Holz und Gespenster

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Neulich hatte ich einen schönen, einen seltenen Ausblick aus dem Küchenfenster. Batti hat Holz gemacht. Im Sommernieselregen. Mit Spalthammer und Eisenkeilen, die beim Getroffen werden gespenstisch tönten und von unglaublichen Geschichten wussten. Unser Holzvorrat war eigentlich schon nach dem vorletzten Winter aufgebraucht. Im letzten Winter war der Ofen nicht viel an, und wenn Feuermeister Onkel Basti ein bisschen zündeln wollte, musste er schon tief im Holzverschlag kramen, um noch etwas passendes zu finden. Einzig ein Haufen Wurzelwerk und unhackbare Kloben lagen da noch herum.
Zum Geburtstag hat Batti das Buch Der Mann und das Holz bekommen, eine norwegische Liebeserklärung ans Holzmachen. Wunderbar geschrieben, sowas kann nur ein Norweger aufs Papier bringen, ich will sofort wieder hin. (Hört ihr mich seufzen? Wegen der jahrzehntelangen Septembersperre und überhaupt.)
Jetzt suchen wir Birkenholz. Für den nächsten Winter. Die Norweger bekommen ihre Lieferung im Mai, wir sind zu spät dran. Ob wir nochmal so einen Winter bekommen wie 2009, 2010?
Auf der letzten Seite im Holzbuch steht ein Gedicht von Hans Børli („Der Duft von frischem Birkenholz“) das mir einen dicken Kloß im Hals zurücklässt.
Und ich denke an die kleine Holzmachstelle aus meiner Kindheit, beim Haselkletterbaum. Ela und ich haben da viel Holz gehackt. Ich kann mich nicht mehr an die Axt erinnern, auch nicht woher das Holz kam. Aber das Gefühl, wenn die Axt perfekt ins Holzstück trifft und in zwei Teile auseinander springt. Und das Geräusch!

Jetzt muss ich erstmal mit dem Sommer klarkommen, der mich jeden Tag ab Elf außer Gefecht setzt und erst abends um Sieben wieder in Bewegung bringt. (Die Wetteraussichten in der Hardangervidda versprechen schmeichelhafte 15 bis 17 Grad. Hach.) Vielleicht hilft heute Blaubeeren pflücken gehen. Und ganz laut A Sky full of Stars. The man with the most touching voice hat ein neues Album raus und ich bekomms nicht mit, come on!

PS: Die geschmiedete Schere! Ist die nicht ein Augenschmaus? Habe ich bei einer kleiner Berlinflucht neulich im Victoria met Albert geschnappt.

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3 Kommentare

  1. silentio
    Am 18. Juli 2014 um 11:11 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Meine Lieblingsstelle bis jetzt im Buch über Fäll-Äxte (sinngemäß): Trotz des maschinellen Forstschritts will man manchmal lieber die Axt als die Motorsäge nehmen. Z.B. wenn man einen Baum fällt, der einen ans Herzgewachsen ist – oder das verhaßte Ding des Nachbarn…

    ;)

  2. Sonja
    Am 25. Juli 2014 um 09:44 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Hab das Buch sogleich für meinen Papa bestellt :-)
    Les immer noch sehr gern bei dir! Liebe Grüße

  3. Kaffiknopf
    Am 28. Juli 2014 um 09:18 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ach ja, das kann ich mir vorstellen, dass das ein Buch für ihn ist. Auch liebste Grüße!!

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    Hier schreibt Mirjam Nietz. Ich lebe mit meinem Mann und drei Kindern auf dem Brandenburger Land - einen Fuß breit in Berlin, ständigem Nordweh im Bauch und einer Hand an der heißen Kaffitasse.
    Schön dass du dir Zeit nimmst!