinieren mich, weil sie Giganten sind, Krieger und Clowns, die süßesten Babys im Tierreich bekommen und eine Bombenmischung aus dicker Haut und lieben Augen haben. Ich würde gern in der Nähe einer ganzen Elefantenherde leben und zusehen, wie sie alle gleichzeitig durch die Steppe galoppieren. Ob sie wirklich manchmal Rüssel an Schwanz umher ziehen? Leider sind unsere Lebensräume weit von einander getrennt … aber im Elefantendorf Platschow kommt man ein paar Dickhäutern ganz nahe. Hätte ich mich getraut, hätte ich eine Runde auf dem Rüssel reiten können. Mini Blondie hat sie mit Toast gefüttert, das sind ein paar Naschkatzen! Mit ihren Rüsseln versuchen sie staubsaugerartig, das Brot schonmal uns aus der Hand zu saugen. Und sie schnurren! Elefanten schnurren. Die ganze Zeit, wenn es ihnen gut geht oder sie betteln, machen sie so ein lustiges Schnurrgeräusch mit dem Rüssel, glaube ich.



Die vergangene Woche hat keine Bilder und erst Recht keine Sonne gebracht. Aber vier Tage Dreisamkeit und mehr, wenn uns danach war. Einen Tag lang hab ich mich ganz und gar hinter dem warmen Ofen verkrochen und ein Buch von der ersten bis zur letzten Seite verschlungen (Harriet Köhler: Und dann diese Stille). Zum ersten Mal Biskuitteig gebacken, für einen Rhabarberkuchen. Wehmutseufzer verdrückt, als wir Mini Blondies Gitterbett auf einer Seite geöffnet haben, und sie da jetzt drinsitzt, mit einem Kissen an die Rückseite gelehnt, und liest, das große Kind.
Sonne und Gelb liefen uns Hand in Hand über den Weg, als wir noch einmal in Mecklenburg auf Geburtstagsbesuch waren. Oh, in dem großen Garten gibt es für uns alle drei ja so viel zu entdecken. Mit Holz, noch mehr Kräutern und Rhabarbernachschub haben wir das Auto vollgeladen um uns für die nächsten Regentage zu wappnen. Aber dann, Sonne, aber dann! Lass wachsen, ich will Erbsen ernten.




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Familienlazarett, Neuschnee und keine weiteren Aussichten auf Kaffee

Seit Montag haben wir eine ganze Reihe von BAD HAIR DAYS eingeschoben – alle drei gleichzeitig. Mini Blondie hat es am schlimmsten erwischt, dafür hat sie in den schmerzfreien Zeiten die fröhlichste Laune. Irgendwie hat es die Grippe hier ins Haus geschafft, da hat Battis Allemorgeneiskaltdusche nichts genützt. Jetzt wechseln wir uns ab mit Tee kochen, Taschentücher suchen, Fieber messen, Zäpfchen geben und Mut zulächeln. Wenigstens schmeckt Mini Blondie das Antibiotikum, puuh. Sie denkt, es ist Gummibärchensaft. Davon hätte ich jetzt auch gern eine Portion. Kranksein ist Mist. Ich bin dagegen!
Als wäre das nicht genug, hat es den Vormittag auch noch geschneit! Unerhört. Ich hab so ein Zucken im Bauch – wenn wir dieses Jahr mal nicht Ostereier im Schnee suchen müssen. Das ist doch viel zu einfach – die bunten Eier finden sich viel zu leicht im Schnee.


Seltsam aber, dass Schnee und Zucker sich so ähnlich sehen, oder? Schade, dass Zucker so ungesund ist und Schnee nicht ein bisschen süßer schmeckt, wenn man eingeseift wird. Wenn hier noch länger Schnee liegt, fällt mir bestimmt eine gesunde Kreuzungsvariante ein. Oder ich habe heute zuviel Grippemittel genommen, weil Kaffeeverbot herrscht. Ich hoffe sehr, dass mindestens drei Damen aus Loyalität auch keinen Kaffee trinken. Jawohl.
Da oben das ist Mama Bär, Handpuppe von Mini Blondies Freund aus Hannover. Sie ist seine ständige Begleitung und kann sogar Zähne putzen. Letzte Woche haben wir sie besucht und waren ganz aufgeregt, weil wir mit dem Zug hingefahren sind – ein Katzensprung! Das war ein schöner Anblick, so eine lange Stecke nur Schnee, gefleckt mit Rehen. Sonst nichts. Beim Reisen mit Kinderwagen merkt man den Unterschied zwischen den Menschen, es gibt eigentlich nur zwei große Sorten: Die Genervten, die ein unsäglich langes Gesicht machen können, wie da wieder jemand mit Kinderwagen total im Weg steht und es nicht vorwärts geht. Leider scheinen davon besonders viele Zug zu fahren. Aber es gibt auch noch die Netten, die hingucken, den Platz neben dem Kinderwagen frei machen, beim Tragen helfen und sich über so ein kleines fröhliches Wesen freuen. Ein Glück gibt es die Netten! Mögen sie die nächsten Jahre nicht krank werden, beim Bäcker ein Brötchen extra bekommen, ein Geldstück finden und bei nächster Gelegenheit ganz fest gedrückt werden.
Und für die Genervten soll es eine Woche lang nur Sauerkraut in der Kantine geben. Zu gemein? Ach nein. Ist ja auch gesund, das Kraut.

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Äpfel fallen nicht weit vom Stamm

In unserem Garten stehen sechs Apfelbäume. Früher waren die umliegenden Grundstücke eine große Obstwiese. Ich kann es kaum erwarten, bald im Apfelblütenregen unter den Bäumen zu sitzen, am Gras zu zupfen und den Äpfeln beim Wachsen zuzuhören. Heute Morgen hat es schon ganz vorsichtig nach Frühjahr geduftet. Vorhin habe ich beim Eiswegschaufeln die Bäume leise brummen hören. Es war ein tiefer, einstimmiger und nicht endender Ton. Die Apfelbäume erwachen! Ob später die herbstreifen Äpfel denen aus dem Vorjahr ähneln werden?
Geht es nur mir so, oder sieht Mini Blondie ihrem Opa ähnlich?
Manche Familien pflegen die Stammbäume und können bis Siebzehnhundertnochwas die Namen und Geburtsorte zurück verfolgen. Das finde ich faszinierend. Genauso wie alte Fotos. Davon gibt es viel zu wenige. Wie gern würde ich Bilder von meinen Vorfahren sehen … wer sah mir ähnlich? Vielleicht hat 1834 eine Urururgroßtante auf einer Sommerwiese gesessen, von Kaffee geträumt und mit der Hand ein Tischtuch bestickt. Hoffentlich hat sie den riesigen Apfel, der vom Baum auf ihren Kopf rauschte, überlebt.

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