Reisekunde

Te koop – Verkocht!

21. Juni 2019

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Holland ~ Brügge ~ Gent ~ Nieuwvliet ~ Zeeland ~ Gouda ~ Castricum ~ Haarlem ~ Alkmaar ~ Het Lorkenbos ~ Hoge Veluwe

Ich will die Namen der Orte nicht vergessen. Irgendwann einmal kehre ich wieder, an diesen Strand, wenn es Abend wird, mit seiner größten Sommersonne, die sich göttlich rotgolden ins Meer schiebt.
Bitterballen bestelle ich nicht, oder vielleicht doch, wegen des verrückten Namens, aber Käsesufflés, drei Stück, und dann sehe ich euch noch einmal Muscheln suchen und in die Wellen rennen und durch den Sand rollen. Die Demse hat sich verzogen, die Menschen auch, die Reitergruppen sind auf dem Heimweg, die Pferde wittern ihren Hafer. Oder was Pferde so zum Abendessen bekommen.
Ich will mit einer dieser Kutschen durch Brügge eilen, ein Tag im September wäre schön, die Hufe traben schallend übers geschichtsträchtige Pflaster – und wir singen was.
In Nieuwvliet schaue ich nach der Windmühle und ob die putzigen Häuser noch so stehen, fahre hin und her über die Grenze – und es fühlt sich nicht an wie eine. So soll es immer bleiben.

Gouda soll mehr als eine Mittagsrast bekommen. Wenigstens eine Nacht will ich hier bleiben, nahe der Sint Janskerk, die so schön ist dass man sie zeichnen möchte. Ich möchte ihre Glocken hören, am Abend, müde, und dann am Morgen, erwacht aus süßem Schlummer. Frühstück spendiere ich euch in der Bibliothek, Fruchteis, wer möchte, und alles mit Goudakäse, ist ja wohl klar. Bis zum Mittag sitzen wir hier und lesen auf der Lesetreppe. Aber springt nicht herum, so verlockend es auch ist, sonst werdet ihr an den Zirkus verkauft.

Ans Meer will ich radeln, die herrlichen Wege durch Wiesen und Wald, kreuz und quer. Und Gelbe Wolke, du setzt dich auf Battis Gepäckträger, weil dein Roller auf dem Ratterasphalt nicht mitmacht. Es wird wohl nicht wieder so windig sein, diesmal können wir die Käsebrote essen, ohne dass uns der ganze Sand zwischen die Zähne weht. Jetzt weiß ich wie getrocknete Seeigel aussehen und lasse dich sammeln, so viele wie du willst. (Aber komisch sehen sie aus, gib es zu.)
Auf dem Rückweg soll es regnen, aber wir finden das Gartenlokal wieder und bis wir die Pommes gefuttert haben, hat sich der Regen verzogen.
Wir sitzen unterm Sternenzelt bis alle, alle Sterne angeknipst sind uns der Reihe nach die Augen zuklappen. Ob wir noch einmal alle zusammen so eine Mondfinsternis zu sehen bekommen?

Überall stehen die Schilder an den Häusern TE KOOP oder VERKOCHT, und jedes, wirklich jedes musst du laut vorlesen, so richtig mit Schwung. Ob das dann immer noch unser Familienspruch sein wird und für uns was völlig anderes übersetzt? Ich glaube, das Gummibärle hat damit angefangen, oder ich? Alles wieder in Ordnung? Alles wieder gut.
Ich habe noch den Albert Hejm Rabattchip am Schlüsselbund, wir können groß einkaufen gehen, all die verrückten, fremden Dinge. Und gratis Kaffee ziehen, einen Becher nach dem anderen und unsere Augen übergehen lassen, weil die Supermärkte in der Ferne immer so viel aufregender sind als Zuhause.

Ob unsere Fendtnachbarn auch wieder da sind, die allerliebsten die wir je hatten, und noch zwei Sonnenschirme dazu in ihren Schirmgarten gesteckt haben? Wenn wir so alt sind, machen wir das genau so wie die Beiden, oder.
Wir werden mit dem Boot durch Alkmaar fahren und an der Glocke anhalten, wo der Eisladen ist. Und wenn wir kräftig genug läuten, kommt eine Bedienung heraus und nimmt Bestellungen entgegen. Ich werde 8 Kugeln nehmen, te koop?
In Haarlem schaue ich nach dem Wolleladen, im September wird er wohl geöffnet haben. Irgendwie sympathisch, dass die kleinen, herzigen Geschäfte in den Ferien schließen und selber in die Sommerfrische fahren. Oder auch zu Hause bleiben, in ihren fröhlichen Kleidern, und mit den Rädern duch die Stadt düsen. Das freundliche Lebensgefühl in den alten, kleinen Städchen ist jedenfalls ansteckend, noch monatelang.

Durch die Hoge Veluwe radel ich noch einmal, kommt ihr mit? Schnief, die Kleinste wird nicht mehr auf den Sitz hinten drauf passen. Beste Fahrradsitzdrinsitzerin überhaupt. So fröhlich! So singend!
Früh morgens jagen wir mit den weißen Rädern los, dass uns paar Tiere über den Weg laufen, Fuchsfamilien oder die Wildschweine. Im Kröller-Müller wandeln wir durch die kühlen Gänge, der Mann mit Hut wird uns empfangen, Van Goghs Farben vibrieren zwischen all den anderen. Und am schönsten ist später das Verdauungsschläfchen auf der Wiese, (doch wieder Bitterballen bestellt) wo ihr euch im Gras kugelt und als Schubkarren fahren lasst.

Das Schneckenhaus ist uns noch nicht zu klein, der holländische Himmel nicht zu groß. Spaghettireste gibt es zum Frühstück, der Kühlschrank ist rappelvoll mit Käse und Pralinen. Der letzte Campingplatz hat einen großen Pool; dass die Kinder den dem Meer vorziehen, habe ich langsam verstanden. Einmal untertauchen noch, ein paar Käsesoufflés gegen das Abschiedsweh. Und noch eine Ehrenrunde, nochmal zurück über die Grenze, ins letzte kleine Dorf, damit die Postkarten in einen holländischen Briefkasten fallen.
Eine Karte habe ich dir auch geschrieben. Na, haste sie noch?

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  1. Bei dir klingt Urlaub machen immer so schön! Und so einfach! Das muss ich mir noch abschauen… ;-)
    (Und wie die Kinder gewachsen sind in einem Jahr!)

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