Herbstklopfen

Gebrauchsanweisung zum Herbstnah

14. August 2007

Den Sommer über ging es so, aber jetzt werden die Fenster geputzt, damit kein Schimmer Goldlicht verloren geht.
Steh jeden Morgen vor Sieben auf, nur um alle Fenster zu öffnen und die Luft einzuatmen, die seine Ankunft unverfroren verrät. Dann legst du dich noch einmal unter die Decke und hörst dem Kind in dir zu.
Du kaufst weißfleischige Pfirsiche und einen Kürbis, dessen Herz du schlagen hörst, wenn er abends auf dem Küchentisch das aufgefangene Leuchten wieder gibt.
Die alten Schachteln entstaubst du, sortierst du, bald werden sie mit Findlingen aufgefüllt sein. In der Abendsonne gehst du langsam durch die Straßen, kaufst Brombeeren. Fegst den Hof ein letztes Mal, bevor er dann alles Laub behalten darf, räumst den Keller frei für das Erntegut, Kartoffeln, Porree, Äpfel, Rüben, Zucchini, Kürbis, Bohnen, etwas Mais. Die Bank bekommt einen wetterfesten Bezug und die Decken holst du über Nacht ins Haus. Lange bevor es dunkel wird, entzündest du Abend für Abend Kerzen in den Fenstern. Von den Blicken der Katzen lässt du dich nicht beirren, sie können dir nicht weis machen, dass sie sich nicht auf ihr Winterfell freuen. Jetzt schreibst du die Briefe, die den Sommer über liegengeblieben sind und beginnst ein Strickstück, das schneller von der Hand gehen wird. Bevor es September wird, bringst du den beiden einen Strauß ans Grab. Astern oder Sonnenblumen. Bis April oder Mai hast du keine Eile mehr.

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