Herbstgold, Ferientaumel, Oestergaard

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1. November
Alle guten Dinge sind Drei. Drei Bettchen, aufgereiht wie bei Schneewittchens Zwergen standen in Kutscherhausens Kinderzimmer. Wir waren das dritte Mal in Oestergaard. Wieder in den Herbstferien. Letztes Jahr habe ich nie geschafft, darüber zu schreiben. Die Bilder halb bearbeitet. Heute sind wir vom Gutshof gefahren. Am Tag mit der Geschenkten Stunde. Die Mädchen haben den Pferdeduft im Haar. Wir sind noch gar nicht ganz zu Hause, diesmal schreibe ich sofort auf.
Ich hab Sterne in den Ohren mitgenommen und durchs Auto krümeln Muscheln. Wie heißen die eigentlich, die blauen, hartwangigen, die innen mit Perlmut ausgekleidet sind und von denen jede für sich ein Bild vom Meer zeigt?

Letzten Herbst waren wir spät dran und dann war gerade noch die Wassermühle für uns frei. Da haben wir zwar nicht direkt auf dem Gutshof gewohnt, sondern einmal über dein kleinen See. Aber wann hat man schonmal in einer echten Mühle gewohnt?! Wir hatten meine kleine Schwester mit kleiner Familie dabei und sind nur mit Hindernissen überhaupt erst nach Oestergaard gekommen. Ein Auffahrunfall auf der Autobahn, Abschleppdienst und Mietwagen standen uns im Weg. Und dann ein spuckendes Baby und Zimperlein bei den großen Kindern. Aber das alles macht nichts, wenn wir dort sind. Bei den drei weißen Windrädern, den abgearbeiteten Äckern, der Gewissheit: da hinten dann Meer.
Wir haben nicht viel gemacht, das Gummibärle und ihr zwei Tage jüngerer Cousin waren ja so klein und die Nächte so wach. Filou der Kater, den Mini Blondie beim ersten Mal so ins Herz geschlossen hatte, wartete oben in unserem Bett, als wüsste er Bescheid.

Dieses Jahr war er nicht mehr da. Aber Minka, in frischen weißen Söckchen. Und die Ponies, von denen Mona nicht mehr spannend war; eine Nummer größer bitte. Ghetty und Rese, auch mal auf Vanilla, vorsichtig, sie ist bald Pferdemama.
Wir haben wieder in einem anderen Haus gewohnt; mit meinen beiden Schwestern samt Kind und Kegel im Kutscherhaus 1 und 2. So richtig mittendrin zwischen Kleintierstall und Spielplatz. Wenn die Kleinsten ausgebüxt sind, war das nicht wirklich schlimm. Wenn man auf Socken rüber in die andere Wohnung gelaufen ist auch nicht. Im Nachtzeug sowieso.
Ich war zwar gut die halbe Woche krank, aber auch das ist nicht so schlimm, wenn ich in Oestergaard sein kann. Ein heißer Ingwertee nach dem anderen, in der Nacht die Sterne durchs Dachfenster zählen, ausschlafen bis es hell wird, liegenbleiben.
Ich liebe die Gegend mit ihren dänischen Zügen, der Grenze so nah. Gefurchte Felder, Gehöfte wie von besseren Landschaftsmalern dazwischen gesetzt. In jedes zweite Gutshaus würde ich sofort einziehen. Oh please.

Kleine Rituale fluten Glück. Wer holt die Brötchentüte morgens aus der Truhe. Die großen Kinder fahren ins Schwimmbad, und sogar ins Kino. Wir sitzen im Café Kranz (wieder freuen sich die Gastgeber nicht gerade über so viel Kundschaft auf einmal, tja) und kriegen nicht genug von den spektakulären Fischbrötchen in Maasholm. Eins noch, und eins noch für den Weg …
Wir kommen wieder im Dunkeln an und am ersten Morgen laufe ich mit meiner Kaffitasse begrüßungsstürmisch den Hof ab. In den Pferdestall, Guten Morgen! Zu den kleinen, dicken Schweinchen, ein Blick hoch zu den Fenstern ins Herrenhaus, in die blaue Wohnung. Vor zwei Jahren wohnten wir dort, ich weiß es noch so gut. Unverhofft brachte uns dieser Urlaub so viel Segen und Ausgleich für die hohen Wogen an Veränderung. Und dänisches Softeis auch.

Diesmal nicht nach Dänemark. Aber ein Bummel nur mit Juju durch Flensburg – und dänisches Radio. There she goes … (The La’s)
Aber Hallo!, die Auswahl an Dropsgarn im Geschäft Wollsucht!! Ich wollte mich nur noch im Kreis drehen bis mir schwindelig wird. Ich habe mir zum ersten Mal zwei Stränge Wollmeise unter den Nagel gerissen und für den Gilmore Girls Mystery Knit Along das nötige Garn – was es wird, weiß ich ja noch nicht. Schätze mal ein Shawl, mit dem man sich in Stars Hollow sehen lassen könnte.
Kaffi for the Road in der Kaffeerösterei Frieda, der schmeckt sehr lecker aus den hübschen Bechern und hat außerdem auch die Moccamaster Maschinen im Angebot, mit denen ich schon ein paar Jahre liebäugele …

Ein spätnachmittaglicher Spaziergang durch Kappeln. Ich mag den Moment wenn die Geschäfte gerade schließen, die Straße leerer wird und so richtig das Ende der Saison in der Luft liegt. Alles ist kurz vor dem großen Aufatmen. Und ein wunderbarer Buchladen hat noch offen und ich muss ein paar schöne Dinge mitnehmen. (Dieses Jahr wünschen sich die Mädchen seit langem mal wieder einen von mir gefüllten Adventskalender.)

