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Category: Auf Reisen

Okt 06

Love in the afternoon – Wanås

Ich sehne mich nach einem Buchenwald. Seit ich in Wanås war. Ich hatte vergessen, wie hoch die Kronen stehen, wie viel Licht ihr Laub bündelt. Und der immerwährende Teppich aus Bucheckern – knack, knack. Als Kind war ich in einem Buchenwald, und dann noch ein Jahr mit Ite-ska-wih.
Solche Wälder müssen steinalt sein. Wahrscheinlich lebte Robin Hood in einem Buchenwald. Elbenspuren könnten noch tief drin verborgen sein. Und kein Wunder, dass die Snapphanar sich in solchen Wäldern versteckten, wie gemacht dafür.
Wanås haben wir zweimal durchwandert. Seit 1987 installieren internationale Künstler für ein Jahr ihre Arbeiten auf dem Gelände rund um das kleine weiße Schloss. (Das ist heute in Privatbesitz. Meine Neugierde blieb ungestillt, ich konnte nicht herausfinden, wer da lebt und seinen Kaffee trinkt.)
Ein paar Arbeiten bleiben jedes Jahr in Wanås zurück. In der Nachsaison war es besonders schön, durch den Wald zu gehen, fast ganz allein. Als liefen wir durch eine Geschichte, die sich mit jedem Weg anders weiter erzählt.
Die Installation von Ann Hamilton in der riesigen Scheune hat mich am meisten fasziniert. Ich wünschte, sie käme mal nach Berlin!
Der Buchenwald von Wanås lässt sich genauso wenig zusammenfassen wie ein Roman – den man ja nie nur liest, immer auch durchlebt. Aber ein paar Bilder will ich doch zeigen. Wer bald nach Schweden fährt, sollte das unbedingt auf die Reiseroute setzen.

WanasWanasschaukelnschaukelnSilberbaumdie Zeit kann sich spiegelndinner is readyjemand zu Hause?Licht

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Sep 29

Hejdo Sverige

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Falsches Pack
Ich blicke in die Wälder aber
sie sind leer.
Blank ohne Steine
ausgeraubt.
Keine Elche liegen schelmisch
versteckt kein Mantel
der am Baum hängt.
Die Landschaft ist falsch.

Das Problem am Verreisen ist: Irgendwann muss man nach Hause kommen. Das wilde, stille Land zurück lassen, den fröhlichen Küchentisch mit starkem Kaffee und Flirren von lauter Zuneigung.
Was ist das mit der Stadt hier? Nur genervte Gesichter, dreckige Wäsche. Gott sei Dank für den Mann, der an mir vorbei läuft und singt.
Aber wir sind ja zu dritt, wir rotten uns zusammen und wissen uns zu helfen: Kakao und ein heißes Bad, und wenn das nicht lange vorhält, ein Großeinkauf bei Starbucks – und jeden Tag die aus Versehen mitgenommenen Wollsocken überziehen.

Der Herbst ist hier auf unserem Dörfchen jedenfalls auch angekommen, Kastanien liegen am Boden, Laub weht. Die Roten Bete müssten aus der Erde. Aufregende Pläne stehen für den Kaffiknopf im Oktober an, ich verrate es bald. Und dann ist auch gar nicht mehr viel übrig vom Jahr 2010 und schwupp – werden wir schon im neuen Jahr stehen, und da wartet jemand auf uns und möchte kennen gelernt werden und große Augen machen. Überraschung!

