Die Christstollen liegen kühl

Erzgebirgestollen
Erzgebirgestollen

Ich liebe die erzgebirgischen Stollen, die es in meiner Kindheit gab. In meinem Kopf gibt es ein Bild der Stollenkartons, die Oma immer geschickt hat, für jedes Kind eine Schachtel mit Tannengrün und Weihnachtsgeschenken, für Mama eine Schachtel mit dem Stollen. Zu der Zeit hat Oma die Stollen schon bei der Bäckerei gekauft. Als Mama noch Kind war, wurden die Zutaten gesammelt und zum Bäcker gebracht. Zwölf bis sechzehn Stollen kamen zurück, der letzte wurde im neuen Jahr angeschnitten. Opa hatte dann schon immer die Nase voll davon. Ich glaube, er konnte den Frühling nicht erwarten. Heute gehen die Erinnerungen auseinander, ob die Stollen in der kalten Schlafstube oder auf den Küchenschränken gelagert wurden. Aber die Erinnerung an den Geschmack ist gleich geblieben – himmlisch, weihnachtlich, schneeverzaubert! Auf diesen Stollen lasse ich nichts kommen, das sind einfach die Besten und in Mecklenburg (und Brandenburg auch) nicht so zu kriegen. In den letzten Jahren gab es nur selten Gelegenheit, etwas vom Jahnsdorfer Stollen zu ergattern. Oma wohnt nicht mehr dort und wir feiern Weihnachten inzwischen oft bei uns. Seit einigen Jahren backe ich kurz vor Heilig Abend Mohnstollen und Mandelstollen, an den „echten“ habe ich mich nur einmal herangetraut und statt zwei großer viele kleine (trockene) Stollen gebacken.
Aber dieses Jahr! Im Oktober hat meine Freundin Linda gefragt, wer mit ihr Stollen backt. Und dann kam mir Omas alte Zutatenliste in die Hände. Zwei Wochen vor dem ersten Advent haben wir einen Freitag lang die Küche in eine Stollenstube verwandelt. Oh und wie das ganze Haus geduftet hat! Der größte Spaß war, dass ich Omas Zutatenmenge beibehalten habe. Es sollte ja bis nach Neujahr reichen. Zehn Pfund Mehl! Drei Pfund süße Mandeln, drei Pfund Zitronat. Bittere Mandeln habe ich gar nicht bekommen. Das Rezept habe ich noch ein wenig erweitert und dann erst mal überlegt, ob ich überhaupt eine Schüssel habe, die groß genug ist für den Teig. Eine hat gar nicht gereicht! Aus dem Nähzimmer habe ich also die großen Emailleschüsseln, in denen ich gern Stoffstückchen sortiere, geholt. Die Schüsseln sind auch noch von Oma, damals ergab das eine Familienportion Kartoffelsalat.
Wir haben aus der Teigmenge acht Stollen gemacht. In einem Rutsch. Damit der Teig nicht zu lange ruht, habe ich vier auf einmal gebacken. Nach dem Auskühlen in Backpapier gut verpackt und dann noch in Stollenkartons gesteckt. Über die Lagerung habe ich vieles gelesen. Dabei bin ich auch auf den Bäcker Süpke gestoßen. Die meisten buttern und zuckern sofort. Aber ich will die Stollen erst im Dezember anschneiden und mache es diesmal auch so wie Oma, erst kurz vorher mit Butter einpinseln und Puderzucker draufgeben, damit die Butter ganz frisch schmeckt. Jetzt ist es bei uns die nächsten Wochen in der Schlafstube 10-15°, damit es die Stollen kühl genug haben. Ich hoffe, sie schmecken auch ein kleines bisschen so himmlisch wie früher. Ansonsten bekommt Linda ein Problem. Erst am Backtag habe ich erfahren, dass sie die Einzige in ihrer Familie ist, die Stollen mag.

Erzgebirgestollen
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5 Kommentare

  1. uli
    Am 28. November 2012 um 15:18 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Wow, unglaublich, diese Teigmasse. Bin gespannt, ob Du Deine Kindheitserinnerung reproduzieren kannst! Mich lassen die Zitronatmengen erschaudern! ;-) Unser Adventskalender hängt schon. Hab 24 kleine Tunnelzugbeutelchen genäht. Jetzt wird noch Brot gebacken und gestrickt…

  2. Am 28. November 2012 um 21:53 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Toll, toll, toll!
    Hoffentlich schmeckts Euch!
    Ich wünsche Euch eine schöne Adventszeit! ★

  3. Sonja
    Am 29. November 2012 um 09:47 Uhr veröffentlicht | Permalink

    So, jetzt muss ich aber auch mal wieder aus meiner stillen Leseecke raus und kommentieren! Meine Mama war letzte Woche mit den Zutaten beim Bäcker.. und Leukersdorf heißt ja jetzt Jahnsdorf… Ich könnt sie sicher überreden, dir was abzugeben, wenn es bei dir wider Erwarten nicht so schmeckt wie damals, meld dich einfach! Aber jede Familie hat ihr eigenes Rezept, schon klar, gell :-)
    Gelagert wurde bei uns immer im Schlaf- bzw. Gästezimmer auf den unbenutzten Betten. Und gebuttert und gezuckert nur kurz vorm Essen! Und der Duft… Ich mag lustigerweise den Stollen nicht so, da ich kein Freund von Rosinen und Zitronat bin, aber der Duft…
    Noch zum letzten post- ich kenn den Kochfrust soooo gut. Ich bin grad mal wieder beim GU vegetarian basics Kochbuch gelandet, das geht für mich gut, die Familie hebt zwar immer mal wieder die Zähne aber Hauptsache mir schmeckts :-)
    Lass dich mal drücken, liebe Grüsse von Sonja

  4. Bianca
    Am 29. November 2012 um 10:36 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Na, so viel Elan habe ich nicht zum Backen! Plätzchen reichen mir! Aber am Montag bin ich in Weimar und da werde ich den Bäcker Süpke aufsuchen! Danke für den Tipp!
    Eine besinnliche Adventszeit wünsche ich Dir und Deiner Familie
    Bianca

  5. Am 30. November 2012 um 23:03 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Die Stollen sehen super aus. An ein Weihnachten ohne selbstgemachten Stollen in der Familie kann ich mich gar nicht errinnern. Mit 10 Pfund Mehl hattet Ihr Euch echt etwas vorgenommen. Mir reichen schon immer unsere 2-3 kg. Die Bittermandeln organisiere ich mir immer aus Apotheken aus Sachsen, seit die nicht mehr frei im Handel erhältlich sind.
    LG, Ulrike

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    Hier schreibt Mirjam Nietz. Ich lebe mit meinem Mann und drei Kindern auf dem Brandenburger Land - einen Fuß breit in Berlin, ständigem Nordweh im Bauch und einer Hand an der heißen Kaffitasse.
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