Kästner zum Neujahr

schnapp ab

Der Januar
Erich Kästner

Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Der Weihnachtsmann ging heim in seinen Wald.
Doch riecht es noch nach Krapfen auf der Stiege.
Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Man steht am Fenster und wird langsam alt.

Die Amseln frieren. Und die Krähen darben.
Und auch der Mensch hat seine liebe Not.
Die leeren Felder sehnen sich nach Garben.
Die Welt ist schwarz und weiß und ohne Farben.
Und wär so gerne gelb und blau und rot.

Umringt von Kindern wie der Rattenfänger,
tanzt auf dem Eise stolz der Januar.
Der Bussard zieht die Kreise eng und enger.
Es heißt, die Tage würden wieder länger.
Man merkt es nicht. Und es ist trotzdem wahr.

Die Wolken bringen Schnee aus fremden Ländern.
Und niemand hält sie auf und fordert Zoll.
Silvester hörte man’s auf allen Sendern,
daß sich auch unterm Himmel manches ändern
und, außer uns, viel besser werden soll.

Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Und ist doch hunderttausend Jahre alt.
Es träumt von Frieden. Oder träumt’s vom Krieg?
Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Und stirbt in einem Jahr. Und das ist bald.

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This entry was filed under: Kroppzeug
 

4 Kommentare

  1. frollein anna
    Am 2. Januar 2011 um 20:46 Uhr veröffentlicht | Permalink

    hihi, sitzt da die kleine lotta auf dem schrank oben? herrliches bild und schööönes gedicht!

  2. Am 4. Januar 2011 um 13:40 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Dein Gedicht wurde gestern beim Strickabend vorgelesen :) Und jetzt rate vom wem! :)

  3. Am 4. Januar 2011 um 20:10 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich weiß es, ich weiß es!

  4. Grobilinchen
    Am 5. Januar 2011 um 10:18 Uhr veröffentlicht | Permalink

    ich auch ;) Auch, wenn ich vergessen wurde :(

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    Hier schreibt Mirjam Nietz. Ich lebe mit meinem Mann und drei Kindern auf dem Brandenburger Land - einen Fuß breit in Berlin, ständigem Nordweh im Bauch und einer Hand an der heißen Kaffitasse.
    Schön dass du dir Zeit nimmst!