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Sep 28

Noch ein bisschen Meer :: Karlskrona

In alle Richtungen ging es jetzt von unserem reizenden Domizil nahe Knislinge. Nach Süden, nach Westen, nach Norden und mit Karlskrona auch weiter nach Osten. Wir brauchten noch ein bisschen (mehr) Meer. Herbstmeer. Und ein echtes Mjukglass, das wir uns mit der Dohle geteilt haben. (Es ist doch eine Dohle, richtig?) Sie hat sich auf den Kinderwagen gesetzt wie eine Altbekannte und war auch schon mal Frankreich.
Der Weg nach Karlskrona war verschlungen und schön, die Stadt selbst nicht gerade charmant, abgesehen von dem Hofcafé Nyfiket. Das hatte für uns freie Nachmittagssonnenplätze, selbstgebackene Kuchen und Quiches, ein Klavier und eine Geschichtentreppe. (Auch dieses Café hat eine Website, das gibt es doch nicht!) Blaubeer-Meringue-Tarte mit Sahne für mich, die letzten Wallanderseiten für Batti und ein Lümmelplätzchen für Mini Blondie, bevor wir schließlich doch die Sicht auf Karlskronas Schären gefunden haben. Nach ein bisschen Suchen sind wir raus auf Hasslö gefahren. Abendrot, Meer, und wieder Wiesen voller Steinbrocken, als wären das ihre Weiden, als lägen sie da seit zweihundert Jahren im Märchenschlaf. Über kleine Holztreppen mit Türchen gelangt man auf die nassen Wiesen, wer-weiß-wie alte, trockene Kuhfladen überall. Ich kann mir vorstellen, wie die früher als Brennstoff aufgelesen wurden. Ich habe gedacht, es wäre einfach, einen Stein mitzunehmen. Aber die größere, nicht sichtbare Seite der Steine ist schon seit Unzeiten mit der Erde verbunden. Dafür bräuchte man Bergwerkzeug.
Rückfahrt einmal mehr im Dunkeln. Ein Glück, der Käse reicht, bis wir im Häuschen sind.

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Sep 25

Spitze

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Delightfull! beschreibt es wohl am Besten, oder? Diese Kostbarkeiten habe ich in Växjö bei Johanne erstanden – Vintage Spitze und zwei Bettlaken. Habe gerade entdeckt, dass es eine Webseite zu dem Laden gibt – check this out! Die Skandinavier sind einfach ganz vorne!
Ehrlich gesagt kribbelt es auch schon ziemlich in meinen Fingern und ich kann das Surren meiner Nähmaschine kaum erwarten … Zuhause ist auch schön.

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Sep 24

Packliste

Einen Marshmallow nehm ich mit

Was wir aus Schweden mitnehmen … neben allen Eindrücken in unsere Gemüter, kleine Eindrücke und gewaltige Druckstellen, von Steinchen und Felsbrocken, nicht zu vergessen die gigantischen Marshmallows, für die ich sicher eine neue Kaffeetasse (in Übergröße) brauchen werde.
Das sind kurze Begegnungen und Rätseln darüber – In Torne: Carlos, der brasilianische Angler auf der anderen Seite der Brücke. In Växjö: Der Laden von Johanne mit zu schnell bestaunten Kostbarkeiten und einer anderen deutschen Familie, deren kleine Tochter sich ein Mokkageschirr, bedruckt mit Linnéablumen aussucht. Tief im Wald, am Ende des Weges, Hummelbacken: Der ältere Mann, barfuß und mit Fahne, wie er da mit seiner Katze lebt – war das wohl Petterson?

Johanne in Växjö
elgen kommer
the young girl and the lake
asnen

Und was wir hier lassen müssen …
die beiden Elche, die im Wald auf uns gewartet haben, die ungefangenen Zander und Hechte im Åsnen, den Feuerpilz mit seinen drei Kindern im Garten und den alten offenen Küchenofen mit seinen Geschichten von hundertjährigen Broten.

very old kitchen fireplace
Steinpilz im Garten

Unsere Schwedenliebelei geht langsam zu Ende … ich sortiere schonmal das Gepäck.

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Sep 20

Sommer schachmatt!

