Kampf gegen Augustmühlen

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Über Augustens Mitte weit hinaus. Ich mag diesen Monat so gern, weil es auch ein schöner Jungenname ist. Und Jahr für Jahr bin ich in keinem Monat zwiegespaltener; August erfüllt mich mit Unruhe. Die Spannung auf der Erdoberfläche macht das mit mir. Der Sommer walzt sich aus, bis kurz vors Zerreissen, gibt alles, was er noch hat. Geduldig rötende Tomaten, kürzere und intensivere Sonnenstunden, heftigeren Regen, Wind mit Nachdruck. Uns ist nach Festen in Tanzschuhen und bis in die Nacht. Alles um mich herum schreit, tonlos: Leben! Leben!
Ich benutze Kalender aus Papier, an der Wand und in meiner Tasche. Manche Jahre habe ich es geschafft, drei oder vier Kalender schriftlich zu führen. Ich bleibe immer a paper person. Etwas Entscheidendes passiert, in dem Moment, wenn der Stift aufs Papier trifft, die Buchstaben ihre Zeit brauchen um geformt zu werden und am Ende ergibt es einen Sinn. Ich sehe wieder klar. Der See liegt glatt und still.
Wenn August im Kalender steht, kommt die Unruhe und bleibt bis zum Umblättern. Es muss in mein Gewohnheitsmuster eingestrickt sein, was ich bis jetzt noch nicht auf die Reihe bekommen habe, das schaffe ich in diesem Jahr nicht mehr. Das bleibt liegen, Termin überzogen. Und ich schleppe nicht gern Ballast rüber in ein neues Jahr. Ich will es aufgeräumt hinter mir lassen. Oder gleich gar nicht so einen riesigen mess machen.
Batti sagt, pass auf dein W I P Limit auf. Work in Progress. Life in Progress. Progress in Life. Live or work or what?
Dass es ein Limit für den Stapel „In Arbeit“ geben soll, dem Gedanken habe ich mich vielleicht zu lange entzogen. Dann mache ich eben einen zweiten Stapel. Aber irgendwann kommt das FREAK OUT. Dann das Nächste. Und dann: Stillstand. Nichts geht mehr. Was mir eigentlich so großen Spaß macht, ödet mich nur noch an.
Dieses Mal habe ich mir Auflagen verpasst. Vor ein paar Wochen schon. Ich habe alle angefangenen Projekte aufgelistet, alle weiteren, die mir täglich durch den Kopf schießen, weil ich sie unbedingt machen will, und alle Ideen für meinen Online Shop, die vorerst einfach nicht ins Zeitfenster passen.
1. Ich darf nur noch an einem Nähprojekt zur Zeit weitermachen und erst wenn das abgeschlossen und fertig ist, darf ich am nächsten weitermachen. Und erst wenn das wieder fertig ist, darf ich die nächste Sache weitermachen. So weiter, bis zum Ende! Schummeln nicht erlaubt.
2. Erst wenn alle angefangenen Projekte fertig sind, darf ich mit Sachen auf der „Warteliste“ starten.
3. Hmm, Ausnahmen sollten nicht zu oft vorkommen. Last Minute Geburtstagsgeschenke nähen – nur im Notfall. Der Wal, der für den gerade geborenen kleinen Jona das perfekte Geschenk zur Geburt wäre – muss ich mir verkneifen. Und auf die Liste setzen. Vielleicht bin ich bis Weihnachten zu seinem 1. Geburtstag ja am Listenende angekommen.
4. Stricken zählt nicht mit hinein, stricken ist was Anderes.

Zum ersten Mal seit langer, langer Zeit habe ich nicht mehr das Gefühl, jeden Moment unter der (selbst auferlegten, keine Frage) Last einzuknicken. Jetzt ist es nur noch eine Sache, die In Arbeit ist. Ich habe das Gefühl, ich bin mir selbst entkommen. Mal sehen, wie lange es dauert, bis ich mir wieder in die Falle tappe. Aber ich werde an diesen Punkt zurückommen und abstreichen, was fertig ist. I have high hopes. Irgendwann muss man doch mal aus seiner Haut kommen.

WORK IN PROGRESS
:: Js. Pyjama
:: Mamas Quilt
:: Paper Bag kleid
:: graues Hemd
:: Regenwolke
:: Erdbeertäschchen
:: Saufee
:: ausgestopfte Buchstaben
:: Ls. Tea Party Dress
:: 2 Stubengardinen
:: Hemdstreifenquilt
:: Rock für Mini Blondie

WAITING IN A GRACEFUL LINE
:: Quilt für Mini Blondies Bett (Aneela Hoey fabrics)
:: Kirschkernkissen Mama
:: Origami Market Bag
:: Baumwollbatistkleid mit Wimpeldruck
:: Cotton Rope Bowl
:: Tildarosenvorrat
:: Wolken für die KiZiWand
:: Leggings (Mini Blondie, Gelbe Wolke)
:: Strandtasche (a hughe one)
:: LogCabin Sitzkissen Lehnstuhl
:: Vorhang Höhle KiZi
:: Table House
:: Wal & Narrwal

So! To be continued – and then – the end (of my scattered mind). Aufgeschrieben sieht es viel weniger aus, als wenn es im Kopf Karussel fährt.

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Mich erwischt Wehmut, während sich im August das Licht verändert. Die Abendsonne macht Budenzauber an unserer Küchenwand. Gegen Neune wird es dunkel. Spätsommer. Bald Frühherbst. Dazwischen scheinen ein paar Tage zu fehlen, in jedem Kalender. Nach dem August kommt der Sturzflug. Bruchlandung.
Mit dem ersten Septembertag ist alles wieder gut. Meine Gelassenheit taucht vom Grund wieder auf und mit ihr große Herbstwonne und mein langer Atem. Es lohnt wieder, eine Kanne voll Tee zu kochen. Ich weiß, dass ich mit Sicherheit eine Jacke brauche und sammle Kastanien in ihren Taschen.

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3 Kommentare

  1. Am 27. August 2013 um 18:51 Uhr veröffentlicht | Permalink

    von heRzen gutes abaRbeiten. besondeRs, weil das gefühl miR so bekannt und die kaRusselfahRten langundlängeR. neu soRtieRen eine gute idee. nach jahReszeiten vielleicht.
    koole gRüße füR die gelassenheit!

  2. uli
    Am 28. August 2013 um 15:02 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich kenne das schöne Gefühl, wenn man sich mal wieder einen Überblick verschafft hat. Da fühlt man sich weniger überfordert von den eigenen Plänen. Mich hat grad wieder die Stricklust gepackt, Mittens, Socken, Tücher … Es wird wieder täglich gestrickt (und Good Wife geguckt).

  3. Am 1. September 2013 um 20:48 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Klingt überaus vielversprechend deine Warteliste :) Bin schon gespannt auf das Tablehouse!