Die letzte Stunde Abendsonne landet immer im Nähzimmer. Selten manage ich mich rechtzeitig da hinauf – und noch seltener denke ich daran, Fotos aufzunehmen. Letzten Mittwoch lag eine wunderbare Stille über dem Haus, Vorahnungen flirrten wie Staub im Sonnenlicht durch die Luft. Ich hatte ein bisschen Zeit, eine große Schüssel Salat, Earl Grey und einen Roman – mit Abendsonne im Nähzimmer.
Am nächsten Tag bin ich mit meinen Mädchen zum Mucklamädchen gefahren und wir haben gemeinsam den Nachmittag verspielt und auf die Ankunft des Babys gewartet. Die drei brauchte ich auch mindestens, um meine Aufregung zu vergessen. Meine Muckla bekommt ihr zweites Baby, und diesmal war ich in Gedanken dabei. Als ihr Erstes geboren war, nur wenige Tage nach meiner Gelben Wolke, wohnten sie noch oben in der Stadt. Und ich war so mit meinem Neuankömmling beschäftigt, dass ich in den ersten Tagen und Wochen gar nicht so teilhaben konnte wie ich gern getan hätte.
Aber dieses Mal, ach war das schön. Ich habe den kleinen Jungen schon am nächsten Morgen kurz im Arm gehalten, kann den Blick gar nicht von ihm wenden und es ist Sommer. Ganz anders, so ein Baby im Sommer zu begrüßen. Und jetzt muss ich ihm schnell sein Schnuffeltuch nähen. Heute sehe ich ihn wieder.
Familie
warten auf den abendstern
Junifarben
Nach Hause gehen ist was anderes als nach Hause kommen. Während ich das schreibe, sitzen Uli, ihre Familie und die guten Helfer halbstill in den Trucks voller Kisten und Möbel. Vor dem Morgengrauen sind sie aufgebrochen, haben die Zelte abgebrochen und in einer guten Stunde ist eine neue Zeit angebrochen. Uli kommt nach Hause! Ich kann die Füße gar nicht mehr still halten. Den Vormittag lang habe ich gekocht und gebacken. Noch eine Kanne Kaffee kochen und los. Aber meine Lieblingsjunifarben schicke ich schnell noch on air. Den Kuchen gibt es gleich noch einmal, weil er am Wochenende so köstlich war. Das ist der minty chocolate cream pie, die Sahne noch nicht drauf. Das Rezept ist aus dem Buch A year of pies, und ist wirklich brilliant. Ich habe ein bisschen abgewandelt, weil ich noch zwei After Eight Osterhasen hatte, kamen die mit in die Schokomasse und bei der Sahne habe ich das Pfefferminzöl dann weggelassen. Den Kindern hat das allerdings nicht so gut geschmeckt. Diesmal hab ich die Minznote ganz weggelassen (und in die Schokomasse einen Schluck Espresso gekippt. Dadurch schmeckt es noch viel schokoladiger.)
Wenn es schöne Himbeeren gibt, kommen die noch dazu und dann die Sahnehaube. Mhhhhmmm Juni.
Klara Himmel, kirschblütenvoll
Mein Nähkörbchen platzt fast, ich bekomme die “Wörks in progress” definitiv nicht mehr übersichtlich darin unter. Aber ich hab sie einfach gern alle beisammen, Stickzeug, Strickzeug, Nähkram … Und jetzt, wo die Draußentage wieder da sind, trage ich den Korb mir selber hinterher. Auf die Terasse, in den Schatten, wieder in die Küche. Ein paar Stiche am Tag werden es immer, auch wenn der Garten erstmal laut ruft: Putz mich und rupf mich. Die Kinder sind so erleichtert, endlich wieder durchs Draußen jagen zu können. Mini Blondie bemerkt jede neu aufgeblühte Blume und hält sich eine Schnecke im Gras. Die Kirschblüten sind aufgesprungen wie Riesenpopcorn! Ich höre es krachen, wiedermal. Ich bin schon so gespannt, wie unsere Apfelbäume bald blühen werden, das tun sie jedes Jahr anders. Mal nur an ein paar Zweigen, ein Jahr auch gar nicht. Dieses Jahr wünsch ich mir ein Apfelblütendach.
Das neue (! wir haben im Winter die Zimmer getauscht) Kinderzimmer hat eine große Wimpelkette bekommen. Im Puppenhaus gibt es täglich Torte und ich habe am Wochenende das erste Stückchen selbstgemachte Erdbeertorte gegessen. Mhmmm! Ein guter Auftakt für die zweite Staffel Geburtstagsfeste. Der eine Teil unserer Familie hat ja kurz nach Weihnachten Geburtstag, und der zweite Teil fängt jetzt an. Wir feiern durch bis Mitte Juni.
Ostereier
Eine Woche Zuhauseurlaub und Osterfest waren richtig schön. Und wir haben geschlemmert: viele Ostereier, alle von Batti und Mini Blondie bemalt. Frische Brises gefüllter Hefezopf, einen Zucker-Zimt-Zopf, Lemon Curd, viele Schokolämmchen. Hähnchenkeulen, Erbsenpüree (mhm, das muss ich öfter machen, so lecker), Kartoffelgratin, Porree-Ostergras und einen großen Topf Boeuf Bourguignon.
Wir haben in der Küche gemalert, uns ausgeruht, ich habe ein bisschen genäht. Draußen war es kalt und schön, ein bisschen Frühling lag schon in der Luft. Am Dorfrand bei den Schafen sind erste Lämmer geboren. Kleine Fellchen.