Liebe Mamsell September,
selbst hier in Schweden scheue ich keine Kronen und Mühe, dir zu schreiben. Ich weiß, du wartest schon. Hoffentlich ist die schwedische Post zuverlässig und schnell. Aber ehrlich gesagt habe ich bei unseren Streifzügen durch die Landschaft so viele kleine Gehöfte gesehen, alle hatten sie einen Briefkasten, aber nicht ein einziges Mal war ein Briefträger in der Nähe. Das stimmt mich bedenklich.
Du hast den Sommer schachmatt gesetzt. Hurra, meine Herbstliese, du hast gewonnen! Jetzt lass aber auch dein Siegerstrahlen sehen, puder deine Goldfunken auf und mach uns warm ums Herz. Ich will noch einmal mein Röckchen anziehen, Softeis essen und drei oder vier Sommersprossen nachfärben. Komm schon, gib dir einen Ruck und setz noch drei Grad auf die 15 rauf.
Mit liebsten Grüßen,
dein Kaffiknopf

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Sep 18

Battiblog: Norwegen, die fünfte

Wahrscheinlich ist meine Schwester Schuld. Wer wandert auch mit knapp 20 allein und ohne Kontakte einfach so nach Norwegen aus, ausgerüstet mit einem Sprachschatz, der sich auf das Studium von ein paar Ausgaben der Aftenposten gründet? Jeder Beruf hätte ihr mit ihrem Musterzeugnis offengestanden, aber Büros ersticken sie, sie will mit den Händen und draußen arbeiten, also Norwegen, also ein Bauernhof.

Seit meinem ersten Besuch bei ihr habe ich mich angesteckt mit ihrer Leidenschaft für das Land mit der schroffen und unwirtlichen Landschaft, dem unglaublichen Licht, den Bergen die sich direkt aus dem Meer erheben und den unaufdringlichen aber neugierigen und freundlichen Menschen.

Dieses Mal reichte es nur für einen Wochendbesuch zusammen mit meiner Familie, nur drei Tage lang, aber immer wieder mit Möglichkeiten, mich abzuseilen und faszinierende Orte neu zu besuchen.

Am Hvalstrand habe ichvor 15 JAHREN (jetzt fühle ich mich kurz alt) “Die Rückkehr des Köngigs” gelesen. Tolkiens Ring-Trilogie hinterlässt einen Teenager ohnehin in Aufregung, wenn man dazu zwischen den Buchseiten in Norwegen wandert, dann ist man quasi Teil des Ringbundes.

Ein paar Jahre später habe ich mich – wir waren gerade in den Flitterwochen – eines Morgen wieder an den Hvalstrand gestohlen, um den Sonnenaufgang über den Sprungturm ohne Steg zu erhaschen.

Hvalstrand, Asker 2010

Jetzt war ich, in Begleitung meiner Mutter und meines Bruders, in Asker. Wie zufällig wollten wir nur mal kurz an den Oslo-Fjord und verwirrt durch die veränderte Verkehrsführung habe ich erst unmittelbar, bevor wir an der Küste waren, erkannt, wohin es mich ein weiteres Mal verschlagen hat. Diesmal haben uns ein paar Weißwangengänse Gesellschaft geleistet:

Hvalstrand 2010 Weißwangengänse

Meine Rückkehr zum Spiraltoppen über Drammen wurde von Gewittern verhagelt, die in ihrem Anmarsch den Drammensfjord in in das magische norwegische Licht tauchten und die Landschaft dampfen ließen.

Drammensfjord 2010

Regen auf dem Oslo-Highway 2010

Was passt noch alles in ein Wochenende? Edvard Munch Ausstellung und Naturkunde-Museum zusammen? Leider nicht! Diesmal hat Munch mich mehr angezogen. Auch weil es wieder ein paar Momente ungestörtes Alleinsein bedeutet, die ich brauche. Und neben dem bekannten Schrei und der Madonna (wie gut, dass sie wieder gefunden wurden), haben es mir besonders zwei Mädchen in der Ausstellung angetan. Beide sind inzwischen sehr alt, eines ist sterbenskrank und hat mit der Art, wie seine Hände gemalt sind, seinerzeit einen Aufschrei in der allgmeinen Kunstszene ausgelöst:

the sick child, Munch Museum 2010

… das andere hat mit seinem unkonventionellen Auftreten seit 1944 (ironischerweise dem Todesjahr Munchs) das Vorstadt-Spießbürgertum durcheinander gewirbelt und ist heute überraschenderweise mit seiner Mama unterwegs:

