Das Märchen vom Jahreszeitenkind

Ein Mädchen ging durch den Tannenwald und es schneite sehr. Sie hatte ein Körbchen dabei mit einem Messer drin, aber es war nicht Herbst und es wuchsen keine Pilze. Sie hatte einen Blumenkranz auf den schwarzen Locken aber es war nicht Frühling. Unter dem Fellmantel trug sie ein Kleid aus hellem Leinenstoff aber es war nicht Sommer. Das Mädchen pfiff eine wunderschöne Melodie und die Schneeflocken tanzten dazu. Tief im Wald kam sie zu einer Lichtung. In der Mitte stand ein Baumstumpf, ordentlich blank poliert, und darauf dampfte eine silberne Kanne mit heißem Kaffee. Es waren vier Tellerchen gedeckt, vier Tässchen und vier Messerchen. Das kleine Mädchen schaute sich verwundert um. Nanu, nanu.
Da entdeckte sie den großen Schwarzbären, der vor ihr stand und sich tief verbeugte. Ein Hase kam eilig dazu und legte dem Mädchen ein goldenes Kissen hin. Ein Fuchs kam und schenkte Kaffee ein.
Das Mädchen setzte sich. Da kamen fünf Rotkehlchen geflogen, jedes mit einem Körnchen Zucker im Schnabel, die ließen sie in des Mädchens Tasse fallen. Ein Igelmütterchen brachte Sahne und einen Nusskuchen, den sie kaum tragen konnte. Das Mädchen aß und trank und mit ihr Hase, Fuchs und Igelin. Der große schwarze Bär fegte den Schnee um sie herum, ohne eine Pause. Wusch, wusch, wusch.
Als das Mädchen satt war, rollte es sich in den Armen des Schwarzbären zusammen und schlief bis zum nächsten Morgen. Es küsste und herzte die Vier zum Abschied. Der Schwarzbär flüsterte dem Mädchen ins Ohr, der Hase strich ihm die Haare glatt, der Fuchs klopfte den Schnee aus dem Korb und das Igelmütterchen legte ein großes Stück Nusskuchen hinein.
Tausend Dank, bis zum nächsten Jahr, sagte das Mädchen, warf einen Schneeball in die Luft und war verschwunden.

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Ein Kommentar

  1. Muckla
    Am 17. April 2017 um 11:14 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Genau die richtige Geschichte für den Frühlingsbeginn ;)
    Freue mich schon auf die Bilder dazu!
    Mini Blondie malt doch bestimmt welche?

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    Hier schreibt Mirjam Nietz. Ich lebe mit meinem Mann und drei Kindern auf dem Brandenburger Land - einen Fuß breit in Berlin, ständigem Nordweh im Bauch und einer Hand an der heißen Kaffitasse.
    Schön dass du dir Zeit nimmst!