Türchen aufmachen

DSC_7173

Über den Tag verteilt haben wir heute das fünfte Türchen aufgemacht. Zuerst meinen mit der Schokolade. Mhm, viele Jahre Kindheitsglück im Nachgeschmack. Mini Blondie hat dieses Jahr einen Playmoadventskalender; sie spielt gerade so gern damit, ich konnte nicht widerstehen. Am Frühstückstisch darf Mini Blondie ein Türchen aus dem selbstgebastelten von Frau Lehmann ziehen. Da drin verbergen sich schöne Gedichte oder Texte. Mini Blondie setzt jedes Mal ein Vorlesergesicht auf und „liest“ dann ihre Version davon vor.
Wenn es einen ungestörten Moment im Tag gibt, blättere ich zum nächsten Tag vom ANDEREN Adventskalender, den uns eine Freundin geschickt hat. Der Text über Freunde war heute drin. Und ich kenne Albrecht Gralle – das war eine doppelte Überraschung. Mit einem Mal saß ich wieder mit meinem Brüderchen und ihm im Auto, auf dem Heimweg von der Autorenwerkstatt mit Adrian Plass. (War das so? Und so lange her? Fast wie aus einem früheren Leben.)
Und dann haben wir noch mehr Adventskalender geschenkt bekommen, mit Bildern, und Mini Blondie freut sich über jedes – und dass sie die Zahlen selbst findet. DANKE! Ich hoffe, ihr habt auch jeden Tag ein Türchen zum Aufmachen. Mit etwas Schönem dahinter, etwas, das dem Dezember die Hetze nimmt und Frieden ins Zimmer weht.

Echte Freunde
von ALBRECHT GRALLE

Freunden kann auch mal der Kragen platzen, wenn sie mit dir reden, aber nur weil ihr Herz für dich bis zum Halse schlägt. Freunde stört es nicht, bei dir fernzusehen, auch wenn du schon längst ins Bett gegangen bist.
Freunde kämpfen für dich nächtelang im Gebet und sagen dir: „Ich habe neulich an dich gedacht!“ Freunde möchten deine Welt kennen lernen und entdecken immer neue Erdteile.
Freunde erleben dich mit verklebten Augen, ungewaschenen Haaren und sehen dahinter deine Einzigartigkeit und Schönheit. Freunde können es sich leisten, bei einem Witz, den du erzählst, nach der Pointe zu fragen. Bei Freunden kannst du nachts um halb drei klingeln und sie fragen dich: „Kaffee oder Tee?“ Freunde reden manchmal blödes Zeug, weil sie wissen, dass du keine Goldwaage im Keller hast. Freunde kennen sich nicht in deiner Brieftasche aus, dafür aber in deinem Kühlschrank.
Freunde geben dir im Winter ihr letztes Hemd und behaupten, sie wollten sich sowieso gerade sonnen.
Freunde machen es so ähnlich wie Gott: Sie mögen dich so wie du bist, trauen dir aber zu, dass du dich verändern kannst.

Flattr this!

This entry was filed under: Advent
 

Ein Kommentar

  1. Am 6. Dezember 2011 um 14:18 Uhr veröffentlicht | Permalink

    oh, wow. Ja, so muss es mit echten Freunden wohl sein. Und wahrscheinlich weiß man das auch alles – und doch ist es schön, einmal zu lesen (und dabei eine Gänsehaut zu bekommen). Danke fürs Teilen.

Einen Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder weitergegeben.

Sie können diese HTML-Tags und -Attribute verwenden <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

  • Willkommen!

    DSC_7835

    Hier schreibt Mirjam Nietz. Ich lebe mit meinem Mann und drei Kindern auf dem Brandenburger Land - einen Fuß breit in Berlin, ständigem Nordweh im Bauch und einer Hand an der heißen Kaffitasse.
    Schön dass du dir Zeit nimmst!