Pippi meets Munch

posted by Matthias

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Sep 17

Ystad hin und zurück

Die Spurensuche beginnt von ganz allein. Nach ein paar Tagen hier, im kleinen Norden, (nördlicher geht es immer) habe ich entdeckt, welche Spuren ich suche.
Spuren lang vergangener Zeiten, die mich so in ihren Bann ziehen, als Großmutter die Butter selbst rührte, als ursprünglich noch meinte, was es war. Spuren von Astrid Lindgrens Kindertagen – und die suche ich wohl besser doch nicht im touristischen Vimmerby, die bröckeln auch hier, entlang der Straße nach Ystad, mit dem Putz der vielen Gehöfte. Manche noch bewirtschaftet und manche verfallen. Spuren vom Leben dieses Hauses, in dem wir wohnen, 150 Jahre alt. Die offene Feuerstelle in der Küche mit rätselhaften Türchen und Klappen macht es ein wenig greifbarer, auch die Kühle auf dem Boden, der jetzt das Schlafzimmer ist. Wer hat hier gelebt, geliebt, gehofft, geglaubt, gezweifelt?
Spuren am Meeresufer – von fernen Welten. Batti hat mich darauf gebracht, wie ungewohnt es ist, das Meer im Süden zu haben und wie hier die Sonne darauf leuchtet, anders als auf unserer Seite.
Spuren von Elchen, und das ist bei der einsamen Lage nicht so unwahrscheinlich. Warum ich vor Glück platzen kann, wenn dann wirklich ein Elch am Morgen aus dem Wald kommt, kann ich nicht erklären.
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Ystad ist ein süßes Städchen zum Schlendern – nicht nur, weil ich gleich zwei Stoff- und Wolleläden finde. In unbekannten Ländern gehe ich am Liebsten zuerst in eine Bäckerei und koste, was da so gebacken wird. Dann stromern wir durch eine Buchhandlung und blättern die schwedischen Kinderbücher durch. Lotta aus der Krachmacherstraße und Kater Findus grüßen uns von vielen Covern, Kalendern, Spielen. Na klar, Schweden ist schließlich ihr zu Hause, wie wir Mini Blondie vorher immer wieder erzählt haben. Im Moment denkt sie immer noch, dass nur unser Haus hier Schweden ist. Ich kann mit ihrem Eroberungstempo gut leben.
Langsam wird es Zeit für ein paar Steinpilzfunde und eine echte fika.

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Sep 16

Kleine Botschaften

shelf

Noch ist es mein alleiniges Vorrecht, das Ferienhaus einzuräumen und heimelig zu machen. (Bald wird Mini Blondie mitmischen wollen.) Unser Häuschen wurde 1860 gebaut, hat also schon eine lange Geschichte zwischen den Wänden, wir können sie abspüren. Es ist ganz nach meinem Herzen eingerichtet, von den grauen Dielen, den Möbeln, den vielen kleinen Lämpchen, bis hin zum Geschirr. Der Besitzer, ein Däne, hat überall kleine Botschaften und Hinweise angebracht. Einige entdeckt man erst auf den zweiten Blick. Beim Essensvorräte einräumen hat er mich reingelegt, beinahe hätte ich das Regalfach freigelassen. Kann ja sein, bei so einem alten Haus, dass es morsch ist. Dänischer Humor – sehr sympatisch!

danish

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Sep 15

Die Kanne auf dem heißen Ofen verströmt Duft und Frieden

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Heute könnte ich den lieben langen Tag vor dem heißen Ofen sitzen, Tee warm halten, aufstehen, die Tasse wieder füllen, auf den Ofen blicken. Und das mache ich auch.
Das ist das kleine, große, nicht festzuhaltende Glück. Zeit haben. Nicht für irgend jemanden, nicht für mich selbst effektiv sein müssen. Wir machen Urlaub! Und die Wiese mit Waldrand verheißt Elche.

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