Die erste Woche Alltag ist fast abgewickelt. Mit der Zeitumstellung tun wir uns immer eine Weile schwer. Aber Vorwärtsrolle geht leichter als Rückwärts. Ich durchforste RAVELRY nach schönen Anleitungen für Malabrigowollreste. Seit Januar stricke ich mit Schöppelwolle ein Schultertuch, und die ist so fein und dünn, dass ich zwischendrin unbedingt etwas Neues anfangen muss, das mehr in der Hand liegt. Das Glück klappert zwischen den Stricknadeln.
Schon 5! Schon 2! Mein Doppelpack
Ich habe noch gar nicht vom Geburtstag erzählt. Von diesen beiden großen Kindern, die meine sind und denen keine Sekunde lang einfällt, mit dem Wachsen eine Pause zu machen. Zum zweiten Mal Doppelgeburtstag am vorletzten Tag des Jahres. Wir haben sie schon früh über den Flur gehört, die zwei, wie sie noch in den Betten sich gegenseitig bejubelt haben. Wir haben heute Geburtstag.
Es gab Pompoms und ein Piñata, Poundcakes, Schokoplätzchen im Zapfen, eine Geburtstagskrone für Gelbe Wolke und einen Knopf mehr für Mini Blondie, das Haus voll mit Familie und Geschenken, ein Blech Hähnchenkeulen, Lachen und Konfettischreck, Liebesbriefe, hell begeisterte Geburtstagskinder und Durchatmen am Ende. Nur noch Silvester.
Mini Blondie steht die 5 sehr gut. Sie schießt voraus und in die Höhe, immer mit dem Blick zurück, ob die kleine Schwester hinterher kommt. Auf einmal ist sie kein Kleinkind mehr. Gelbe Wolke, so klein und zierlich wie sie ist, erinnert mich immer noch ein ein kleines freches Nagetier, das sich blitzschnell in eine Rakete verwandeln kann. Sie kommt überall rauf und runter und rüber und bringt mir frühmorgens (Spiel-)Brathähnchen ans Bett. Ich will mich das ganze Jahr lang satt daran sehen, wie sie, immer im größten Paar das sie finden kann, durch unseren Tag stiefelt.
Du bist mein Hurra
Wenn der Tag mit dir ein Nadelkissen wäre – steckten an den wenigsten Abenden die Nadeln wieder drin. Eher müsste sie ich sie in Haus und Dorf suchen. Wenn ich dich sehe, wie du gerade erst Schimpfe bekommen, schon den nächsten Schabernack ausheckst, denke ich an Jerry und eine Kanonenkugel mit brutzelnder Zündschnur. Wer weiß, in Malawi hätte man dich ganz bestimmt Trouble genannt.
Aber ich sag es dir, so oft ich kann, damit du und ich es nicht vergessen: Du bist mein Hurra!
Und wenn ich den Tag lang zulasse und über dein Chaos wegsteige – surrt am Abend Ruhe wie ein Magnet alle Nadeln wieder an ihren Platz. Und manchmal! Wenns Glückspilze zum Abendbrot gab, summt die Nähmaschine ein paar Runden. Guten Abend, schön Abend …
Laufzettel zum letzten Tag Oktober
Zehn Monate dieses Jahres sind … erfüllt, gefüllt … gefühlt übervoll … und dennoch – wäre da nicht Platz gewesen … Meine wohlbehütete Ruhe reißt ab und an aus der Hand wie ein Drachen hoch in den Himmelssturm und muss wieder aus dem Baum gepflückt werden.
Und sie malt, sie malt. Stundenlang. Meine feste Konstante ist das. Ruhig sitzt sie im Haus und malt und malt, fünf Schritte von mir entfernt und erzählt dazu Geschichten.
Das ist wieder die Zeit im Jahr wo ich denke, he, jetzt müsste ich aber erstmal noch ein paar Zentimeter wachsen um das zu bewältigen. Es fühlt sich an, als hätte ich bis heute den Laufzettel für Oktober abzugeben. (Psst, noch so viele Lücken.) Also komme ich zurück zum Listenschreiben. Den Strudel aus dem Kopf schreiben. Für den Tag, die Woche, den nächsten Monat. Und an die halte ich mich stur. An manchen Tagen gelingt es, an manchen wird trotzdem nichts fertig. Dann habe ich wohl wieder vergessen, dass dies nicht meine eigentliche Aufgabe ist, Dinge zu erledigen. Lieber mehr lachen. Unbedingt mehr lachen. Im Jetzt sein, Feinslieb.
Mit anderen Worten: In den Oktober gehört mehr von dieser Sandorntorte.
Und weiter Listen schreiben. Auf große Blätter, in Wolken eingekreist. Die bleiben treu, ach über Monate. Wenn ich dann mal auf meine dick geletterte Nähliste 2010 schaue, ist listig zu lustig geworden.
2011 :: 2012
Zeitreise mit meinem (unserem) Dreierpack. Vor einem Jahr sind wir gerade vom Bodensee/Uli zurück gekommen. Batti hatte Elternzeit (Ahhh) und wir sind viel zu Muckla in die alte Stadtwohnung gefahren. Mini Blondie konnte ungestört neben den beiden Kleinen ihr Spielzeug aufbauen, Gelbe Wolke hat sich gerade nur herum gerollt – und am Mucklababy kam sie nicht vorbei.
Ich will nicht sagen, dass das Jahr vorbei geflogen ist, das ist nur die halbe Wahrheit. Es war so gut gefüllt mit Allem, und jetzt ist es auch schön. Die drei sind lustige Spielgefährten geworden und es ist eine helle Freude, ihnen zuzusehen. Herzstücke: Wenn Mini Blondie kleine Gespräche mit ihnen anzettelt.

























































