Alltagsheldenmut

Lieber Tag

22. April 2005

Habe ich ein Nachtleben? Dann war ich in der vergangenen Nacht für Stunden in den blauen Gassen unterwegs, von denen ich als Kind immer träumte, Nacht für Nacht. Aus den Türschlitzen lugten Zeitungen und Dunkelheit. Die Stadt war blau, das Laternenlicht und das Kopfsteinpflaster.
Und ich habe mir alle Zähne ausgebissen.

Tagleben gefällt mir besser. Im Innenhof ist die Sonne umzingelt und gibt nach, ein Schatten flattert. Irgendsoein Strauch hat sich umgezogen und stolzt im rosa Kleidchen. Ich glaube, es gibt hier keine Kinder. Dafür in fast jeder Wohnung Hundestinkebeine. Der Himmel färbt sich an der Tuschkastenpalette entlang.
Die beiden aus Italien brachten mir Cafe Forte mit, und einen italienischen Espressokocher und sechsmal Moccageschirr. Wer will kommen? Auf dem Balkon haben nur drei Platz, aber wir könnten uns abwechseln.
Kater und Katze sind schon den dritten Tag fort, ich vermisse ihr maunzen, gurren und schnurren. Der Schwarze hat bei jeder Landung geklagt, zu dumm aber auch, dass er immer noch nicht fliegen kann. Sie müssen beide sehr gute Ohren haben, kaum hatten wir uns einmal in den Betten gedreht, schnüffelten und kratzen sie schon an der Tür nach Aufmerksamkeit. Nicht nach Futter, verfressen waren sie wirklich nicht. Neugierig wohl. Mehr als alle klein-frechen Jungen, die ich je getroffen habe. Mond hätte sie gemocht.

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