Im Gutshaus rennen :: Familientreffen ohne Meer

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Wir sind Vierzehn Viele. Eine (logistische) Herausforderung. Spaziergänger. Immer genügend Hände. Bei einer Hälfte Kaffeedurst. Gepäckberge. Ein lauter Spaß.
Letztes Jahr haben wir unsere Tradition unterbrochen, es gab Babies und keinen gemeinsamen Großurlaub. Wir haben unsere Reiselust und uns aufgeteilt und lange vorher für Ostern 2016 eine Woche zusammen im Gutshaus Lexow gebucht.
So ein schönes Haus! Und sonst nichts, nur schönes meckelbörgsches Dorf. Eine Schaukel im Baum, eine Sandkiste die ihren Namen auch verdient, ein Trampolin und richtig viel Platz. Horizont rundum, alte Birnbäume hinterm Haus, ein Baumhaus, das aussieht als hätte es Mama Muh gebaut. Jeden Abend leuchtet die Sonne zum Abschied genau da hinein.
Ich fühle mich sofort wohl. Küche und Wohnzimmer in einem, fast ein kleiner Saal. Mein bald dreijähriger Neffe rennt von einem Ende zum anderen. Halloooo! Halloooo! Und um die Ecken, den winkeligen Flur lang. Ganz hinten ist das gemeinsame Kinderschlafzimmer. Bauernbett mit Himmelblick. Die ersten Nächte sind noch kalt. Die Holzheizung wummert. Hier gibt es noch einen Heizer, der alle Weile lang nach dem Feuer gucken muss. Wir frühstücken wie es uns gefällt. Frische Brötchen bekommen wir um Acht in die Wohnung. Da sind die Babies schon zwei Stunden über die Dielen gekrabbelt. Haben wir denn genug Eier? (Wir haben 70 Stück!)

Das erste Mal in diesem Jahr draußen in der Sonne sitzen. Wir machen uns Biedermeierkaffee – sehr lecker. (Espresso, Eierlikör, Sahne) Omama bekommt ne Schultüte für den neuen Start. Die Schwestern-Cousinen sind bei Wind und Wetter auf dem Trampolin, aber eigentlich in ihrer eigenen Welt. Sie wollen unbeobachtet sein und nur ausgesuchte Kleinigkeiten erzählen. Abends gibt es Taschenlampenlügengeschichten. (So wie bei uns damals. Mondfangen.) Mini Blondie denkt sich Geschichten von Lisa und Martha aus. Zwillinge.

Mittags 14 am Tisch. Wir kochen in großen Töpfen. Kleine Meltdowns. Alle sind wild auf den guten Käse. Zeitumstellung. Früh schlafen gehen. Mein ganz kleiner Neffe zieht die Polsternägel aus dem Sessel. Bricht beherzt den Spulenhalter meiner Nähmaschine ab. (Ich habe Klebestreifen dabei. In Ferienwohnungen brauchen wir den immer.) Das Osterfeuer brennt im Gutshausgarten. Und große Schwedenfeuer. Die Mädchen bekommen Stockbrot. Mein Gummibär klettet sich Oma auf Schritt und Tritt in die Arme, oder ans Bein: „Aaaaama! Aaaaama!“

Ich mag die große Waldrunde. Im Café unten im Gutshaus duftet es köstlich. Ich mache die Tür einen Spalt auf, täglich, und linse zum Tisch, auf dem der Tageskuchen steht. Nach ein bisschen Hin und Her hat jeder seinen Rhythmus, seinen Rückzugsort gefunden. Meine Nähmaschine darf auf dem langen Tisch stehen bleiben. Sie lassen mich tatsächlich nähen wie eine Irre. Gelbe Wolke muss immer mal zur Anprobe antanzen und für die Püppchen friemeln Muckla und ich Kleidchen.

Äpfel, Gurken, Milch und Kaffi gehen uns aus. Die Osterei-Suche gerät irgendwie ins Nebensächliche. Vielleicht geht Ostern doch nur Zuhause, so als Ostern. Egal. Ich esse nicht ein gekochtes Ei. Vergessen. Und backe seit Jahren mal keinen Osterzopf. Geht auch.

Das Meer fehlt mir. Das hatten wir sonst immer dabei. September 2012 * August 2013 * Juni 2014 * Ich frag mich wielange wir das noch machen. Wir Viele. Die Kinder lieben es, tagelang alle zusammen zu sein. Das Wohnung leer machen, hinterher, fühlt sich falsch an.

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3 Kommentare

  1. Uli
    Am 14. April 2016 um 22:29 Uhr veröffentlicht | Permalink

    So ein schöner Eintrag. Danke fürs Teilhaben lassen an Euren Abenteuern … sieht schön aus in Lexow! Ich hab für Dich hartgekochte Eier mitgegessen, massenweise.

  2. Muckla
    Am 17. April 2016 um 11:10 Uhr veröffentlicht | Permalink

    So, jetzt sind alle Großurlaube nachgelesen. Und wie schön, dass dein Text zu den Fotos jedes Jahr etwas länger geworden ist. Obwohl – über die 8 Tage Lexow hätte ich gerne auch noch mehr geschmökert. In Erinnerungen schwelgen geht so gut, wenn man dabei deine Zeilen liest. Beste Auslese :) Und am liebsten würde ich jetzt gleich wieder für ein paar Tage einziehen im Gutshaus. Und diesmal dann wirklich jeden Tag im Kaffee einen Kaffee trinken!

    Ob ich die zwei Male Born auch noch finde in deinem Archiv…

  3. Am 22. April 2016 um 21:10 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Wow das sieht wunderschön aus. Von so einem Familien Urlaub träume ich auch seit einer Weile. Wir sind allerdings nicht so viele.. und meine Eltern sind geschieden (verstehen sich allerdings sehr gut). Kinder gibt es nur unsere Kleine, ausser man bezieht die Familie meines Mannes mit ein, wo es dann nochmal zwei Teenies gibt. :)

    Wundervoller Beitrag und fantastische Fotos. Bin n bischen neidisch ;)

    Nev

Ein Trackback

  • Von Vor Ostern am 13. April 2017 um 13:17 Uhr veröffentlicht

    […] Es kommt nicht auf die Stunde an. Ich denke an unseren Großfamilienurlaub letztes Ostern in Lexow. Der ellenlange Tisch, meine Nähmaschine. Wiener Kaffee. (Mit Eierlikör und Schlagobers.) Für […]

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    Hier schreibt Mirjam Nietz. Ich lebe mit meinem Mann und drei Kindern auf dem Brandenburger Land - einen Fuß breit in Berlin, ständigem Nordweh im Bauch und einer Hand an der heißen Kaffitasse.
    Schön dass du dir Zeit nimmst!