In der Früh mit heißem Kaffi am Fenster und warten, wie schwarz sagt jetzt bin ich blau und dann wird es hell, Streifen für Streifen.

 

16. November
Inzwischen sind wir doch wieder so ganz und gar zu Hause. Der Laternenumzug liegt hinter uns – mit St. Martin und Reitern und Gans, Soldaten und Hörnchen, Feuer und dem Abendlied. Das Dorf hat nicht laut mitgesungen diesmal. Nebelig war es, der Mond ging ins Rund.

Die Herbstferien scheinen schon wieder weit weg. Das bunte Laub ist gefallen. Der erste lange Frost war da, dornig und rosa. Ich liebe die Kälte. Der Winter macht sich bereit. Die Krippenspielproben haben begonnen. Mini Blondie spielt dieses Jahr in drei verschiedenen Plays mit. Das wäre lustig, wenn sie die Texte in der Aufregung durcheinander bringt. (Aber das wird sie schon nicht.)

Bald kommt der Advent. Ach. Der November könnte gut und gerne 40 Tage haben. Wäre das nicht viel besser, um december ready zu sein. Noch habe ich Lange-Listen-Pläne was ich alles schaffen kann an selfmade, homebaked, handstiched Goods. Wenn da nicht das leise Gewissen pochen würde: Viel zu spät angefangen. Wir werden sehen.

In Oestergaard haben wir am großen Feuer gesessen und Kartoffeln in Alufolie in der Glut gebacken. Viel Butter und Salz dazu. Der Geschmack der Kindheit. Oktober-Erntefeuer bei den Großeltern auf dem Acker. Juju und Ela haben Christmas Ornaments angefangen. Ich möchte auch gern noch ein, zwei dies Jahr machen. Es macht so viel Spaß mit Filz und Stickgarn in den Händen.

Die sechs Kinder hatten ihr eigenes Tun. Meine beiden großen wollten ein paar Mal beim Ausritt mit. Mini Blondie ist glücklich wie ein Honigkuchenpferd einmal mit Petra alleine ausgeritten. Ich hatte ihnen vor der Reise Reithosen gekauft. Ratet mal wer von Beiden seine Reithose die ganze Woche von früh bis spät getragen hat. Die zwei Kleinsten haben sich die Stühlchen rauf und runter und jeden Leckerbissen (ab)gejagt. Und wusstet ihr, dass wir einen dreijährigen Rockstar in der Familie haben? Mein Neffe gibt täglich zwei Konzerte. He’s got the moves! Er befestigt sein Mikro in professioneller Halterung (eine Taschentuchbox), stellt sich vor den ausgeschalteten Fernseher, damit er sich darin spiegeln kann, Gitarre in Position und dann rockt er los. Mehrere Lieder lang. So niedlich! Ich bin gespannt wie sich die Bande versteht, wenn sie alle ein bisschen älter sind.

Wir haben noch eine Nacht verlängert, weil sich diesmal der Reformationstag an die Ferien gleich anschloß. Jippi. Alle anderen Herbstgäste waren schon abgereist und wir haben uns einen herrlichen letzten Tag gemacht. Batti ist mit den Großen in die Bonbonkocherei in Eckernförde gefahren. Die Mädchen haben mir Geburtstagsgeschenke in Sveas Hus ausgesucht. Hach. In aller Ruhe haben wir unsere Siebensachen eingepackt. Ich habe einen Geheimbrief versteckt. Wer weiß, wer ihn findet. Haben nochmal in alle anderen, jetzt leeren Unterkünfte gelinst. Ich habe Juju die blaue Wohnung gezeigt, die mich vor zwei Jahren so verzaubert hat. Und dann blieb nichts mehr übrig, wir mussten in die Autos und abfahren vom Hof. Noch kurz runter zum Meer. Anfangs hat Gelbe Wolke hier einen kleinen, lila Seestern gefunden. Er hat noch gelebt, also zurück ins Meer. Schnell war die Woche vergangen. Ach ich wär auch bis Ende Februar geblieben. Die Kinder im Stall, ich am Schreiben, und was würde Batti gerne machen?
Auf dem Sofa lässt sich gut träumen, nech.

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4 Kommentare

  1. F
    Am 17. November 2016 um 11:01 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Oh wie wunderwunderschön!

    Ich weiß genau, wo Ihr wart und was Ihr da gemacht habt, wie toll!

    Und Oestergaard sieht im Herbst auch sehr schön aus.

  2. Kaffiknopf
    Am 17. November 2016 um 11:13 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Und das alles, wieder, dank dir! <3 <3 <3

  3. Muckla
    Am 23. November 2016 um 18:53 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Danke für die schönen Erinnerungen! Unser Strickerei Abend war *the best* :)

  4. Lydia
    Am 27. November 2016 um 09:28 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Beim Lesen wurde mir ganz warm ums Herz. Sooo wunderschön!!!
    Liebe Grüße aus dem hohen Norden,
    Lydia

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    Hier schreibt Mirjam Nietz. Ich lebe mit meinem Mann und drei Kindern auf dem Brandenburger Land - einen Fuß breit in Berlin, ständigem Nordweh im Bauch und einer Hand an der heißen Kaffitasse.
    Schön dass du dir Zeit nimmst!